Von Südgeorgien zur Antarktischen Halbinsel – Tag 80 und 81 – 11. und 12. Tag auf See

James Gorman: “The suspension of life that occurs onboard ship is addictive. At sea you are always in transit, in transition. Nothing is fixed. Everything is imminent. A storm could come. A whale could break the surface. The future could hold anything.” 

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 56“ 57,3’ S, 42“ 1,3’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1713 Meilen
Geschwindigkeit: 10,3 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 15 Knoten Südwest
Außentemperatur: 3 Grad C

Der erste Seetag auf dem Weg von Süd-Georgien zur Antarktis-Halbinsel (bzw. erst einmal zu Elephant-Island) fing ruhig an – abgesehen vom Seegang. Nach einer Abstimmung am Vortrag gab es keinen Weckruf. Wir sind dennoch pünktlich zum Frühstück gekommen 🙂 Im Speisesaal war es aber richtig leer.

Da wir in den vergangenen 4 Tagen fast 10.000 Fotos gemacht haben, war auch klar, was unser Tagesprogramm war – Sortieren und Bearbeiten.

Am Vormittag sind aber erst einmal viele Fotos dazu gekommen. Für über eine Stunde waren wir umgeben von Finnwalen, für ein paar Minuten waren diese auch mal nur 20-30 Meter vom Schiff entfernt. Insgesamt waren es um die 20 Tiere  – spektakulär, auch wenn man meist nur die Wasserfontäne und den Rücken sieht.

Gegen 11:30 Uhr war dann wieder großes Klamotten- und Rucksack-Saubermachen angesagt, denn auch für die Antarktis gelten strenge Bio-Security Richtlinien. Diesmal waren die beiden Crewmitglieder auch deutlich gründlicher und haben die Taschen der Jacken und Hosen ausgesaugt, damit auch ja kein organisches Leben auf die Antarktis kommt.

Zum Mittagessen hatten wir ein angenehmes Gespräch mit Patterson und Scotty von der Expeditionscrew.

Am Nachmittag ging es dann weiter mit Fotobearbeitung – unseren alten Kisten kommen bei der Datenmenge ganz schön ins Schwitzen. Aber es hat sich gelohnt 🙂

Um 17:00 Uhr sind wir noch zum Vortrag: ‘Geodynamics & Polar Bears’ gegangen – es ging um die Frage, warum auf der Antarktis keine Eisbären leben (kurze Antwort: die Antarktische Kontinentalplatte hatte sich schon vor langer Zeit von Gondwana getrennt und erst viel viel viel viel später – nach den Dinosaurieren – haben sich die Bären entwickelt). War lustig gemacht und diesmal sind wir auch bis zum Ende geblieben.

31.12.2016 – Tag 81 – Tag 12 auf See

Pico Iyer ‘Why we Travel’: “We travel initially to lose ourselves; and we travel next to find ourselves. We travel to open our hearts and eyes and learn more about the world than our newspapers will accommodate. We travel to bring what little we can, in our ignorance and knowledge, to those parts of the globe where riches are differently dispersed. And we travel, in essence, to become young fools again – to slow time down and get taken in, and fall in love once more.” 

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 59“ 45,6’ S 50“35,1’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 2031 Meilen
Geschwindigkeit: 10,7 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10-15 Knoten Südwest
Außentemperatur: 3 Grad C

In der Nacht vom 30. auf den 31.12. wurden die Uhr wieder um eine Stunde zurück gestellt, so dass wir wieder 4 Stunden Unterschied zu Deutschland hatten.  Um 7:30 Uhr war wieder Wecken angesagt. Am Vormittag habe ich schon mal angefangen mich durch die 10.000 Fotos zu kämpfen und Timelapes und Panoramas zu erstellen. Judith ist zu einem Vortrag von Woody mit dem Titel ‘The Heroic Age of Exploration in Antarctica’ gegangen, der richtig gut war. Ansonsten haben wir eigentlich nur Fotos sortiert und bearbeitet – same procedure as every year. Nachdem Mittagessen – ohne Linsensuppe – ging es genauso weiter. Ab und zu waren wir draußen an Deck um die ruhige See zu genießen. Nach dem letzten Recap des Jahres und dem Abendessen mit Partyhütchen ging es in den Club zur Silvesterparty mit Tröten. Obwohl es zum Abendessen schon 5-6 Gläser Rotwein gab, da Scotty sich immer hat nachschenken lassen und wir mithalten wollten, haben wir die Party mit einem Write Russian in den Weiten des Südpolarmeeres gestartet. Ab 23 Uhr gab es ein Mitternachtsbufet. Für Judith gab es Torte und für mich gab es Salami und Schinken – ohne was dazu – herrlich :-). Irgendwann verschwand Judith mit ihrem Sektglas zusammen mit einigen anderen Backpackern und Crewmitgliedern auf der Tanzfläche. Zu Mitternacht gab es zwar kein Feuerwerk, dafür leuchtete der Horizont noch wie bei einem Sonnenuntergang 🙂

Südgeorgien: Cooper Bay & Drygalski Fjord – Tag 79 – 10. Tag auf See

John Steinbeck: “A journey is a person in itself, no two are alike. And all plans, safeguards, policies, and coercion are fruitless. We find after years of struggle that we do not take a trip; a trip takes us.”

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 54″ 41,7′ S – 35″ 41,2′ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1440 Meilen
Geschwindigkeit: 10,1 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10 bis 15 Knoten West
Außentemperatur: 2 Grad C

Der Weckruf war an diesem Tag später – um 7 Uhr. Wir hatten Cooper Bay erreicht. Auf dem Plan stand diesmal nur eine Fahrt mit den Zodiacs und auf die ging es dann auch um 9 Uhr.
Cooper Bay ist unterteilt in einige kleine Buchten und in denen gab es noch einmal Goldschopfpinguine, Zügelpinguine und Seebären zu sehen. Außerdem auch einige Paare Rußalbatrosse sowie den Singvogel South Georgia Pipit. Unser Fahrer war diesmal wieder Woody und er hat an einer mega genialen Stelle, wo Pinguine das Wasser verlassen und betreten haben, sehr lange versucht, die Position zu halten – zum Ärger der anderen Zodiacs. Dort waren wir während der 90 Minuten Minuten jedenfalls länger als 10 Minuten und das hat sich echt gelohnt. Das Wetter während der Fahrt ist auch regelmäßig umgeschlagen. Am Anfang war es relativ windstill mit blauem Himmel, in der Mitte hat es richtig angefangen zu schneien mit schönen großen Schneeflocken und am Ende war zwar noch viel Wind da aber die Wolkendecke ist aufgebrochen – 4 Jahreszeiten in 90 Minuten 🙂

Ab 13:00 Uhr ging es dann zum Abschluss des Besuches von Süd-Georgien in den Drygalski Fjord.

Auch hier war das Wetter anfangs wieder sehr windig und durch starken Schneefall sowie Nebel geprägt, so dass man das Fjord-Gebirge mit bis zu 1000 Meter Höhe kaum gesehen hat. Glück hatten wir dann aber auch hier wieder. Der Captain hat das Schiff bis auf 200 Meter an den Gletscher heran manövriert und gleichzeitig den Bug freigegeben, so dass die meisten der Passagiere vorne am Schiff die großartige Landschaft bewundern konnten. Shane, der Expitionsleiter hat uns dann zum Recap erzählt, dass es auch Kapitäne gibt, die schon eine Meile vorher das Schiff zum stehen bringen – unser russischer Captain ist also mal wieder super 🙂 Die Fahrt durch den Fjord lief auch die GoPro durchgängig und hat Fotos für ein Timelapse geschossen – mehr als 11.000 Stück 🙂 (kommt irgenwann auch online 😉 )

Ab ca. 15:00 Uhr hatten wir dann den Fjord wieder verlassen. Vor uns lagen weitere 2 1/2 Tage offene See bis zur Elefanten-Insel an der Nordspitze der Antarktis-Halbinsel. Um 16:00 Uhr sind wir dann noch zu einem Vortrag zur Geologie der Falkland-Insel und von Süd-Georgien gegangen. Ich bin nach so 30 Minuten wieder raus und Judith dann 10 Minuten später. Das Thema war einfach zu trocken für einen solchen Tag.

 

Südgeorgien: St. Andrew’s Bay & Gold Harbour – Tag 78 – 9. Tag auf See

Rachel Carson ‘The Sense of Wonder: “Those who dwell among the beauties and mysteries of the earth are never alone or weary of life. Those who contemplate the beauty of the earth find reserves of strength that will endure as long as life lasts.”

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 54″ 26,3′ S – 36″ 10,5′ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1397 Meilen
Geschwindigkeit: 10,1 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10 Knoten Südost
Außentemperatur: 2 Grad C

Am morgen wiederholte sich das Spiel vom Vortrag. Wecken war um 5:45 Uhr. Das Schiff war bereits in St. Andrew’s Bay, der mit 100.000 Brutparten größten Königspinguin-Kolonie der Insel, geankert. Obwohl es weiter schneite, starteten gegen 6:30 Uhr die ersten Zodiacs. Wir hatten noch 30 Minuten länger Zeit, da unsere Gruppe an diesem Tag mit dem Zodiac-Crusing anfing. Schon bei der Fahrt entlang des Strandes konnte man den unzähligen See-Elefanten zuschauen, die sich sehr langsam durch den Sand bewegten und sich auch im Gegenseiten Kräftemessen übten. Mit 6000 Kühen befindet sich hier auch die größte See-Elefanten Ansammlung der Insel. Die ca. 1,5 Stunden Zodiac-Fahrt mit Vladimir, der auch Fotos macht, war für uns großartig, da er für Motive ein Auge hat und entsprechend angehalten bzw. weitergefahren ist. Nur dass wir zwei Kinder mit auf dem Boot hatten, von dem eines (ein verwöhnter Rotzwanzt) nicht mal eine Minute die Klappe halten und der Natur zuhören konnte, war nervig. Da muss man schon aufpassen, dass nicht mal jemand ganz ausersehen ins Wasser fällt.

Südgeorgien – St. Andrew’s Bay

Zum Frühstück gab es dann Omlette, Kaffee sowie heiße Schokolade und Salamibrötchen – was braucht man mehr 🙂

Nach dem Frühstück ging es für uns an Land – immer noch bei Schnee – im Sommer 🙂 Aber das gehört in Südgeorgien irgendwie dazu. Die Pinguin-Kolonie ist über eine weite Ebene verteilt, die auch noch durch einen Fluss durchzogen wird, den wir nicht durchschreiten durften. An der Seite der Kolonie, die uns nicht zugänglich war, befindet sich der Cook Gletscher, den wir schon vom Wasser aus gesehen hatten (noch vor 30 Jahren war die Abbruchkante des Gletschers direkt an der Bucht). Auf dem Rückweg zum Zodiac begegneten wir dann auch einem kleinen, dafür aber sehr garstigen Seebären. Normalerweise macht man sich groß und ist laut, wenn die auf einen zukommen und die Tiere lassen ab – nicht aber dieser Kollege. Auch das Zusammenschlagen von Steinen, um Lärm zu erzeugen, hat nicht geholfen. Erst nach zwei Minuten hat der „Kleine“ aufgegeben. Angst hatten wir schon, denn bis auf weniger als einen  Meter ist er auf uns heran gekommen gewesen und die Zähne sahen schon so aus, als würden die problemlos durch Hosen und Schuhe durchgehen.

Am Landepunkt der Zodiacs hatten wir dann noch unseren Spaß mit den See-Elefanten. Die Jungtiere hatten sich über die Ausrüstung der Crew hergemacht. Wir haben dann unsere GoPro in den Sand gestellt und auch die wurde alsbald beschnuppert. Das war wirklich süß.

Während der Mittagszeit ging es weiter nach Gold Harbour, dort sind wir halb 4 angekommen. Eine halbe Stunde später ging es für die erste Gruppe auf die Zodiacs – an Land zu einer weiteren Königspinguinkolonie. Wir sind erst einmal mit der zweite Gruppe 90 Minuten mit dem Zodiac entlang der Bucht gefahren. Unser Fahrer war Jens aus Schweden, wir hatten ihn auch gefragt, ob wir zum nahe treibenden Eisberg fahren können, worauf er meinte, dass ist zu weit weg. Andere Zodiacs sind aber bis dahin gefahren, war ein wenig schade. Nach den 90 Minuten ging es direkt an Land und nicht wie sonst üblich gewesen erst an Bord. An Land waren wir noch mal eine Stunde – genügend Zeit um Fotos von den Pinguinen, See-Elefanten und der grandiosen Landschaft mit einem riesigen Gletscher (Bertrab-Gletscher) im Hintergrund zu machen.

Südgeorgien: Gold Harbour

Kaum wieder am Schiff angekommen, gab es auch Abendessen, das wir mit den beiden Schweizern Angela und Christa verbracht haben. Die beiden sind auch längere Zeit unterwegs und haben auch schon in Argentinien ihre Probleme gehabt 🙂

Südgeorgien: Stromness Harbour und Grytviken – Tag 77 – 8. Tag auf See

Robert Browning, as quoted on Ernest Shackleton’s grave “I hold that a man should strive to the uttermost for his life’s set prize.”

Über Nacht ging es dann weiter bis zu „Stromness Harbour“. Um 6:00 Uhr war allgemeines Wecken und um 6:30 Uhr ging es für uns an Land. Stromness Harbour war die finale Station auf der Rettungsreise von Shackleton, von wo aus er Hilfe für seine restliche Mannschaft organisieren konnte. Die Ruinen der alten Walfangstation stehen noch an der Küste, dürfen aber nicht betreten werden. Am Strand selbst waren wieder einige Seebären. Unser Ziel lag ca. zwei km im inneren der Insel – ein Wasserfall an dem Shackleton entlang klettern musste. Der Weg dahin verlief durch und entlang eines Flussbettes. Immer wieder mal während der Wanderung waren auch kleine Vögel im Sturzflug auf uns zu beobachten – ihre Art uns mitzuteilen, dass wir zu Nahe am Nest entlang gehen. Am Wasserfalls selbst darf man leider nicht den Hang hochgehen, da dort gerade ein Re-Naturierungsprojekt läuft (Europäer haben auf der Insel Rentiere angesiedelt – als Fleischlieferant. Diese hatten sich gut vermehrt und haben u.a. das Tussock-Gras weggefressen, was einheimische Vögel zum Nisten brauchen. Deswegen wurden erst in den letzten Jahre alle Rentiere abgeschossen, um die Insel davon zu befreien).

Die Landgänge finden immer in 2 mal 2 Gruppen statt. 2 Gruppe mit je rund 50 Menschen gehen an Land während die anderen 2 Gruppen mit den Zodiacs an der Küste entlang fahren. Nach dem Frühstück wurde deswegen getauscht und wir sind an der Küste entlang gefahren. Eine Bucht weiter ist die Ruine der größten Walfang-Station auf Süd-Georgien, Leith Harbour. Wir hatten das Glück, dass unser Zodiac-Fahrer an diesem Tag Woody war, der Historiker auf Schiff. Er konnte also noch eine ganze Menge erklären und erzählen.

Um 12 Uhr ging es dann für rund 2,5 Stunden weiter in Richtung King Edward Point bzw. Grytviken. Die Bucht ist heute noch bewohnt – durch Forscher, die offiziellen Angestellten der Regierung und die Betreiber des Museum in der alten Walfangstation. Nach dem das Schiff geankert wurde, kam auch erst ein Vertreter der Regierung an Bord um einerseits alle Pässe für die „Einreise“ abzustempeln (das ist wohl eher ein Tourigag) und um andererseits die Biosecurity-Maßnahmen an Bord zu überprüfen. Danach gab es noch einen Vortrag vom South Georgia Heritage Trust, eines gemeinnützigen Vereins, der seit 5 Jahren damit beschäftigt ist, die Insel von eingeschleppten Ratten zu befreien und bisher auch viele Erfolge verbuchen konnten. 

Anschließend ging es dann auf die Insel. Wir sind zu erst in das Museum bzw. besser gesagt, in den Museumsshop gegangen um Postkarten zu kaufen (die als Spende an das Rattenprojekt gehen). Diese und auch schon fertig geschriebene aus Patagonien haben wir dann in der Post abgegeben – betrieben von Royal Mail aus UK… sind ja auch nicht die schnellsten 🙂 Danach sind wir über das Walfang-Stationsgelände bis zu einem Aussichtspunkt ca. 100 Meter überhalb der Bucht gelaufen (in Gummistiefeln nicht wirklich angenehm). Von diesem Punkt aus hatte man echt einen super Überblick – hat sich gelohnt gehabt. Wieder unten in der Bucht ging es noch zum Grab von Sir Ernest Shackleton – einen Toast auf den „Boss“ trinken (mit Jameson Whisky, ein Schluck für einen selbst und den Rest über das Grab kippen). Den Toast hat Woody gesprochen. Er musste den ganzen Nachmittag über viel trinken 🙂
Die dann noch restlichen 60 Minuten auf Festland haben wir im Museum verbracht, diesmal um es uns wirklich anzuschauen.

Das Wetter an diesem Tag war bis zum Abend echt großartig, viel Sonnenschein und blauer Himmel. Gegen 19:00 Uhr fing es an zu schneien. An Bord war eine Grillparty geplant, auf dem offenen Bereich von Deck 6 und Deck 7. Es war auch quasi alles schon vorbereitet – warmer Kakao, Salate und jede Menge Fleisch vom Holzkohlegrill! Doch als als losgehen sollte, find ein Schneesturm an. Fanden irgendwie nicht alle toll, aber wir haben uns mit den Tellern draußen hingesetzt, in dicker Jacke, bei Schneefall und Ausblick auf die Fjordlandschaft. Großartig. Ein wenig das Gefühl von Thüringen, Grillen im Winter 🙂
Der Chef des Servicepersonals, Alex aus Russland, hat sonst im Restaurant immer schon gute Laune. Draußen im Schnellfall bei um die 0 Grad war die Laune irgendwie noch mal deutlich besser – kann ich verstehen 🙂

Auch das kurze Recap, die Zusammenfassung des Tages und Ausblick auf den nächsten Tag, fand draußen während des Essens statt. Dabei ist auch ein „Bewohner“ der Insel zu Wort gekommen und auch noch ein paar anderer Menschen von dort vorgestellt – unter anderem der Postmann – der auch der Doktor der Insel ist.

Als Nachtisch gab es übrigens Eis mit heißen Heidelbeeren 🙂

Südgeorgien: Right Whale Bay und Salisbury Plain – Tag 76 – 7. Tag auf See

Bericht von der Brücke:

Position (gegen 08:00 Uhr): 54“ 00’ S, 37“ 40,7’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1286 Meilen
Geschwindigkeit: 11,05 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 15 Knoten West
Außentemperatur: 2 Grad C

“The wild rocks raised their lofty summits till they were lost in the clouds and the valleys lay buried in ever-lasting snow.” – Captain James Cook, upon his discovery of South Georgia in 1775

 

WOW!

Montag, 06:15 Uhr, der Weckruf hallt durch die Ocean Diamond. Klingt wie, als müssten man zur Arbeit. War aber nicht so 🙂

Über Nacht ist das Schiff an der Nord-West-Spitze von Süd-Georgien angekommen. Schon von einiger Entfernung war die Insel schön anzusehen. Das Wecken war so früh, weil es eigentlich ab 7:00 Uhr mit den Zodiacs bei Elsehul an Land hätte gehen sollen. Diese Bucht liegt am äußerten Rand der Insel und dadurch waren die Wetterbedingungen extrem – an diesem Tag hat der Wind und damit der Wellengang die Zodiac-Fahrten unmöglich gemacht. Und obwohl der Captain und die Crew ein paar mal in der Bucht gekreuzt sind, hat sich keine passende Stelle gefunden.

Der Tagesplan wurde geändert und das Frühstück vorgezogen. Während dieser Zeit ist das Schiff zur Right Whale Bay weitergefahren – mit der Hoffnung, dass dort die Bedingungen besser sind. Die Zeit bis dahin haben wir auf bzw. neben der Brücke verbracht um die Insel und die vielen Seevögel zu bewundern. Ab und zu sind auch Pinguine und Robben am Rand des Schiffs aufgetaucht. In der Right-Whale-Bay angekommen hatten wir dieses Mal Glück! Das Wetter hat mitgespielt. Eine Landung war aber trotzdem nicht möglich: der Strand war von sehr sehr vielen Seebären bevölkert. Gerade die jugendlichen Seebären messen sich gerne mit anderen Artgenossen – aber auch mit Menschen. Deswegen sind wir ca. 90 Minuten lang in der Bucht herumgefahren – um uns herum die Robben, Pinguine und Vögel. Und eine grandiose Landschaft. Das war aber nur der Vorgeschmack auf die kommenden Tage in Süd-Georgien.

Während der Mittagszeit ist dann das Schiff weiter zur Salisbury Plain gefahren. Die Ebene liegt am südlichen Ende der Bay of Isles und beherbergt 60.000 Köngispinguin-Brutpaare, also rund 250.000 einzelne Tiere.
Unglaublich.
1912, als die Insel von Walfängern benutzt wurde, lebten erst ca. 350 Brutpaare an dieser Stelle. Bei Salisbury-Plain konnten wir auch endlich an Land. Mit den Zodiacs ging es wieder bis an den Strand und dann zu Fuß weiter durch die Kolonie. Zusammen mit den Pinguinen leben dort auch viele Seebären, vor denen muss man schon ein wenig aufpassen. Die Seeelefanten hingegen sind harmlos und mit ihren großen Kulleraugen richtig niedlich – wenn auch bis zu vier Tonnen schwer. An Land hatten wir ca. 2 Stunden. Insgesamt sind an dem Tag über 2500 Fotos entstanden. Zum ersten Mal sind wir während der Schiffsfahrt nicht dazu gekommen, schon am Abend eine erste Auswahl zu haben. Das waren einfach viel zu viele. Und so ging es die nächsten Tage auch weiter 🙂

Ach ja, an diesem Tag um 08:06 Uhr wurde auch der erste Eisberg der Fahrt gesichtet. Sommerurlaub!

Weihnachten auf dem Atlantik – Tag 74-75 – 5. und 6. Tag auf See

 Herman Melville: “Give me this glorious ocean life, this salt-sea life, this briny, foamy life, when the sea neighs and snorts, and you breathe the very breath that the great whales respire!  Let me roll around the globe, let me rock upon the sea; let me race and pant out my life, with an eternal breeze astern, and an endless sea before.” 

Bericht von der Brücke:
Position am 24.12. (gegen 08:00 Uhr): 52“33,2’ S, 49“ 56,5’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 831 Meilen
Geschwindigkeit: 11,3 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 25 Knoten Südwest
Außentemperatur: 7 Grad C

Weihnachten startete für uns mit einem allgemeinen Wecken um 07:45 Uhr, warum auch immer 😉 Der Tag war ein reiner Fahrt-Tag in Richtung Süd-Ost. Den Vortrag am Vormittag zu den Vögeln des Südmeeres haben wir geschwänzt, weil wir dazu schon einiges gehört hatten. Der Seegang war auch weiterhin deutlich zu spüren und vor dem Mittagessen wurde es Judith auch ein wenig flau im Bauch. Wir sind also zur Ärztin gegangen und sie hat Judith ein paar Pillen gegen die Seekrankheit gegeben. Von den Gummistiefeln haben wir beide auch Abschürfungen an den Waden bekommen und die haben wir ihr auch gleich gezeigt. Nach 2-3 Minuten kam sie dann mit Pflastern zurück – Mullbinden waren schon ausgegangen – am 5. Tag 😉 Zum zweiten Vortrag am Vormittag waren wir dann akademisch pünktlich. Es ging um die Entstehung und die Unterschiede der Gletscher in Süd-Georgien und der Antarktis.

Zum Mittagessen gab es Ente, zwar ohne Klöse, Soße und Rotkohl aber besser als nix so weit weg von der Heimat 🙂

Nachdem Mittag haben wir auch mit unseren Familien telefoniert. Ein Guthaben von 60 Minuten (oder weniger, je nach dem wie viel die Verbindung kostet – was man vorher nicht weiß) hatte 20 US-Dollar gekostet. Die Satellitenverbindung war leider nicht ganz so gut, aber das ging schon irgendwie. Die Karte mit der Pin für das Telefon war nur schwer lesbar. Ich weiß nicht mehr, warum es bei mir gleich beim ersten Anlauf geklappt hatte (vermutlich hatte ich mich verdrückt) aber als Judith dann telefonieren wollte, kam auch beim gefühlten zehnten Anlauf eine Fehlermeldung, dass die PIN ungültig ist. Ein kurzer Besuch an der Rezeption hat aber zum Glück Abhilfe geschaffen.

Um 14:00 Uhr gab es dann eine Pflichtveranstaltung zur Sicherheit auf Südgeorgien in Form eines ca. 60 Minuten langen Videos – gefühlt war der halbe Raum kurz vorm Einschlafen: die Anti-Seekrankheits-Pillen machen auch müde.

Im Anschluss ging es an die Biosecurity-Reinigung. Das hieß: wir mussten mit allen Sachen, die wir auf Südgeorgien mitnehmen wollten, zu einer Staubsaugerstation kommen. Dazu zählten: die Gummistiefel, Hose, Jacke, Mütze, Handschuhe und Rucksack. Wir hatten irgendwie eine gründliche Reinigung erwartet, also mindestens das die Rucksäcke, die wir schon seit über zwei Monaten quasi täglich im Einsatz haben, ausgesaugt werden. Aber alles wurde nur kurz angeschaut und mit „fine“ kommentiert. Alles bis auf Judith ihre ausgeliehenen Handschuhe. Ziemlich komisch. Gerade nach dem Video hätten wir vermutlich gründlicher gesaugt, als die Crew es gemacht hatte.

Eine Zusammenfassung des Tages gab es diesmal nicht, war ja auch nicht so viel los und der nächste Tag war auch ein reiner Seefahr-Tag.  Um 19:00 Uhr gab es dann Abendessen und im Unterschied zu den Abenden davor wurde das „Dessert“ ein Deck oberhalb im „Club“ serviert. Serviert ist da auch das falsche Wort: der ganze Gang dahin stand voll mit Eis, Kuchen und Torten, Obst, Irish Coffee und naja, was es eben so an Süßkram gab. Im Club selbst wurde dann durch einige jüdische Mitreisende der erste Abend von Hanukkah begangen und in einer kleinen Zeremonie das erste Licht der Menorah angezündet. Bevor es dann zu den christlichen Weihnachtsliedern kam, haben wir uns aber verdrückt 😉

25.12.2016:

Hamilton Wright Mabie: “Blessed is the season which engages the whole world in a conspiracy of love”

Position am 25.12. (gegen 08:00 Uhr): 53“ 28,9’ S, 42“ 38,5’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1101 Meilen
Geschwindigkeit: 11,5 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 20,25 Nord
Außentemperatur: 2 Grad C

In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag (25.12.2016) war eine Zeitumstellung (von deutscher Zeit -4h auf deutsche Zeit -3h) und zum ersten mal seit Beginn der Expeditionsfahrt konnten wir etwas länger liegen bleiben, da der Weckruf erst um 9:30 durch das Schiff hallte. Mit eigentlich immer noch vollen Bäuchen sind wir zum Weihnachtsbruch gegangen. Weihnachten ist nicht nur in Deutschland das Fest der Völlerei 🙂 Ab 11 Uhr haben wir uns dann in die Lounge gesetzt und noch ein wenig Fotos bearbeitet und Texte geschrieben. Außerdem auch ein paar Postkarten, die wir in Süd-Georgien abgeben wollten (es gibt in Süd-Georgien drei offizielle, von der britischen Regierung eingesetzte, Offiziere und einer von denen betreibt nebenbei die Post – obwohl die Insel nicht dauerhaft bewohnt ist). Eigentlich wollten wir am Nachmittag auch zu einer Präsentation zur Geologie der Falklandinseln und von Südgeorgien, aber die wurde verschoben – warum haben wir nicht verstanden 😉 Dafür gab es dann aber Häppchen, mit Lachs und Salami! Also so richtig essbarer Salami. Mit Geschmack. Mit Pfeffer. Und auf einer Art Vollkornbrötchen. Und wenn wir auf der Reise bzw. an diesem Tag etwas gelernt haben: an Weihnachten hat alles Null Kalorien 🙂

Beim Abendessen gab es dann noch eine Art Geschenk – ein Brauch aus der USA und wohl zum Teil auch aus UK. In einem Pappröllchen ist eine Überraschung und ein Art Weisheit wie in einem Glückskeks. Eigentlich soll man das Pappröllchen auch fest auseinander ziehen und dabei zündet auch eine kleine Zündschnur – haben wir aber bei 2 Versuchen nicht hinbekommen.

In Judith ihrem Röllchen war eine kleine Schuhbürste (wäre super für die Hunde in Ushuaia gewesen) und für mich 4 hölznere Golfabschlagshalter (wie auch immer das genannt wird) – braucht man bestimmt mitten im Südpolarmeer 🙂

Stanley auf der östlichen Falklandinsel, Tag 73 – 4. Tag auf See

Margaret Thatcher, May 14, 1982, commenting on the Falkland Islands war: „When you’ve spent half your political life dealing with humdrum issues like the environment, it’s exciting to have a real crisis on your hands.“ 

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 51“44,5’ S, 57“ 3’W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 536 Meilen
Geschwindigkeit: 10,2 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 15 Knoten Süd
Außentemperatur: 9 Grad C

Während der Nacht ist das Schiff vom Westen der Falkland-Insel in den Osten nach Stanley gefahren. Um 6:45 Uhr hat der „Wecker“ geklingelt, das gesamte Schiff wurde mittels Durchsage geweckt. Ab 08:00 Uhr sollte es dann möglich sein, dass Schiff am Hafen über die Gangway zu verlassen – die erste und letzte „Trockenlandung“ der Reise. Wir hatten uns am Vorabend noch kurzfristig für die „Wildlife- und Naturtour“ eingeschrieben. Beim ersten Versuch dort mitzumachen, waren die beiden angebotenen Gruppen schon voll aber die Crew hatte dann noch kurzfristig eine dritte Gruppe organisiert, an die wir uns dann anschließen konnten. Für uns ging es erst gegen 09:00 Uhr los. Zwischenzeitlich kam noch die Durchsage, dass es sinnvoll wäre, mit Gummistiefeln auf die Tour zu gehen. Judith war dem Ratschlag gefolgt, ich bin mir normalen Wanderschuhen los. Nach der Erfahrung auf Chiloe habe ich mir gedacht: was kann schon passieren. Wir sind also vom Schiff mit einem kleinen Bus abgeholt wurden. Gleich im Bus dabei waren unseren beiden Führer, Einwohner aus Stanley – beide aber ursprünglich aus UK. Nach rund 10 Minuten hatten wir auch den Startpunkt der Tour erreicht. Wir sind davon ausgegangen, dass es eine längere Tour, bergauf- und bergab wird – weil diese auch so beworben wurde. In den kommenden 3 Stunden ging es aber seicht an der Küstenlinie entlang und alle 50-100 Meter ist der Guide angehalten um etwas zur Pflanzenwelt an der Bucht zu erzählen. Manche der Sträucher konnten wir auch probieren. Ab und zu gab es auch Vögel zu sehen, z.b. die flightless Steamer Duck – eine Ente die nicht fliegen kann. Am Ende der Tour, bei Gypsy Cove gab es dann an einem Strand in einiger Entfernung auch noch mal Pinguine zu sehen. An den Strand selbst konnten wir aber nicht, da die Argentinier während des Falklandkrieges diesen vermient hatten und die Regierung ist sich nicht sicher, ob alle Minen geräumt sind.
Am Endpunkt mussten wir dann auch noch über 30 Minuten auf den Shuttlebus in die Stadt warten. Für uns war der Ausflug eine kleine Enttäuschung. Wir hatten uns unter einer Wanderung mit dem Titel Wildlife-Tour eben mehr als ein Lehrstunde in Sachen falkländischer Flora vorgestellt. Der Weg war ganz nett, aber wäre auch in einer Stunde machbar gewesen. In Stanley hatten wir dann noch knappe 60 Minuten bis zum letzten Bus zurück zum Schiff. Diese haben wir genutzt, um in der Post ein paar Postkarten abzugeben und im Supermarkt Süßigkeiten, die es auf dem Schiff nicht gibt, zu kaufen. Da die Post ein Stückchen der Küstenstraße entlang lag, haben wir so auch etwas von der „Stadt“, immerhin 2500 Einwohner, gesehen. Auch an der Kirche mit dem Wahrzeichen aus Blauwal-Knochen waren wir.

Gegen 14:00 Uhr ist das Schiff dann in Richtung Süd-Georgien aufgebrochen. Vor uns lagen mehr zwei Tage durchgängig auf See. Den „freien“ Nachmittag und Abend haben wir zum Ausruhen und Texte schreiben in unserer Kabine oder in der Lounge verbracht. Zum Abendessen hatten wir auch eines der angenehmeren Tischgespräche, mit Angela und Christina aus der Schweiz. Die beiden sind auch  auf einer längeren Tour sind. Das war auch ein angenehmes Gespräch, weil gerade bei der Vielzahl an Amis auf den Schiff war die erste, zweite oder dritte Frage immer „What is you occupacion“ – wir sind auf einer Reise, was interessiert dann der Beruf. Offenbar bekommen die meisten Amis eine Lehrstunde im Ford-Modell…… laaaangweilig 😉

Die See zwischen den Falklandinseln und Süd-Georgien war gefühlt auch deutlich rauer als vorher. Wir mussten uns schon oft festhalten um nicht irgendwo dagegen zu fallen. Auch beim Abendessen hat man die Auswirkungen gesehen. Die Speisesaal war deutlich leerer als die Tage zuvor.

West Point Island und Saunders Island, Tag 72 – 3. Tag auf See

Robert Cushman: „I now belong to a higher cult of mortals, for I have seen the albatross.“ 

Position (gegen 08:00 Uhr): 51“ 20’ S, 60“ 40,2’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 388 Meilen
Geschwindigkeit: 10 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10,15 Knoten Nordwest
Außentemperatur: 12 Grad C

An diesem Tag ertönte schon um 7 Uhr der Weckruf. Wir hatten über Nacht die Falkland-Inseln erreicht. Nach dem Frühstück ging es um 08:30 Uhr zu unserem ersten Landgang – West Point Island im Nordwesten der Inselgruppe. Auf dem Zodiac gab es noch kurz eine Erneuerung der Security-Unterweisung und dann ging es auch schon an Land. Für die Passagiere mit Mobilitätsproblemen warteten an Land zwei Landrover als Shuttle zu unserem Ziel: Devils Nose. Wir sind die 2km über die Insel von der Ost- zur Westseite gelaufen.
„Devils Nose“, eine Klippe, ist ein Brutplatz von Schwarzbrauenalbatrosen und Felsenpinguinen. Die Tiere nisten in verschiedenen Gruppen quer durcheinander. So geben die Albatrosse den deutlich kleineren Pinguinen Schutz und auch anders herum. Mögliche Angreifer haben da kaum eine Chance. Das war einfach toll, das Spektakel mit ansehen zu dürfen. Sowohl die Pinguine als auch die Albatrossen haben den nur 1-2 Wochen alten Nachwuchs in den Nestern gehabt.
Um 12 Uhr sollten wir wieder zurück an der Landestelle sein. Auf dem Rückweg sind wir noch an einem Hügel vorbeigekommen, wo wir noch hochgehen wollten – waren uns aber nicht sicher, ob das ein guter Plan ist. Wir haben also einen der Landrover-Fahrer angehalten und der hat gesagt, dass es kein Problem ist. Achso, die Falklandinseln gehören zu UK – der Fahrer saß also auf der falschen Seite  – eine Straße gab es nicht 😉

Einfach mal genießen
Einfach mal genießen

Oben auf dem Hügel hatten man noch eine schöne Sicht auf das ankernde Schiff in der Bucht. Aus einem zweiten Landrover wurde uns dann aber 10 Minuten später signalisiert, wir sollen wieder runterkommen. In der Nähe der Landestelle gab es im Haus der Inselbewohner – 2 an der Zahl – noch Kekse und Tee aus feinsten englischen Porzellan, ziemlich komisch so etwas auf einer Insel am Ende der Welt zu sehen.

Während des Mittagessens an Bord ist dieses weiter nach Saunders Island, der zweitgrößten Insel neben den Hauptinsel, gefahren. Dort ging es dann wieder mit den Zodiacs an Land. Direkt am Landpunkt war auch gerade eine Gruppe Magellanpinguine. Wir haben uns dort aber nur kurz aufgehalten und sind auf die andere Seite der Insel zu einem Strand gelaufen. Auf dem Weg dahin ging es an unzähligen Pinguinen, eine Schaf und einem Wal-Skelett vorbei. Am Strand selbst sind hunderte Puinguine, zum größten Teil Magellan– und Eselspinguin, die sich erst einmal säubern, nach dem sie aus dem Wasser gekommen sind. Auch ein Königspinguin stand einsam und fast regungslos am Strand, scheinbar so, als würde er über die anderen, deutlich kleineren, Artgenossen wachen.

Ich hatte mich auch mal für einige Minuten in den Strand gelegt, denn wir dürfen nur 5 Meter an die Tiere heran, aber wenn diese auf uns zu kommen, ist es ok. Und um so kleiner man wirkt, um so weniger bedrohlich ist man für die Tiere. Ob ich mit meiner Statur in einer knallgelben Jacke und einer roten Hose auf dem Strand liegend umbedrohlich wirke… nunja, an diesem Tag kam noch kein Pinguin näher an mich heran 😉

Gegen 18 Uhr waren wir wieder zurück an Bord. Nach der täglichen Zusammenfassung und dem Abendessen habe ich mich mit den Bildern des Tages beschäftigt. An diesem Tag sind 1400 Fotos entstanden, echt schwer zu sortieren. Pinguine sind einfach fotogen 🙂 Über die Nacht hinweg ging es einmal um die Falklandinseln herum Richtung Stanley, der Hauptstadt.

Von Ushuaia zu den Falkland-Inseln, Tag 71 – 2. Tag auf See

In der Lobby der Ocean Diamond hing eine Karte, auf welcher die zurückgelegte Route dokumentiert wurde. Außerdem gab es dort einen täglichen Bericht von der Brücke, der jeweils ca. 08:00 Uhr erstellt wurde. Für den ersten Tag auf See hieß es:

Position (gegen 08:00 Uhr): 53 „ 21,8’ S, 63“ 17,1’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 231 Meilen
Geschwindigkeit: 12 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung:15 Knoten West
Außentemperatur: 8 Grad C

Den ersten richtigen Tag auf See verbrachten wir auch vollständig auf eben dieser in Richtung der Falkland Inseln. Obwohl keine Landgänge anstanden, war der Tag gut gefüllt.

Um 07:45 Uhr gab es einen allgemeinen Weckruf über das Bordsprechsystem. Das war fast jeden Tag der Fall, nur zu unterschiedlichen Zeiten. Zu dieser Gelegenheit wurde unsere aktuelle Position sowie die Zeit, ab der es Frühstück gibt, durchgegeben. Ab 08:00 Uhr war dann das Frühstücksbuffet geöffnet. Für uns gab es frisches Obst und dunkle !!!!! Brötchen.  Gebratenen Speck, Blackpudding und die anderen englischen Frühstücks-Absurditäten brauchten wir nicht 🙂

Ab 9 Uhr gab es dann einen super Vortrag zu der Tierwelt, bzw. besser der Vogelwelt auf den Falkland-Inseln und Südgeorgien. Auf den Insel gibt es vier verschiedene Arten von Pinguinen, zwei Arten von Albatrossen und noch scheinbar unzählig viele andere Vögel.

Bevor wir zu einem zweiten Vortrag „Capturing the Experience“ gegangen sind, haben wir noch unsere Gummistiefel für die Tour abgeholt – diese sind für die Schlauchboot-Landungen absolute Pflicht, genauso wie die gelben Parkas und eine wasserdichte Hose.

Der Fotografie-Vortrag war ganz nett aber hat sich eher an Anfänger gerichtet und selbst für die, war die eine Stunde zu kurz. Es ging zu einen Hälfte um die Technik, also wie Lichtempfindlichkeit, Blende und Belichtungszeit zusammenspielen und die zweite Hälfte um Bildgestaltung. Wir hatten aber den Eindruck, dass ein relevanter Teil der Passagiere sich extra für die Reise eine Kamera mit Telezoom bis 600mm Brennweite gekauft hatten, aber vorher damit nicht fotografiert hatten. Lustig anzusehen war es dann aber schon, wie manche mit mit extrem wackelnden Teleobjektiv auf dem zusätzlich schaukelnden Schiff versucht haben, die Vögel um unser Schiff herum zu fotografieren 🙂 (klingt gerade gemein, ich weiß). Zum Glück ist dabei keiner über Bord gegangen.

Nach dem Mittagessen ging es dann mit einem Pflichtvortrag weiter: „Landing Guidelines & Zodiac Safety Briefing“. Uns wurde erklärt, wie man in die Schlauchboote (Zodiacs) ein- und aussteigt und wie man sich auf Land zu verhalten hat. Um dazu nur einige Punkte zu nennen:

– Nichts mitnehmen, außer Fotos (also keine Steine usw.)
– Nichts hinterlassen, außer Fußabdrücke (Müll mitnehmen usw.
– mind. 5 Meter Abstand zu den Tieren halten, außen diese kommen auf einen zu
– den Tieren, vor allem den Pinguinen, „Vorfahrt“ gewähren, wenn diese auf dem Weg vom Wasser zu den Nestern sind
– für die Falklandinseln: auf den markierten Wegen bleiben, da Teile der Inseln immer noch vermient sind

Nach dem Vortrag mussten wir uns dann noch in eine der vier Landungsgruppen eintragen. Wir haben einfach Gruppe eins genommen – die Reihenfolge wird bei jedem Landgang sowieso getauscht.

Am Nachmittag gab es dann noch einen Vortrag zur Geschichte der Falklandinseln, von der Entdeckung, über die Verwendung als Station für Walfänger und als Ausgangspunkt zur Erforschung der Antarktis, bis zum Krieg 1982 zwischen Argentinien und UK bis zur heutigen Zeit.

Vor dem Abendessen fand dann noch das tägliche Expedition Recap & Briefing statt – eine kurze Zusammenfassung des Tages und einen Ausblick auf den kommenden Tag. Direkt im Anschuss wurde uns im Rahmen des Captain’s Welcome Cocktail auch noch die eigentliche Crew des Schiffes vorgestellt. Um das kurz zusammenzufassen: Gefahren und gewartet wird das Schiff von Russen (was gibt es besseres, die bekommen alles wieder ganz), der Chefkoch ist aus Österreich, das Restaurantpersonal ist zum größten Teil auch russisch, der Zimmerservice wird von Philiponos?? dominiert und wir schon geschrieben, die Expeditionscrew sind Australier und Kanadier.

Der 21.12. war auch der längste Tag des Jahres, jedenfalls auf der Südhalbkugel, und so war nach dem Abendessen noch genug Zeit für den zweiten Sonnenuntergang auf See – das Wetter hat auch mitgespielt. Nur jetzt auf offener See – war der Seegang doch deutlicher spürbar. Auch in der Kabine hat es ganz schön geknarzt und geschaukelt. Wir haben es aber trotzdem gut verkraftet.

Auf den Aushängen mit dem Tagesprogramm stand auch jeden Tag ein Zitat das einen Zusammenhang mit der See oder der Region, in der das Schiff sich gerade befand, hatte:

Oliver Wendell Holmes: “I find the greatest thing in this world is not so much where we stand as is which direction we are moving. To reach the port of heaven, we must sail sometimes with the wind and sometimes against it, but we must sail, and not drift, nor lie at anchor.”

 

Aufbruch in die Antarktis – Tag 70 – Tag 1 auf See

Am ersten Tag auf See, Dienstag 20.12.2016, sind wir mit einem Shuttlebus gegen 16:00 Uhr zum Schiff, der Ocean Diamond, gefahren worden. Beim Check-In an Bord haben wir dann die Kabine 604 bekommen – Judith ihr Geburtsdatum – das ist wohl der endgültige Beweis dafür, dass es ihr in die Wiege gelegt wurde, einmal zur Antarktis zu fahren 🙂

Wir mussten 3 Decks nach oben und auf jedem Deck sind wir gefragt wurden, wo wir denn hinmüssen und auf Deck 6 sind wir dann bis zur Kabine gebracht wurden – verlaufen ist aber auf dem Schiff eh nicht. Es gibt ein Haupttreppenhaus und je Deck einen Flur, da alles Außenkabinen sind. Unsere Kabine war nach über zwei Monaten in Hostels der pure Luxus. Richtige Betten mit richtige Bettwäsche und Bettlaken, Teppichboden, zwei Sessel/Stühle, ein eigenes Bad und aus der Dusche kommt 24 Stunden lang warmes Wasser in einer gleichbleibenden Temperatur. Wir haben auch unsere Klamotten ausgepackt und zum Teil auf Kleiderbügel gehangen – auch das gab es schon länger nicht mehr 🙂

Gegen 17:00 Uhr, das Schiff war noch im Hafen in Ushuaia, gab es dann in der Mainlounge auf Deck 5 eine Willkommensveranstaltung, auf der uns die Expeditionscrew vorgestellt wurde. Die Crew bestand aus ca. 20 Menschen, zum größten Teil aus Kanada, USA und Australien kommen.
Direkt im Anschluss gab es auch die Securityeinweisung und kurz darauf wurde dann der Anker gelichtet und es ging durch den Beagle-Kanal in Richtung Osten – zum Atlantik. Noch im Beagle Kanal fand dann auch die angekündigte Sicherheitsübung statt. Die Schiffssirene dröhnte sieben mal kurz und einmal lang. Wir wussten noch, was zu tun ist: zurück aufs Zimmer gehen, Rettungsweste holen und ein Deck tiefer zur Main Lounge zu gehen. Dort dann die Rettungsweste anziehen und warten. Die Stimmung war irgendwie gedrückt. Nach dem alle fast 200 Passagiere die Westen anhatten, war erst einmal Ruhe und der Expeditionsführer, Shane, hat auch durch seine Stimme dafür gesorgt, dass die Übung nicht zur Spaßveranstaltung verkam. Fanden wir gut so. Das Schiff verfügt über zwei Rettungsboote und die Passagiere sind fest auf die Boote eingeteilt. Damit kein Chaos entsteht, werden im Ernstfall die Passagiere im Gänsemarsch zu den Booten geführt – sicherlich clever. Das haben wir dann auch geübt und selbst dabei hat eine eigenartige Stille geherrscht. Ob im Ernstfall die ca. 80 Chinesen an Bord die Anweisungen verstehen, wird sich hoffentlich nicht zeigen (viele Durchsagen gibt es sowohl auf Englisch als auch auf Mandarin).

Nach der Übung konnten wir dann noch die Expeditions-Parkas, die wir auch behalten dürfen, anprobieren und abholen.

Um 20:00 Uhr gab es dann endlich Abendessen – wir hatten an dem Tag nichts zum Mittag gegessen und hatten dementsprechend Hunger. Das Abendessen an Bord ist ein serviertes Menü (Frühstück und Mittag gibt es als Buffet), welches man sich selbst zusammenstellen kann. Die Wahl bestand meist aus 2 verschiedenen Vorspeisen, 2 Suppen, 3 Hauptgängen (einer davon vegetarisch) und 3 Nachspeisen sowie noch einer Auswahl an Käse. Zum Abendessen gab es Weiß- und Rotwein soviel wie man mag (Wasser, Tee und Kaffee stehen rund um die Uhr zur Verfügung). Soviel Luxus sind wir nicht mehr gewohnt 🙂 Das Essen war auch richtig lecker, also so richtig richtig. Vollgestopft sind wir dann noch auf Deck gegangen um den ersten Sonnenuntergang auf See zu genießen. Auf dem Rückweg zu unserer Kabine ging es dann noch zur gut ausgestatteten Bordbibliothek, um uns zwei deutschsprachige Bücher auszuleihen. Der Anfang der ersten Nacht war auch noch im Beagle-Kanal, also war auch kaum Seegang spürbar. Aber das sollte sich ändern 🙂