Autokauf und Reisevorbereitungen in Auckland – Tage 6 bis 12

Lage von Auckland in Neuseeland
Lage von Auckland in Neuseeland

Der erste Freitag in Neuseeland (16.06.) startete mit einem Besuch in einem Tattoo Studio ca. 2km von der Unterkunft entfernt. Nach einer Brandwunde aus Chile und einer OP-Narbe aus Panama war es Zeit für ein selbstbestimmtes dauerhaftes Andenken, in Neuseeland in Form eines Maori-ähnlichen Motives (ein echtes Maori-Motiv finden echte Maoris nicht toll, weil es ihre Kultur zerstört). Sicher war ich mir bei dem Studio trotz vieler guter Bewertungen nicht, aber wir gingen trotzdem hinein, besprachen ein Motiv und vereinbarten einen Termin für den kommenden Montag.
Der Rückweg zu unserer Unterkunft führte wieder über den chinesischen Supermarkt. Neben dem Gemüse wollten wir auch den Fisch probieren, der zum Glück gleich vor Ort filetiert wurde. In einer Lagerhalle nebenan befand sich ein Laden für alles Mögliche, dem wir dann auch noch einen Besuch abstatteten um zu schauen, was wir für den Camper dort besorgen könnten.
Mit vollgepackten Taschen kamen wir gegen 12 Uhr wieder an der Unterkunft an und fingen an zu kochen, für drei Tage, damit wir am Wochenende die Küche der indischen Familie nicht unnötig lange blockieren. Der restliche Nachmittag ging dafür drauf, nach Autos zu schauen und mögliche Verkäufer anzuschreiben.

Kurz vor 5 sind wir dann noch in den Winstone Park gegangen. Der Park ist eine Art Hügel, die Aussicht auf die umliegenden Industriegebiete und der fernen „Skyline“ der Innenstadt ist leider nicht so dolle gewesen.
Immer noch vom Jetlag geplagt, gingen wir früh schlafen.

Wolken über Auckland
Wolken über Auckland

Am Samstag standen wir früh auf, um mit dem Bus zur „Auckland City Car Fair and Car market“ in der Alten Road zu fahren. Der Automarkt ist in der Nähe der Uni und gelinde gesagt ein Witz. Es standen vielleicht 15 Autos verloren auf einem Parkplatz, 3 davon waren Campervans – aber keiner sagte uns zu. Die Vans waren zu klein.
In der Innenstadt besorgten wir auch für Judith einen Prepaid-Telefonkarte von Spark und gingen noch zur Backpacker Carworld, einem auf Campervans spezialisierten Autohändler. Es gab tatsächlich ein Auto was uns prinzipiell zusagte (ein Toyota Hiace Benziner mit 313000km und einer guten Camperausstattung) aber der Preis von 14.000 NZD, rund 9000 Euro, schreckte uns ab. Am Nachmittag schauten wir uns noch ein Auto von einem französischen Pärchen an, was aber leider auch zu klein war. Die Autobesichtigung fand in der Nähe der New Lynn Mall statt, in die wir dann noch einkaufen gingen. In der Unterkunft wartete zum Glück fertiges Essen auf uns 🙂

Sonntag morgen war wieder früh aufstehen angesagt und diesmal war das Ziel der Ellerslie Car Market. Eine ganz andere Liga als der Markt am Vortag, mehr als 100 Autos und auch ca. 10 Campervans. Ziemlich schnell fanden wir auch ein für uns passendes Auto – auch ein Toyota Hiace. Der Van wurde vom belgischen Vorbesitzer letztes Jahr gekauft und dann aus- bzw. umgebaut. In unseren Augen auch sehr professionell mit guten Materialien. Im Vergleich zu dem Auto am Vortag sollte dieser 9.900 NZD kosten, hatte aber kein self containt Zertifikat und keine 230V Stromversorgung/2. Batterie. Dafür war aber das Bett ein echtes Bett und auch so alles sehr hochwertig. Wir schauten uns noch die anderen Autos an aber der Toyota war die einzige Option – für uns auch eine sehr realistische. Es gab auch eine umfassende Dokumentation über durchgeführte Wartungsarbeiten usw. Also fuhren wir mit dem Van zu einer Inspektion direkt auf dem Gelände des Automarktes, bezahlten 140 NZD (91 Euro) und wussten ca. eine Stunde später, dass das Auto keine großen Mängel hat. Da einige kleine Dinge notwendig sind, einigten wir uns auf 9700 NZD (6300 Euro) und fuhren mit dem Besitzer (Robin) zu unserer Unterkunft. Für Robin und für uns war es am besten, eine Überweisung auf sein belgisches Konto vorzunehmen, das spart zwei mal den Währungs-Umtausch-Verlust. Die Übergabe des Autos vereinbarten wir für den kommenden Dienstag.

Den Rest des Tages nutzen wir, um unsere Lebensläufe für Workaway zu vervollständigen und die ersten drei möglichen Hosts im Norden der Nordinsel anzuschreiben. Für alle, die Workaway nicht kennen: auf der Plattform bieten Menschen eine Unterkunft und Essen an und die Gegenleistung sind ca. 4 Stunden Arbeit am Tag. Die Arbeit kann alles mögliche sein: Kochen, Gärtnern, Putzen, Handwerken, Kinder behüten usw.

Am Montag den 19.06. klopfte früh um 4 Uhr der Jetlag an die Tür, wir waren hellwach 🙂 Durch die 10 Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland war das aber eine gute Zeit, um unsere Familien anzurufen, was wir dann auch mitten in der Nacht gemacht haben.
Kurz nach 9 Uhr starteten wir dann zur Kiwibank, um zu erfahren, ob es dort eine Autoversicherung für uns gibt. Ergebnis: leider nein – nur für Einheimische. Der Bankberater empfahl uns aber die Versicherung des AA, der neuseeländischen Alternative zum ADAC. In der dritten Filiale und einige Busfahren und Laufkilometer durch stinkende Gewerbegebiete später konnten wir dann AA Mitglied werden und auch eine Versicherung abschließen, 270 Euro für eine Art Vollkasko-Versicherung. Beim Rückweg mit dem Bus verpassten wir die richtige Haltestelle und mussten ein paar Meter extra laufen. Zeit für ein richtiges Essen war dann leider nicht mehr – die Pies aus einer Imbissbude waren aber auch nicht die Besten der Stadt, eher im Gegenteil. Kurz nach 14 Uhr machte ich mich dann auf zum Tattoo Studio während Judith in der Unterkunft blieb um am Reisetagebuch zu schreiben.
Ich war ziemlich nervös aber Julian machte einen routinierten Eindruck. Er hatte einen ca. 15cm langen Entwurf gemalt, den ich auch so gut fand 🙂 Nach 90 Minuten, von denen die ersten 10 Minuten nicht so angenehm waren, war dann das „Kirituhi“ fertig. Julian erklärte mir noch, was ich in der ersten Zeit machen muss, um das Tattoo zu pflegen.
Zurück in der Unterkunft entstand dann u.a. dieser Text.

Am Dienstag wollte Robin uns gegen 12 Uhr sein Auto vorbeibringen und wir wollten den restlichen Papierkram machen. Es dauerte jedoch bis ca. 14:30 Uhr eher er bei uns eintraf. Nach einer Erklärung zu ein paar Dingen am Auto (Wasser/Abwassersystem, Öl und Kühlwasser) füllten wir noch die Ummeldung aus und fuhren gemeinsam zur Post – 10 Minuten später war das Auto auch offiziell unseres 🙂
Robin fuhr mit dem Bus weiter und wir erst einmal zurück zu Unterkunft.
Da der Check vor dem Ankauf ein paar „Baustellen“ ergeben hatte, entschieden wir uns zu der Werkstatt zu fahren, bei welchen auch Robin den Van schon in Schuss bringen lassen. Die erste große Fahrt 🙂 Allerdings dauert es ein wenig, bis wir die Werkstatt gefunden hatten, bzw. die Zufahrt zu dieser. Da wir auch schon in die Hauptverkehrszeit reingekommen waren, wollen wir auch nicht mitten auf der Straße drehen sondern sind zwei mal jeweils 2km bis zum nächsten Kreisverkehr gefahren, um auf die andere Straßenseite zu kommen. In der Werkstatt (Barry Clarke) vereinbarten wir einen Termin für Freitag früh – wäre auch per Telefon gegangen, aber so gab es die erste Fahrpraxis.

Chinese Food
Chinese Food

Mittwoch früh gingen wir erst einmal noch zu den beiden Asia-Märkten unweit unserer Unterkunft, um noch fehlende Sachen zu kaufen: ein Mülleiner, einige Küchenutensilien und Isolierband. Leider gab es keine Bettdecken, die wir angesichts der Jahreszeit noch zusätzlich kaufen wollten. Zum Mittag gingen wir zum ersten mal in Neuseeland essen – in einem asiatischen Restaurant im Gewerbegebiet – hat sich richtig gelohnt und war lecker, das Restaurant war auch voll und wir die einzigen „Europäer“. Mit unserem Van, den wir zwischenzeitlich einfach Robin getauft hatten (wie sein Vorbesitzer) fuhren wir zu einem Bettenladen. Dort gab es leider nur Betten aber keine Decken. Der freundliche Verkäufer empfahl uns aber einen Laden, den wir dann auch einem Besuch abstatten. Im „Bed Bath & Beyond“ wurden wir auch fündig, dank der aktuellen Ausverkaufsphase bekamen wir neue Kopfkissen und Bettdecken auch richtig günstig. Der nächste Stopp war dann eine Outlet-Mall, um zusätzlich Schlafsäcke zu kaufen. Dort war es leider viel zu teuer. Zum Glück war gegenüber eine weitere Filiale von „Bed Bath & Beyond“, in welcher wir kurzerhand einfach noch zwei Decken besorgten. Leider gab es auch dort kein Bettbezug, der wir für erschwinglich hielten (65 Euro für ein Set).

Den Donnerstag Vormittag, es regnete stark, nutzen wir um noch ein paar Work-Away Angebote zu durchsuchen und auch einige Hosts anzuschreiben. Bisher gab es noch kein positives Feedback von den vorherigen „Bewerbungen“. Kurz vor Mittag machten wir uns dann noch mal zu den Asia-Läden vom Vortag auf, da dort Bettwäsche für 13 Euro zu haben war. Vor Ort stellen wir aber fest, dass diese nicht ganz passte. Da wir noch einen Fön kaufen wollten, ging es zu einem großen Laden für alles mögliche – dort gab auch Bettwäsche aber entweder die Größe stand nicht eindeutig drauf oder war viel viel viel zu groß. Einen Fön gab es auch nicht. Durch den Nieselregen also wieder zurück zu, in Ostdeutschland würde man sagen: Fidschi-Laden, um einfach den Bettbezug eine Nummer zu groß zu kaufen. Während am Nachmittag die Waschmaschine und der Trocken auf Hochtouren liefen, kümmerten wir uns im „Robin“: Bett neu beziehen, unsere neuen Sachen verstauen, Scheiben putzen und einfach ein wenig einrichten. Es sieht schon richtig gemütlich aus 🙂

Endlich geht es weiter zum zweiten Teil der Reise – die ersten Tage in Auckland – Tag 1 bis Tag 5

Lage von Auckland in Neuseeland
Lage von Auckland in Neuseeland

Am 11.06.2017 startete Teil zwei der Reise. Mit dem Auto meiner Schwester holte ich Judith bei ihren Bruder ab (zum Mittag gab es Jägerschnitzel) und um ca. 14:30 Uhr starteten wir in Hann.Münden. Kaum auf der Autobahn Richtung Frankfurt standen wir auch im Stau, der bis Kassel andauern sollte.

Erst kurz nach 17:00 Uhr kamen wir in Dieburg an, holten noch mein Gepäck und dann meine Schwester im Freibad ab (dort gab es noch ein mitgebrachtes Rotwurst-Brot) und fuhren mit ihr zum Frankfurter Flughafen.

Von der automatischen Gepäckaufgabe schickte man uns wegen unserer Rucksäcke zur Gepäckabgabe „mit Menschen“. Sehr gut, dort bekamen wir auch richtige Tickets 🙂

Bevor wir zum stressfreien Security-Check gingen, saßen wir noch für sicher eine Stunde in einem Restaurant, tranken mitgebrachten Cider und buchten einen Flug aus Neuseeland nach Australien (ein Weiterflugticket ist eine Einreisebedingung). Das WLAN war zwar gratis aber gefühlt das Langsamste aller Flughäfen. Selbst im Mini-Flughafen von Quito war das anders.

Nach 90 Minuten Wartezeit am Gate startete das Boarding in den Airbus A380 – unsere Sitze waren in der oberen Etage. In der Gepäckablage direkt über unseren Sitzen entdeckten wir Hausschuhe und schnappten uns gleich zwei davon. Kurze Zeit später fragte uns ein anderer Passagier, wo wir die her haben. Als ich ihm auch ein Paar reichen wollte, kam jemand von der Crew, um uns darauf hinzuweisen, dass es Schuhe für die Business Class waren. Unsere durften wir trotzdem behalten 🙂 Der erste Flug mit der Lufthansa nach Hongkong ging um 22:10 Uhr pünktlich in die Luft und war zwischenzeitlich ziemlich ruckelig. Dafür war der Stuart echt ein Netter und zumindestens das Abendessen für Flugzeugessen richtig gut.

Nach rund 10 Stunden war dann Hongkong erreicht – Ortszeit 15:00 Uhr. Wir hatten knapp 4 Stunden Aufenthalt, die wir dazu nutzen uns die Beine zu vertreten und etwas lokales zu essen – Nudelsuppe mit Stäbchen 🙂 Für ein Schnäppcheneinkauf bietet sich der Flughafen nicht an. Kamerazubehör hatte jedenfalls auch im Dutyfree-Bereich einen vergleichbaren Preis zu Deutschland. Kurz nach 19 Uhr startete der zweite Nachtflug mit Ziel Auckland.

Beim Boarding musste ich mein Visa und auch mein Weiterflugticket vorzeigen – war also gut das in Frankfurt schon zu buchen. Die erste Flugstunde war dann geprägt von Turbulenzen – langsam reicht das für dieses Jahr..

An Schlafen war auch diesmal nicht wirklich zu denken, obwohl wir total fertig waren. Zum Glück war dann am Dienstag,, 13.06. um halb 10 Neuseeland erreicht. Die Einreise verlief echt problemlos, der Grenzbeamte hat uns offenbar auch angesehen, dass wir müde waren und scherzte sogar mit uns. Auch bei der Bio-Security gab es keine Probleme, ein Blick auf unsere gut geputzten Schuhe war genug 🙂

Auch auf dem Fußweg richtig laufen :-)
Auch auf dem Fußweg richtig laufen 🙂

Nach dem wir noch eine Telefon-Karte gekauft hatten, ging es mit den Bus in Richtung unserer ersten Unterkunft. Wir konnten vor der Abfahrt dem Fahrer sagen, wo er anhalten sollte und das hat er auch gemacht. Nach 10 Minuten zu Fuß (teilweise durch Regen..) waren wir am Ziel. Mit den Besitzern hatten wir vereinbart, dass sie uns den Schlüssel hinlegen – nur wo stand nicht fest. Zum Glück hatten wir schon die Telefonkarte und schnell meldete sich auch die Tochter der beiden Besitzer und wir fanden den Schlüssel. Eine warme Dusche später fühlten wir uns auch wieder fast normal und gingen erst einmal in den nahe gelegenen Supermarkt um etwas Essen für die ersten Tage einzukaufen. Dort wurden wir von den Preisen überrascht, denn für rund 40 Euro gab es nicht all  zu viel – hatten wir von unserer ersten Reise nicht so in Erinnerung.

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen bis mindestens 18 Uhr wach zu bleiben, damit der Jetlag nicht so schlimm wird – aber keine Chance. Kurz vor 16 Uhr ging nix mehr und erst am nächsten Morgen gegen 08:00 Uhr standen wir wieder auf. Nach dem Frühstück ging es mit dem Linienbus in die Innenstadt. Während der 30 Minuten Fahrt ging es gefühlt 10 Minuten nur an Werbeschildern auf Mandarin vorbei – es sah aber gar nicht nach China-Town aus. Dennoch der erste Eindruck: die Chinesen haben sich in Auckland eingekauft. In der Innenstadt wollten wir zu erst ein Bankkonto eröffnen. Das sollte aber an diesem Tag noch nicht klappen. Eine Bank gab uns einen Termin für den Freitag und eine weitere Bank empfahl uns, etwas außerhalb von Downtown ein Konto zu eröffnen – das erwies sich als guter Ratschlag.

In der Touristeninformation deckten wir uns mit Flyern ein und kauften in einem nahe gelegenen Shop eine HOP Karte für den Bus, mit welcher die Busfahrten auch günstiger sind. Was uns eher negativ aufgefallen war: die Stadt war relativ voll und an jeder Ecke wurde gebaut, wodurch es sehr laut war. In unserer Erinnerung war Auckland zwar eine Millionenstadt aber alles war weitläufig verteilt und es war leiser.

Entspannung am Hafen
Entspannung am Hafen

Mit einem Kaffee in der Hand ging es dann an den Queens-Pier – die Sonne und dort auch die Ruhe genießen 🙂 Gegen 14 Uhr machten wir uns dann auf den Rückweg durch das Zentrum zu der Bushaltestelle und fuhren zurück zur Unterkunft. Auf dem Rückweg entdeckten wir ganz in der Nähe unserer Unterkunft noch eine Filiale der Kiwi-Bank (die gleichzeitig immer auch eine Post ist) und statteten dieser noch einen Besuch ab. Dort bekamen wir gleich für den nächsten Tag einen Termin – 10 Uhr morgens. Wir sollten unsere Pässe und Visas mitbringen und ein „Proof of Address“, etwas womit wir unsere aktuelle Adresse nachweisen können. Wir fragen dann unseren Vermieter, ob er ein handschriftliches Schreiben verfassen könnte, in dem er uns bestätige, dass wir bei ihm wohnen. Seine erste Reaktion bzw. der Gesichtsausdruck ließ uns zweifeln, ob er es macht aber im Laufe des Abends bekamen wir das Schreiben vom ihm genauso wie eine aktuelle Rechnung der Wasserwerke. Perfekt 🙂 Außerdem verriet uns Xavier, dass es in der nähe noch einen günstigen chinesischen Supermarkt gibt.

Unsere beiden Gastgeber Doreen und Xavier sind auch so richtig richtig nett gewesen. Beide sind Lehrer und kommen ursprünglich aus Indien (was man in der Küche auch riecht 🙂 ) Wer als mal nach Auckland kommt und nicht direkt in Downtown übernachten will, ist in Mt Roskill richtig.

Den Abend nutzen wir dann, um Judith ihren Lebenslauf zu aktualisieren und nach Autos zum Kauf zu suchen.

Am Donnerstag, 15.06., wachten wir kurz nach 09:00 Uhr erschrocken auf – wir hätten doch einen Wecker gebraucht 🙂 Da wir aber gesehen hatten, dass das Terminbuch bei der Kiwibank nicht so voll war und wir außerdem in Neuseeland sind, machten wir uns keinen Stress und waren noch im akademischen Viertel bei der Bank. Die Kontoeröffnung war echt problemlos und Judith konnte auch gleich ihre Steuernummer beantragen. Von der Kiwibank aus wollten wir eigentlich direkt zu dem chinesischen Supermarkt gehen – aber das wurde so schnell nix. In einem Wohngebiet sahen wir einen älteren Mann in einem Grünstreifen zwischen Fußweg und Straße liegen. Sein Rollstuhl lag auf ihm und das Gesicht war einseitig voller Blut. Kurz zuvor musste Peter gestürzt sein, auf der Stirn klaffte eine große Wunde. Eine vorbei kommenden Frau baten wir, einen Krankenwagen zu rufen, worauf hin sie nach Hause zurück ging und 2-3 Minuten später mit ihrem Mann wieder an Ort und Stelle war. Das Telefonat mit der Rettungszentrale irritierte uns, denn offenbar brauchte es ca. fünf Minuten an Argumentation, bevor ein Krankenwagen losgeschickt wurde. Dieser war dann zum Glück relativ schnell da, denn Peter drängte uns die ganze Zeit, ihn in den Rollstuhl zu setzen, damit er fahren kann – „I can fix it myself“.. No! Mit dem Krankenwagen wurden er dann in ein Krankenhaus gefahren, denn die Wunde musste gesäubert und genäht werden. John, der Mann der Frau welche den Notdienst gerufen hatte, lud uns dann für die nächsten Tage noch auf einen Kaffee ein, da er ganz in der Nähe wohnte.

Künstliches Fleisch mit Sauerkraut Geschmack..
Was es nicht alles gibt: künstliches Fleisch mit Sauerkraut Geschmack..

Wir gingen aber erst einmal zur Unterkunft zurück und dann einkaufen. Der chinesische Supermarkt war auch echt günstiger als die große Kette zwei Tage zuvor, das Gemüse war auch nicht in Hochganz-Verpackungen verschweißt. Zum Mittag gab es dann ein Mix aus Möhren, Brokkoli, Mangold, Lauch, Knoblauch, Zwiebeln, Pilzen und chinesischen Nudeln 🙂

Ein paar Wochen Heimaturlaub

Durch die Lungenentzündung in Panama war an eine Weiterreise nicht mehr zu denken. Deshalb machen wir gerade eine Pause in Deutschland.

Die Zeit in der Heimat lässt sich super nutzen um: 

  • Ostern und noch mehr Zeit mit der Familie zu verbringen
  • Freunde zu besuchen
  • wieder fit und gesund werden
  • Wurst essen!!!
  • Ärzte besuchen ( Stempel für das Zahnarztheft 😉 )
  • Steuererklärung machen um das Reisebudget aufzubessern
  • mit Behörden rumärgern
  • Urlaub im Harz und an der Ostsee machen
  • Ausrüstung ausbessern und ersetzen
  • rund 9000 km durch Deutschland kurven 

Und natürlich: die weitere Reise planen!

Am 11.06. geht es von Frankfurt aus weiter nach Auckland, Neuseeland. Und dann mal schauen. Der bisherige Plan ist über den Haufen geworfen, der Rest ergibt sich dann spontan.

3 Wochen Panama City, ohne Panamakanal – Tag 143 bis 165

Die Lage von Panama Stadt
Die Lage von Panama Stadt

Um 13:30 Uhr war am 03.03.2017 Panama City erreicht, dem letzten Ziel auf dieser Seite der Welt. Für vier Tage hatten wir eine AirBnB Unterkunft gebucht – konnten dort aber erst 17:00 Uhr aufschlagen. Also vertrieben wir uns noch ein wenig die Zeit auf dem Flughafen und aßen in einem Diner mal wieder einen richtigen Burger. Die Freundin (Yauri) eines ehemaligen Arbeitskollegen von Judith wohnt in Panama und hatte uns für um 4 Uhr einen Taxifahrer organisiert, mit dem es dann auch pünktlich losging. Gefühlt sind in Panama City viele neue Autos unterwegs – aber die Straßen sind in einem schlechteren Zustand als in Ecuador oder Kolumbien.

Unser Unterkunft war in einem Wohnpark bestehend auf 7 Hochhäusern (3 Etagen Parkhaus und 17 Etagen Wohnen) und nach ein paar Minuten Warten im Eingangsbereich kam dann auch unsere Gastgeberin von der Arbeit. Perfekt 🙂 Unser Zimmer war noch nicht fertig, da am Vormittag erst anderer Gäste ausgecheckt hatten. Wir konnten es uns aber auf dem Balkon gemütlich machen und bekamen auch ein Bier serviert. So ließen sich die über 30 Grad aushalten. Nach einer Stunde war das Zimmer (mit Klimaanlage 🙂 ) dann auch fertig. Den restlichen Abend verbrachten wir dann auf dem Balkon – dort war es einfach am angenehmsten.

Am Samstag trafen wir uns um 10:00 Uhr an der nahe gelegenen U-Bahn Station mit Yauri um direkt Richtung Panama Kanal zu starten. Nach einer Stunde am Kanal angekommen stellen wir aber leider fest, dass in den Schleusen zu dieser Zeit keine Schiffe waren (uns wurde gesagt, dass erst am Nachmittag ab 15:00 Uhr wieder Betrieb ist). Wir sparten uns das Eintrittsgeld und machten uns zurück in Richtung Stadt. Dort zeigte uns Yauri dann die Altstadt bzw. das Viertel Casco Viejo. In dem kolonialen Stadtteil scheint richtig viel Geld zu stecken – jedenfalls kamen wir an Restaurants vorbei, in denen schon ein Wasser unser Tagesbudget sprengen würde 😉 Nach einem typischen panamaischen Mittagessen starteten wir erneut in Richtung Miraflores/Kanal und kamen dort um 16:30 Uhr an – nur um festzustellen, dass der letzte Einritt ab 16:15 Uhr war. Na gut, also machen wir das am nächsten Tag 🙂

Der Sonntag morgen startete dann gemütlich. Erst gegen Mittag – nachdem wir mit unserer Familie telefoniert haben –  entschieden wir uns in der Albrook Mall shoppen zu gehen. Wir hatten zwar beide wenig Lust dazu, aber ich brauchte dringend eine neue Hose, da die alte nicht mehr passte. Die Änderung der Gewohnheiten und nicht mehr den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen zeigten ihre Wirkung. 🙂 Im vierten Laden fanden wir auch tatsachlich etwas passendes. Wieder zurück in unserer Unterkunft legte ich mich hin und Judith saß auf dem Balkon. Irgendwie war die „Erkältung“ wohl doch noch nicht ganz weg und da hilft nur Ruhe..

Am Montag, dem 6.3., wollten wir eigentlich noch mal zum Panamakanal, aber ich hatte die ganze Nacht quasi nicht geschlafen und war dementsprechend total fertig. Wir entschieden uns also auf den Kanal zu verzichten und Ich versuchte zu schlafen. Leider war kein Schlaf zu finden und dadurch wurde ich auch immer unruhiger. Das leckere Essen welches Judith zum Mittag gekocht hatte, Bratkartoffel als Delikatesse, gingen nur mit viel Anstrengung und nach Überredung rein.

In der kommenden Nacht konnte Ich wieder nicht schlafen. Zur Unruhe und rasenden Puls kamen irgendwann in der rechten Brust ein stechender Schmerz beim Einatmen hinzu. Judith wurde wach, weil ich so stark zitterte, das alles vibrierte. Das Fieberthermometer zeigte dann 39 grad und damit war der für diesen Tag geplante Flug nach Neuseeland leider hinfällig.

Stattdessen war es Zeit für einen Krankenhausbesuch.

In unserem am Vortrag bestellten privaten Taxi änderten wir die Fahrtrichtung, neues Ziel: Hospital Nacional im Zentrum von Panama City. Das Krankenhaus hatte Judith raus gesucht, da es englisch spreche Ärzte hat. Auch Dario, unser Fahrer, bestätigte die gute Wahl.

Tag 1 im Krankenhaus. Nicht so dolle.
Tag 1 im Krankenhaus. Nicht so dolle.

Die Fahrt zum Krankenhaus dauerte rund 30 Minuten und war abenteuerlich. Dario gab richtig Gas, überholte an unmöglichen Stellen und hupte sich den Weg frei. Er fuhr wie ein Fluchtwagenfahrer und drehte sich trotzdem alle paar Minuten zu mir. Er registrierte wohl auch, dass ich in der kurzen Zeit ein Liter Wasser trank. Im Krankenhaus in der Notaufnahme war ich erstmal fast 3 Stunden in einem Untersuchungsraum. Die Lunge wurde geröntgt, Blut abgenommen und weitere Test gemacht. Die anfängliche Nasenmaske für den Sauerstoff wurde ziemlich schnell durch eine Nasen-Mund- Maske ersetzt. Der Arzt der Notaufnahme war irgendwann auch am Ende und rief einen Spezialisten hinzu. Dr. Marquez kam auch eine Stunde später. In der Zwischenzeit musste Judith alle möglichen Formulare ausfüllen, welche es nur auf Spanisch gab und erstmal 600 US Dollar Behandlungsgebühren bezahlen, bevor man überhaupt eine Finger rührten. Als sie feststellte, dass es WLAN gab, hat sie auch ganz freundlich nach dem Passwort gefragt, um die Versicherung zu informieren, Flüge umzubuchen, eine neue Bleibe zu suchen, die andere Unterkunft zu informieren. Leider stieß sie auf taube Ohren und bekam keinen Zugang. Ein Arzt bekam das aber mit und gab ihr über sein Handy Internetzugriff. Irgendwann durfte Judith dann auch zu mir in das Untersuchungszimmer – nur um kurze Zeit später zur nächsten Zahlung aufgefordert zu werden. 6.000 US Dollar sollten es sein. Bei ihrer Karte war das Limit erreicht, zum Glück gab meine das noch her. Im Laufe des Nachmittags ist sie dann wieder mit Dario zur alten AirBNB Unterkunft gefahren, um unsere 4 Rucksäcke zu holen, mehr als 50kg Gewicht. Ihr Gepäck brachte sie in ein Hotel 4 Blöcke vom Krankenhaus entfernt und meine Rucksäcke schleppte sie ins Krankenhaus – genauer bis in die Semi-Intensivstation, auf der ich mittlerweile lag. Am Abend gab es dann auch die Diagnose: ich hatte eine Lungenentzündung mit der Komplikationen, dass sich unter der rechten Lunge eine eitrige Flüssigkeit angesammelt hat. Dadurch konnte sich die Lunge auch nicht mehr richtig ausdehnen. Dr. Marquez nahm am Abend auch noch eine Probe der Flüssigkeit um festzustellen, ob man dieser mit Medikamenten beikommen kann oder eine Operation notwendig wird. Ergebnis: eine OP musste sein. Wir wurden vor die „Wahl“ gestellt: am nächsten Tag für 7.000 bis 8.000 Dollar in der Privatklinik operiert werden oder kostenfrei mit einer Woche Wartezeit im öffentlichen Krankenhaus. Der Zusatz: „diese Woche Wartezeit ist keine gute Idee“ – im Sinne von: das wird lebensgefährlich, nahm uns die Entscheidung ab. Noch am gleichen Abend kamen die beiden Chirurgen, im Nadelstreifenanzug, um mich anzusehen. Für den nächsten Tag wurde die OP auf 17:00 Uhr terminiert.

Über Nacht und am nächsten Tag versuchten die Pfleger das Fieber von mittlerweile 40 Grad in den Griff zu bekommen. Judith klärte mit ihrer Bank die Anhebung des Kreditkartenlimits auf 7.000 Euro die Woche (das Krankenhaus wollte weitere 5.000 Dollar) und füllte die Anmeldung für die Krankenkasse aus, zu der auch ihr Bruder aus Deutschland Kontakt aufgebaut hatte. Ihr Bruder hatte auch mit meinen Eltern telefoniert und beruhigt und unser finanzielles Polster erneut, wir wussten ja nicht, wie viel Geld das Krankenhaus noch haben will. Im Krankenhaus hatten wir immer noch kein Internet, weswegen Judith die Kommunikation aus dem Hotel erledigen musste. So viele SMS (ja, echte SMS) hab ich seit es mobiles Internet gibt nicht mehr geschrieben, im Ausland, Schnäppchen 🙂

An die ersten Tage im Krankenhaus kann ich mich kaum erinnern. Auch wenn ich wach war… die Schmerzmittel hatten wohl meinen Kopf ausgeschaltet. Was sich aber eingebrannt hat: am 8.3.2017 würde ich zum ersten Mal gewaschen. Im Bett. Seit dem habe ich eine Vorstellung vom altern in Würde. Hätte ich noch keine Patientenverfügung, jetzt würde ich eine ausfüllen. Vor der OP wurde noch ein CT Scan durchgeführt, der alle vorherigen Ergebnisse bestätigte. Die OP verschob sich aber immer weiter und irgendwann kam auch ein Pfleger der sagte, es laufe gerade noch eine Herz-OP. Ob damit nur der Operationssaal belegt oder unsere Ärzte beschäftigt waren, erfuhren wir nicht. Ich redete mir aber Option zwei ein 🙂 Judith ging noch mal in ihr Hotel und um 23 schrieb ihr der Anästhesist, dass es bald losgeht. Kaum eine halbe Stunde später war es auch soweit. Die OP war mit Vor- und Nachbereitung für 3 Stunden angesetzt. Ich war froh, dass Judith da war, als es losging und auch gegen 3 Uhr nachts, als ich zurück auf das Zimmer kam und aufwachte. Die OP verlief super und Judith wurde sogar während dessen informiert, dass es länger dauert. Ich weiß nicht, wie ich die 4 Stunden Wartezeit überstanden hätte. Diese Nacht verbrachte sie auch auf der Liege im Zimmer.

Am nächsten Tag, 9.3., checkte ich dann so langsam, dass noch mehr Kabel und Schläuche an meinem Körper sind, vor allem der daumendicke Schlauch an meiner rechten Seite, an dessen anderen Ende ein Auffangbehälter für die restliche Flüssigkeit war. Gegen 8 Uhr kam Dr. Marquez mit guten Nachrichten: die Werte waren besser, die Medikamente werden angepasst: hauptsächlich Antibiotika und Schmerzmittel. Ach ja, Funfact: vor der OP hat Judith die Ärzte gefragt, ob die sich die entzündeten Mückenstiche an meinem rechten Fuß anschauen können. Antwort: das Antibiotikum ist so stark, das macht das gleich mit. Jetzt wo die größte Gefahr gebannt ist, bekommen wir auch mehr Infos: die Letalität 2 Tage zuvor lag bei 10%, ich war dehydriert (trotz ca. 4 Liter Flüssigkeit an diesem Morgen) und langsam setzte eine Blutvergiftung ein. Die erste Schätzung, ab wann ich wieder fliegen darf, lautet auf 6 Wochen…. Woher die Krankheit kam konnte aber niemand sagen. Judith wurde auch an diesem Tag endlich zu dem Zuständigen für die Zusammenarbeit mit internationalen Krankenkassen vorgelassen. Craig, ein Ami, befördert mit seinem gesamten Verhalten unsere tiefe Abneigung gegen dieses dumme Volk. Letztlich steht dann aber Kontakt zwischen unsere Versicherung und dem Krankenhaus. Die Versicherung gibt eine erste Zahlungsgarantie (kurz GoP) in Höhe von 20.000 US Dollar ab.

Eine gesundheitliche Besserung tritt auch ein, der Puls wird normal, ebenso die Atmung. Dr. Marquez stellt für den nächsten Tag einen Umzug auf die normale Station in Aussicht. Es beginnen auch Behandlungen in Form von zwei verschiedenen Inhalationsübungen, die bis zum letzten Tag fortgeführt werden.

Der 10.03. ist dann tatsächlich ein Umzugstag. Ein gutes Zeichen. Auf der normalen Station gibt es auch WLAN, was wir erst mal zum telefonieren nutzen. Das Fieber ist auch weg. Nur die Schläfrigkeit bleibt die ersten Tage. Judith ist eigentlich die ganze Zeit mit Versicherungskram und Kontakt zum Reisebüro beschäftigt. Am zweiten Tag auf der normalen Station zieht sie mit auf das Zimmer, denn auch dort gab es eine Liege.

Die Kommunikation zwischen Krankenhaus und Versicherungen ist gelinde gesagt holprig. Immer wieder will jemand Geld von Judith. An einem Abend eskaliert die Situation fast. Gegen 19:00 Uhr klingelt das Telefon und auf schnellen Spanisch wurde Judith zugetextet bis sie sagt, dass es unverständlich ist. Kaum 30 Minuten später kommt ein Pfleger (Achso, die Ärzte können alle englisch, von den Pflegern nur einer ein wenig) mit jemandem von der Administration und verlangt 11.000 Dollar. Judith kann denen zum Glück erklären, dass wir eine Versicherung haben, die alles bezahlt.

Wir hatten immer den Eindruck, dass bei einer nicht Begleichung der Rechnungen ein Rauswurf droht..  Diese Ungewissheit, gepaart mit den Kommunikationsproblemen veranlasste uns auch, die Krankenkasse einem medizinischen Rücktransport zu prüfen. Dieser wurde aber nach einigen Hin- und Her, Telefonaten mit der Malteser Flugrettung mit uns und Dr. Marquez abgelehnt. Das war nervig. Alles zwei bis vier Stunden auf spanisch nach Hilfe zu rufen“ nessesito ayudar con el piep piep“ (gemeint war die nervig piepende Infusionspumpe, wenn ein Beutel alle war) war nicht so prickelnd.

Die Nächte im Krankenhaus waren auch nicht so dolle. Schlafen auf dem Rücken ist doof. Noch viel doofer war aber, dass alle 2 Stunde die Tür aufgestoßen wurde, jemand hinein kam um Fieber oder Blutdruck zu messen oder einem Beutel zu wechseln – inklusive voller Festtagsbeleuchtung und dann beim Verlassen die Tür zuzuschlagen. Bäm, alle wach?

Die erste Runde im Krankenhaus
Die erste Runde im Krankenhaus

Ein paar Tage nach der OP bekam ich auch die Aufgabe zu laufen. Ein paar Runden über die Station. Am Anfang noch begleitet von Klinikpersonal und irgendwann alleine.

Am Abend des 13.3. sollte der Drainage-Schlauch durch einen dünneren Schlauch ersetzt werden. Dazu wurden vorab per Ultraschall zwei passende Einstichstellen ermittelt.  Gegen 20:30 Uhr kam Dr. Marquez und probierte den kleineren Schlauch direkt im Zimmer bzw. Bett zu setzen, während Judith draußen wartete. Aber es kam nur Luft und keine Flüssigkeit, was den Doc Spanisch vorkam. So ging es etwa eine Stunde später zur Radiologie, um einen weiteren CT Scan zu machen. Zum CT Scan sollte ich liegend auf einem anderen Bett transportiert werden. Dazu kamen drei der maximal besten Leute auf Schlachthaus und stellten sich an wie die ersten Menschen. Als die drei die Transportliege abkippten, fiel die Sauerstoffflasche runter und rollte ein paar Meter. Dadurch kam auch Flüssigkeit in meine Nase – das war zu viel. Die drei von der Schlachtbank durften sich auf deutsch ein wenig was anhören. Dr. Marquez war weg, dafür aber der Radiologe und der Chirurg. Ergebnis: alles gut, Flüssigkeit ist quasi weg. Für diesen Tag blieb alles, wie es war.

Am nächsten Tag führte Dr. Marquez gegen 18 Uhr eine Bronchoskopie durch, die zweite Narkose und diesmal Aufwachen im Beobachtungsraum. Die Behandlung lief erfolgreich, aller Schleim war aus der Lunge raus. Ich kann mich kurz vor dem Eingriff noch an einen um den OP Tisch tänzelnden Dr. Marquez zur lokaltypische Musik erinnern – für mich war das ein Zeichen guter Entspannung und damit Sicherheit. Wieder auf dem Zimmer, kam der Chirurg und zog den Schlauch ohne einen neuen zu setzen. Parallel wurden alle Medikamente bis auf die Schmerzmittel und das Antibiotikum abgesetzt – ebenso die Nasenmaske. Die Medikamente gab es nur noch zeitweise so dass ich zu den anderen Zeiten frei beweglich war. Erleichterung. Auch konnte ich danach auf einer Seite liegen – die ohne Narbe. Achso Narbe, der Chirurg war ein Profi aber das Zunähen, naja, Judith hätte bei 100km/h im Bus in Ecuador über einen 4000 Meter hohen Andenpass wesentliche besser genäht. Egal.

Am nächsten Morgen hieß es dann: in 5 Tagen, am Montag Morgen wirst du vermutlich entlassen. Das klang super. Die Station durfte ich trotzdem nicht verlassen. Dafür aber die erste kurze Dusche seit einer Woche – eine Wohltat, auch wenn es anstrengend war.

Die restlichen 5 Tage plätscherten dann vor sich hin. Judith kümmerte sich weiter um Kommunikation mit der Krankenkasse wegen der Bezahlung und dem Rücktransport (der am Ende nix wurde), schrieb mal wieder im Tagebuch. Das Krankenhausessen ging irgendwann nicht mehr, Reis mit Reis in Reis, dazu Reis mit trockenem Toast und noch trocknerem Geflügel. Die kleinen Portionen Obst waren das beste. Also besorgte Judith richtiges Essen, richtigen Kaffe und Schoki, viel Schoki.

Ein paar Tage vor der Entlassung meldete sich auch die Malteser Flugrettung nochmal. Judith wurde am Telefon per Grüß Gott begrüßt – die Reaktion darauf hatte der Telefonist sicher nicht erwartet 😉 Bis auf gut Zureden und Beruhigungen kam bei dem Telefonat aber nichts raus.

Am vorletzten Tag bekamen wir auch die 11.000 Dollar auf die Kreditkarten zurück gebucht, natürlich mit einigen Hickhack, verursacht durch Unzulänglichkeiten der Krankenkasse..

Das Zimmer der normalen Station am Tag der Entlassung.
Das Zimmer der normalen Station am Tag der Entlassung.

Zwei Tage vor der Entlassung kam mitten in der Nacht eine Schwester ins Zimmer (halb 1 ca.) und war der Meinung, den Venenzugang zu erneuern. Ich schlief schon, aber Judith war noch wach und schaute einen Film. Ich war genervt (wer auch immer mich schon mal aus dem Schlaf geholt hat, weiß das) und die Krankenschwester fragte dann noch etwas schnell auf Spanisch (wahrscheinlich ob sie den Klebestreifen schnell oder langsam abziehen soll) und ich ging sie an mit „Mensch, mach doch einfach!“, was die gute Frau natürlich nicht verstand. Aber der Tonfall war mehr als deutlich. Darauf hin rupfte sie die alte Kanüle ab, packte wortlos ihren Kram und verließ das Zimmer mit einem lauten Knall der Tür. Etwa eine Stunde später kam wieder das piep piep der Infusionspumpe und ich musste über die Fernbedienung wieder „Necesito ayudar con el piep piep piep“ sagen. Judith saß im Bett und lachte 🙂

Leider konnte ich noch kein Bier trinken, welches sich Judith heimlich schmecken ließ 😉

Am Wochenende vor der Entlassung buchen wir für eine Woche eine Airbnb Unterkunft in der Stadt (bei einem Deutschen!), fragen Dario ob er uns fahren kann und schauen schon mal nach Flügen Richtung Frankfurt. Wir hatten entschieden, eine Reisepause zu machen. Meine Konstitution hätte eine Weiterreise nicht erlaubt, sogar die Kraft den Rucksack anzuheben hat gefehlt.

Dr. Marquez - am letzten Tag.
Dr. Marquez – am letzten Tag.

Am Entlassungs-Montag wurde mir gehen 6:00 Uhr noch mal Blut abgenommen. Um 10 Uhr kam der Pfleger Richard und hängte mich zu unserer Verwunderung für 4 Stunden an den Tropf, noch mal Kochsalzlösung mit Antibiotika. Eine Stunde später kam Dr. Los Rios zum Fäden ziehen – eine Sache von kaum 5 Minuten. Erst nach 13 Uhr kam Dr. Marquez und sagte dass einer Entlassung nun nichts mehr im Weg stehe. Diese Wartezeit war unerträglich. Wir informieren die Unterkunft und Dario, dass wir später kommen. Mit Dr. Marquez vereinbarten wird noch einen Termin für den folgenden Donnerstag in seinem Büro, um mich noch mal untersuchen zu lassen und eine Flugtauglichkeitsbescheinigung zu bekommen. Nachdem der Tropf durchgelaufen war, kam auch Richard in das Zimmer um den Piep-Piep Apparat auszuschalten und uns meine Unterlagen samt einen Rezensiert für Hustensaft und Schmerzpillen zu geben. Der Venenzugang in der Hand darf Richard allerdings erst entfernen, wenn die „Mesa de Control“, soviel wie Rechnungsabteilung, mich freigegeben hat, sprich wenn die Rechnungen bezahlt sind. Das würde wohl noch etwa 1-2 Stunden dauern. Nach einer Stunde gehe ich zur „Rezeption“ vor und fragt mal wie lange es noch dauert – Geduld war nie meine Stärke 😉 Darauf hin geht Judith mit Richard zur Mesa de Control und ich muss Im Zimmer bleiben. Die zwei sind irgendwann wieder da, ich muss 4 Sachen unterschreiben und werde dann entlassen. Mit einem Rollstuhl geht es bis zur Cafeteria, die den Namen Bypass trägt. Ich bestelle für uns zwei Burger, denke ich jedenfalls. Es kommt Hähnchen mit Pommes. Judith löst noch das Rezept ein und die restliche halbe Stunde Wartezeit verbringen wir draußen. Nach zwei Wochen im klimatisierten Krankenhaus sind die 30 Grad echt krass. Mit Dario ging es dann maximal gesittet zur Unterkunft und er ruft dort auch noch an, damit jemand kommt und mein Gepäck trägt. Felix und Oriana kommen auch aus der 23. Etage nach unten und helfen uns. Wir werden auf englisch und deutsch begrüßt und wir sind froh, dass das Krankenhaus nun Geschichte ist. Unser Zimmer ist toll, lediglich das Luftbett/Gästebett ist der Horror – jede Bewegung bekommt der andere mit.. Wir verbringen den Nachmittag auf dem Balkon, unser Platz für die nächsten Tage 🙂 Die folgenden Tagen verliefen ähnlich, meine Kondition nahm nur langsam zu. Es gab Frühstück bei 30 Grad auf dem Balkon, dann gingen wir zu einem der beiden (auch sehr teuren) Supermärkte in der Nähe, kochten Essen und…. saßen auf dem Balkon. Urlaub 🙂 Eines Nachts erlebten wir auch für ca. 90 Minuten einen Stromausfall, alle Hochhäuser um uns herum waren auf einmal dunkel. Felix erzählte uns, dass vor kurzem ein Kraftwerk abgebrannt ist.. Mal wieder live mit jemanden auf Deutsch zu reden – und mit seiner Freundin auf Englisch – war eine Wohltat. Die gelaufenen Entfernungen werden jeden Tag mehr. Musste ich mich nach dem ersten Einkauf noch hinlegen, war das die Tage darauf nicht mehr nötig.

Mit Dario vor seinem Taxi.
Mit Dario vor seinem Taxi.

Am Donnerstag (23.03.) fuhr uns Dario zum Krankenhaus. Zu erst gingen wir zu Craig, um uns trotz seines Verhaltens (19:30 Aktion..) zu bedanken und ihm eine kleine Packung Rafaelo zu geben (Judith wollte ihm eigentlich Goldtaler geben 😉 ). Craig zuckte kurz zusammen, als er mich zum ersten Mal sah. Vermutlich ist er sonst immer der Größte 🙂 Sein „Büro“ ist eine fensterlose 2qm Zelle – in unseren Augen eine angemessene Strafe. Danach geht es zur normalen und zur Semi-Intensivstation – überall hinterlassen wir eine Packung Merci als Dankeschön. Die Dame aus der Verwaltung von den ersten Tagen, die trotz Verständigungsproblemen mega freundlich zu Judith war, bekam noch eine extra Danksagung. Danach ging es zu Dr. Marquez in eine Art Ärztehaus nebenan. Nach einer kurzen Untersuchung steht fest: alles gut. Freigabe zum Flug. Wir bekommen noch die Flugfähigkeitsbescheinigung auf englisch und spanisch und übergeben Dr. Marquez auch noch eine Packung Merci. Für den Chirurgen nehmen wir ein kurzes Video auf, was der Doc ihm schickt – auch er bekommt Schoki. Die haben ja alle mein Arsch gerettet. Wir warten 90 Minuten auf Dario und vereinbaren während der Rückfahrt, dass er uns am nächsten Tag zum Panama Kanal fährt. In der Unterkunft angekommen stellen wir fest, dass der eigentlich von uns angepeilte Rückflug am folgenden Montag ausgebucht ist. Mist. Wir suchen 2-3 Stunden nach Alternativen. Die meisten Flüge gehen über die USA und sind damit ein No-Go! Es bleiben Flüge über Bogota oder Istanbul. Judith schaut dann mal nach Flüge für den nächsten Tag – und dort ist der Direktflug noch frei. Aber wir können uns nicht entscheiden. Immerhin waren wir 3 Wochen in Panama und nicht am Kanal aber wir wollten auch weg, einfach weg. Wir fragen Felix, ob er eine Münze wirft (Eine Glücksmünze aus Chile, die Judith gefunden hatte, 5 peso). Das Ergebnis sagt, wir fliegen am nächsten Tag. Eine der schwersten Entscheidungen der Reise 😉 Wir buchen den Flug, sagen unseren Familien bescheid und informieren Dario, dass er erst gegen Mittag da seien muss.

Am Freitag waren wir früh wach und mega nervös. Was wird wohl der Flug bringen Dario war sogar schon 6 Minuten eher da, er wusste das wir Deutsche sind 🙂 Nach dem Security Check am Flughafen wollten wir noch Andenken kaufen, T-Shirts oder sowas. Aber es gibt nix gescheites. Dafür Wasser für 14 US Dollar. Unser Gate war noch einmal separat abgesperrt und es findet ein weiterer Security Check statt. Man will uns das Wasser abnehmen und da werde ich mit Pieps-Stimme ungemütlich. Wir zeigen der Angestellten das Schreiben von Dr. Marquez und dürfen darauf hin das Wasser behalten. Die eine Stunde Wartezeit müssen wir auf dem Boden sitzen, weil der abgesperrte Bereich nicht groß genug war. Aber um 19:00 starte der Flieger Richtung Heimat. Judith macht sich beim Start viele Sorgen und ich achtet einfach nur auf meine Atmung. Schlimme Minuten aber am Ende alles gut! Der Flug hatte richtig viele Turbulenzen, ein mal wurde Judith 10 cm aus dem Sitz gedrückt und es ging ein Schrei durch das Flugzeug.

Kaum 30 Minuten in Deutschland schon gabs was gescheites zu Essen.
Kaum 30 Minuten in Deutschland schon gabs was gescheites zu Essen.

Aber die 5 chilenischen Peso hatten unser Schicksal besiegelt und so erreichten wir am Samstag den 25.03. um 11:35 wieder deutschen Boden. Ich hatte Probleme bei der Einreise, das Passfoto passt nicht mehr ganz 😉 Erst nach einem Fingerabdruck-Scan war der Bundespolizist zufrieden. Zu guter letzt schleifte Judith meinen 22kg Rucksack an den wartenden Zollbeamte vorbei, weil es Gepäckwagen nur gegen Euro-Münzen gab, die wir nicht hatten. Judith ihr Bruder begrüßt uns mit je einem Gehacktesbrötchen und einer Flasche Vita-Cola. Willkommen zurück!

Zwei Sachen habe ich in Panama gelernt:

  1. Ich hab die besten Freunde der Welt! DANKE!
  2. Zu „stolz“ sein, um mal zum Arzt zu gehen, kann nach hinten los gehen.

 

Bogota in Kolumbien – Tag 139 bis 143

Die Lage von Bogota

Der Flughafen von Quito ist echt klein. Wer den Flughafen in Erfurt kennt, naja, der von Quito ist so ähnlich, wohlwollend könnte man provinziell sagen.
Der Flug vom Quito nach Bogota hatte eine Zwischenlandung in Panama City und dauerte daher seine Zeit. Für Kolumbien mussten wir während des Fluges ähnlich wie in Chile wieder ein Einreiseformular ausfüllen. Das Formular erhielten wir im Flugzug leider nur auf Spanisch. Wir konnten uns zwar denken, was die Fragen auf dem Formular so sind (es geht um Geld und Importware), aber ein „hab ich mir so gedacht“ ist bei der Einreise nach Kolumbien nicht der beste Plan. Zum Glück gab es dann doch am Flughafen das Formular noch auf Englisch, besser 🙂
Die Einreise selbst ist dann auch problemlos – wir mussten nur ewig warten. Im Dunkeln ging es dann mit einem offiziellen Taxi zum Hostel.

Auf dem Weg zum Hostel und damit in die Innenstadt von Bogota sahen wir an jeder Ecke jemandem vom Militär, von der Polizei oder einer privaten Securityfirma. Gegen 00:40 Uhr ist unser Hostel erreicht, der Chef macht uns auf (sprach zum Glück ein super Englisch), gab uns den Schlüssel für das Zimmer und fertig. Die Bezahlung wurden auf den nächsten Morgen verschoben.

Am Mittwoch, den 01.03.2017, werden wir dann gegen 11 Uhr wach. Vom Chef des Hostels bekommen wir ein paar Infos zur Stadt und einen Stadtplan, super Service. Außerdem empfiehlt er gegen meine „Erkältung“ einen speziellen Tee für den Tag und einen für die Nacht.  Wir gehen zum zum Frühstück in die Innenstadt, es gibt günstigen frischer Saft und Omelett. Im Anschluss versuchen wir Geld abzuheben – das ist nur nicht so einfach. Judith steht für 45 Minuten an einem Automaten in einem Supermarkt an – vergebens. Weitere 20 Minuten später ist sie am Automaten nebenan an der Reihe, dort bekommen wir dann zum Glück Pesos. Während wir im Supermarkt einkaufen, auch den Tee und eine neue Packung Aspirin, fängt es an in Strömen zu regnen. Das Dach vom Supermarkt ist alles andere als dicht und die Angestellten haben allerhand voll zu tun, die Waren aus den am meisten betroffenen Regalen zu holen. Als der Platzregen langsam nachließ und es nur noch normal regnete, gingen wir zurück zum Hostel. Ich trank einen Pax Noche (den Tee für die Nacht) und legte mich hin. Judith ist am Nachmittag schon mal alleine mit der Kamera durch das Zentrum gegangen – gut bewacht vom patrouillierenden Militär. Am Abend gehen wir zu einem super Italiener um eine Querstraße weiter, die kulinarische Abwechslung tat richtig gut.

Am nächsten Tag gehen wir nach dem Frühstück im Hostel zur Touristeninfo, die um 10 Uhr eine Stadtführung anbietet (hatte Judith am Vortag herausgefunden). Zusammen mit einer Studentin aus Bogota und der Angestellten der Touri-Info geht es kurz nach 10 los. Leider ist das Englisch nicht wirklich gut und wir verstehen daher nicht so viel. Es geht aber einmal quer durch das Zentrum, zum zentralen Platz in der Stadt, dann am Präsidentenpalast vorbei und über das Theater und durch ein paar Straßen mit Namen von Menschen, die man kennen „muss“. Nach zwei Stunden ist die Führung vorbei – hängengeblieben ist nicht so viel 😉

Da der Geldautomat vom Vortrag kein Geld mehr hat, suchen wir einen anderen. Der vierte Automat versorgt uns auch mit frischen Pesos. Das frische Geld investieren wir in ein leeres Buch für Judith als Reisetagebuch, T-Shirts als Andenken und eine neue kleine Tasche. Mit Hinblick auf die am nächsten Tag anstehenden Taxifahrt zum Flughafen überlegen wir uns, noch mal Geld abzuheben – eine kleine Odyssee beginnt. Alle uns bekannten Geldautomaten waren leer bzw. wollten uns aus anderen Gründen kein Geld geben. Wir irren durch die Innenstadt und verlassen diese auch – ein kleiner Schock. Die Innenstadt von Bogota ist sauber, relativ leise und macht einen guten Eindruck. 5 Blocks weiter zeigte sich uns eine komplett andere Stadt. Laut, dreckig, herunter gekommen und voll. Als wir irgendwann realisieren, dass wir dort nicht so gut aufgehoben sind, sind wir Mitten im „Chaos“. Und tatsächlich, auf dem Rückweg zum Zentrum stellen wir fest: es dauert ein Block und das Stadtbild wandelt sich grundlegend. Einen Geldautomaten hatten wir aber immer noch nicht gefunden. Zum Glück fanden wir eine Wechselstube uns konnten einen Teil unserer Notfall-Dollar umtauschen. Insgesamt waren wir über 4 Stunden (mit Mittagessen) auf der Suche, bei 8 Geldautomaten und einigen Banken direkt am Schalter.

Quittungen von Fehlgeschlagenen Geldabhebungen
Quittungen von Fehlgeschlagenen Geldabhebungen

So richtig Lust hatte ich danach eigentlich nicht mehr auf die Stadt, aber wir sind dann trotzdem noch mit einem Taxi zur Seilbahn-Tal-Station des Monserrate-Bergs gefahren – auch um noch einen guten Abschluss und letzten, guten Eindruck von der Stadt zu erhalten. Vom Berg aus hat mein einen guten Blick über die Stadt.

Am Freitag, 03.03.2017, ging es am Morgen mit dem Taxi zum Flughafen – die letzte Stadtion in Südamerika wartete auf uns. Kurz nach 12 Uhr startete der Flieger nach Panama City.

Quito und der Besuch vom Äquator – Tag 135 bis 139

Die Lage von Quito
Die Lage von Quito

Am Busterminal in Ambato angekommen machten uns die „Anwerber“ Stress, dass wir schnell zum Bus in Richtung Quito gehen sollen, aber wir kauften uns trotzdem erstmal was kaltes zu trinken bevor es losging. Die ca. 2 1/2 Stunden Busfahrt von Ambato bis nach Quito verliefen Mitten durch das zentrale Hochland zwischen 2500 und 3000 Meter Höhe. Das war vermutlich unsere letzte Langstrecken-Busfahrt in Südamerika auf dieser Reise. Was sich sagen lässt: in Chile ist eine Fahrt im Langstrecken-Bus echt ok. Ist der Bus einmal auf der Straße, läuft es – was auch den modernen Straße zu verdanken ist. Die Busfahrer kennen die Verkehrsregeln und halten sich dran. Also echt angenehm. Eigentlich nur an der Terminals steigen kurz fliegende Händler zu, um Essen und Trinken anzubieten. Außerdem sind die Busse modern und haben ein Klo. In Ecuador zeigt sich ein anderes Bild. Die Fahrer rasen bei Regen über die Andenpässe – in über 30 Jahre alten Kisten. Es ist laut. Sowohl vom Bus als auch, dass immer ein Radio oder ein Fernseher richtig laut läuft. Es rumpelt und alle zwei Furz lang wird angehalten. Teilweise steigen dann gleich 3-4 Händler zu und manchmal bleibt einer länger, um seine Wunderpillen oder Kopfhörer anzupreisen. Die längste Fährt in Chile bzw. Argentinien war 12 Stunden – das geht schon. In Ecuador drückt nach 5 Stunden der Kopf und man will seine Ruhe haben.

Am Terminal Quitumbe (südwestlich von der Altstadt) angekommen, aßen wir etwas und fuhren dann mit dem Taxi in unser Hostel. Dort reagiert circa 10 Minuten lang niemand auf unser Klingeln und gerade als wir aufgeben wollen, öffnet uns doch noch jemand die Tür. Dann geht es ganz hoch auf die Terrasse des Hauses, dort wurde unser Zimmer sowie ein Bad angebaut – aus „Sperrholz“. Das Zimmer war klein aber okay, die sanitäre Einrichtung wollte weder ich noch Judith ohne Schuhe betreten – und wir sind sonst nicht so zimperlich. Es gab auch weder Toilettenpapier noch eine Klobrille. Wir dachten uns, dass es  schon irgendwie gehen wird und gingen erstmal in die Stadt zur Touristeninformation. Direkt bei der Info sind auch sehr viele Touranbieter für alles Mögliche in und um Quito, eine direkte Info mit Stadtplan und Informationen wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwo hin kommt gibt es allerdings nicht. Man muss hier anscheinend einfach Touren buchen..

Als wir mit den nötigen Infos versorgt waren, ging es erstmal zurück zum Hostel, denn ich fühlte mich auch nicht besonders. Im Hostel angekommen stellten wir fest, dass unser Schlafplatz Löcher in der Wand hat, welche zwar für „Frischluft“ sorgen, dass Zimmer aber auch unheimlich laut werden lassen. Wir entschieden uns, dass wir nur eine Nacht bleiben und suchten bei einer Tasse heißer Schokolade schon mal nach Alternativen für die kommenden 3 Nächte. Judith wusch gerade noch die Tassen ab als ich schon mal auf unser Zimmer hochging um festzustellen, dass während unserer Abwesenheit der Hund des Hostels noch zwischen unsere Zimmertür und die Badtür einen großen Hundehaufen gelegt hatte. Wir müssen also aufpassen dass wir da nicht reintreten. Ich buchte spontan um – auch für die erste Nacht schon eine neue Bleibe. Also packten wir fix unsere Sachen zusammen, legten 10 Dollar auf das Bett (so viel wie eine Nacht kostete) und verließen das Haus, um uns ein Taxi  zu unserem Hotel zu nehmen. Für 5 Dollar mehr die Nacht haben wir in einem Hotel richtigen Luxus mit Klobrille, Toilettenpapier, Handtücher, warme Dusche und es gibt sogar einen Toaster in der Küche – der Wahnsinn. 🙂 Wir essen nur noch etwas und legen uns dann schlafen.

In der Nacht konnten wir beide kaum pennen, obwohl das Zimmer relativ leise und das Bett bequem war.. Relativ müde ging es dann am Samstag (25.02.2017) mit einem Taxi zum Startpunkt der Seilbahn TelefériQo. Dort angekommen wird uns dann gesagt, dass es oben ziemlich nebelig ist und nieselt und wir wahrscheinlich nicht viel sehen werden. Dann lohnt es sich auch nicht hochzufahren und stattdessen nehmen wir uns ein Taxi zum Plaza Grande, um zur Touristeninfo zu kommen. Von dort wollten wir dann noch den Hop on Hop off Bus erwischen. Das hat auch wunderbar gepasst und wir fahren damit bis zur Straße der Nationen und laufen dann von dort aus den Park entlang zum botanischen Garten. Dort in der Nähe befindet sich auch eine Art Döner, bei welchem wir dann erstmal was essen mussten – den ersten Döner seit wir auf Reise sind. Der war einfach super lecker..

Direkt neben an war eine Apotheke und ich holte etwas gegen meine Erkältung. Grüne Pillen, die werden schon helfen.

Mit dem nächsten Bus geht es zum Aussichtspunkt El Panecillo – bevor wir wieder zum Plaza Grande um von dort aus mit einem Taxi zurück zum Hotel zu fahren. Während ich mich im Hotelzimmer hinlegte, hat Judith in der offenen Küche mit Jacke und Mütze gesessen und im Tagebuch geschrieben.

Am Sonntag morgen ging es mir wieder besser und so entschieden wir uns nach dem Frühstück, eine geführte Tour zum Äquator zu nehmen, welche gegen 10 Uhr losgehen soll. Da am Sonntag die Innenstadt von Quito für Autos und Buse gesperrt ist, muss sich der Bus einen anderen Weg suchen (wenn ich auch nicht verstehe wie er das die anderen Sonntage macht, aber egal..) und so suchen der Busfahrer und unser Guide Alex nach alternativen Wegen. In einer Straße nimmt der Bus dann eine Stromleitung mit. Etwa 10 bis 15 Minuten später ist der Bus wieder am fahren, dass Haus, an dem vorher die Leitung hing, ist ohne Strom, die Dachplane vom Bus ist beschädigt – aber es ist niemandem etwas passiert, auch nicht den Passagieren die oben saßen. Bis dahin hatte sich der Preis für die Fahrt schon gelohnt. 😉

Das erste Ziel der Tour war der Vulkankrater im geobotanischem Reservat Pululahua. Dort haben wir eine kurze Pause für Fotos vom Dorf im Krater. Bei so 20 Grad musste ich anfangen vor Kälte zu zittern.. so viel zum Thema, dass die „Erkältung“ besser wird.

Die zweite Station war das Intiñan Museum, wo es eine kleine Führung gab. Dabei werden erst die Ureinwohner mit ihren Ritualen, Lebensweisen und Weltanschauungen erklärt und danach sehen wir die Geschenke der anderen Länder Südamerikas bevor die spielerischen Experimente zur Äquatorlinie beginnen: wie fließt das Wasser wo ab, balanciere ein rohes Ei auf einem Nagelkopf aus und Laufe auf der „Äquatorlinie“ um die Corioliskraft zu spüren. Das war auf jeden Fall sehr unterhaltsam..

Norden:

Süden:

 

Im Anschluß ging es um die Kakao Verarbeitungsprozesse und wie aus dem Kakao letzten Endes Schokolade wird. Diesmal kaufen wir eine Tafel mit 70% Kakaoanteil, da ich die mit 100% schrecklich fand.

Zum Schluß bekommt Judith ein Zertifikat für das Ei ausbalancieren auf dem Nagel – ich war zu dumm dafür 😉

Der nächste Programmpunkt der Tour ist die Stadt und das Monument „Mitad del Mundo“ (Übersetzt etwa „Mitte der Welt“). Dort laufen wir als erstes einmal um das Monument herum, welches den von den Franzosen gemessenen Äquator markiert. Das stimmt allerdings nicht ganz, aber in der Nähe soll ein Bauwerk von vor über 1000 Jahren von den Ureinwohnern sein, welches den Äquator genauer markiert als den von den Franzosen gemessenen.. 😀

Nachdem wir im Momument selbst waren entscheiden wir uns etwas zum Mittag zu essen. Das dauert leider so lange, dass wir die Vorführung im Planetarium verpassen, was echt schade ist. Also kaufen wir uns nur noch ein T-Shirt und dann geht es zurück zum Bus und zurück nach Quito.

Während der Busfahrt buchen wir ein zweites Hotelzimmer für die kommenden Nächte, sodass ich mich in Ruhe auskurieren konnte und Judith nicht die ganzen nächsten Tage in der Open-Air-Küche verbringen musste. Abends wollte ich nichts essen aber Judith schmierte mir trotzdem ein Salami Toast – was am nächsten Tag noch da stand – kein gutes Zeichen.

Den nächsten Tag, Montag den 27.02.2017, verbringt ich im Bett, gepflegt von der besten Krankenschwester der Welt 🙂 Mit Tee und und so wird die „Erkältung“ schon weg gehen. Judith nutzt den Tag, um weiter den Blog zu füllten, Fotos zu sortieren und zu telefonieren. Es gibt immer was zu tun.

Am Dienstag ging es mir dann besser, so dass wir uns entschieden, den Flug nach Bogota zu nehmen.  Wir packen in Ruhe zusammen und nehmen uns dann ein Taxi zum Flughafen. Zum Mittag essen wir am Flughafen bei KFC – aber das schmeckt überhaupt nicht. Als wir dann unser Gepäck aufgeben wollen, werden wir gefragt wann wir Ecuador wieder verlassen werden wenn wir am 22. März wieder einreisen. Erst erklären wir der Frau ganz normal dass wir das nicht vorhaben und zeigen ihr auch unsere Flugdaten nach Neuseeland am 7. März. Zum Schluß werden wir ein wenig pampig –  bis sie uns in Ruhe lässt..

Amabato – Tage 133 bis 135

Die Lage von Ambato

Am Mittwoch (22.02.) war nach zwei Stunden Busfahrt Ambato von Guaranda aus erreicht. Unser Reiseführer widmete der Stadt eine ganze halbe Seite und bezeichnete diese als nicht touristisch – sondern als eine gewöhnliche ecuadorianische Stadt. Für uns Grund genug, zwei Nächte dort zu verbringen. In der Stadt gab es auch keine Hostels oder etwas vergleichbares – sondern nur Business-Hotels. Eines davon hatte ein Angebot von 30 Dollar die Nacht mit Frühstück – das war auch ok. Das dieses Hotel zwar 3 Sterne hat, aber direkt an einer vierspurigen Hauptstraße lag, wurde nicht erwähnt. Auch unser Zimmer in der 6. Etage – ohne Aufzug – war zwar groß, aber der Lichtschalter im Bad war defekt und sowohl das Licht als auch der Lüfter liefen die vollen 2 Tag durch. Auf dem Weg zum Hotel kamen wir auch an einem Trabbi vorbei 🙂

Nach dem Check-In gingen wir in Richtung Zentrum und ja, der Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen. Auf dem Hauptplatz gab es einen elektrischen Touristenführer – man konnte sogar die Anzeige auf Englisch umstellen – nur ohne Effekt 😉 Auf dem Rückweg gingen wir noch durch zwei typische Märkte – alles wie überall. Wir kauften auch ein paar Weintrauben – vergaßen aber, dass es ein Importprodukt ist. 4 Dollar für knapp 1kg waren dann das Lehrgeld 😉

Bis auf den Straßenlärm ist Ambato eine durchschnittliche Stadt. Unweit vom Hotel fanden wir einen kolumbianischen Comedor mit leckeren Essen und typischen – süßen – kolumbianischer Kaffee.

Leider zeigte hier das nächste Geräte Auflösungserscheinungen, die Objektivverriegelung bei meiner Kamera hing fest. Nur mit viel Geduld und beim 20. oder 30. Versuch konnte man ein angesetztes Objektiv losdrehen. Wir gingen also in einen kleinen Elektroladen – aber dort gelang es uns partout nicht, das Objektiv zu lösen. Zurück im Hotel brachte eine Google-Suche auch nur Worst-Case Szenarien zum Vorschein, z.B. Aufsägen der Kamera oder des Objektivs, wenns gar nicht mehr geht. Da kommt Freunde auf 😉

Zum Glück gelang es uns am Abend, das Objektiv zu lösen.

Außerdem verfügte das Hotel zwar über WLAN mit einem AccessPoint (Plaste-Router von D-Link), aber über die Kanalbelegung hatte sich niemand Gedanken gemacht. Wir empfingen das WLAN von 3 Etagen und naja, alle 3 Geräte waren mit dem Standard-Passwort versehen und ich konnte die Kanäle einstellen. Bei der Kiste auf unserer Etage hab ich dann auch das Admin-Passwort geändert – Lernen mit Schmerz 😉 (und das WLAN war dadurch stabil genug für Skype).

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen machte ich mich erneut zu dem Elektroladen auf, während Judith mit ihrer Mutti telefonierte, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren.

Der Mann im Laden löste ein paar Schrauben am Bajonett-Verschluss (während er kaute) und versuchte dann den Metallring mit einem Buttermesser heraus zu hebeln.. erfolglos. Er meine dann nur, dass die Cam halt kaputt ist. Ich fragte ihn nach einem Fotoladen und er schickte mich zu einem Geschäft Hauptplatz. Dort angekommen war von außen klar, dass es sinnlos ist – es gab Kühlschränke und Glotzen so groß wie meine letzte Wohnung. Auf dem Rückweg zum Hotel kaufte ich noch einen Schraubenzieher – was die können, kann ich auch verfuschen 😉

Reparaturversuche an der 5D

Zurück im Hotel stellte ich aber fest, das man zum Öffnen des Gehäuses hinten anfangen muss und auch eine abgewinkelte Pinzette braucht – der Moment wo ich dann wieder aufhörte. Ich fragte zwei Freunde und „das Internet“ – es mit WD40 zu probieren klang am sinnvollsten. Und tatsächlich fanden wir in einem Laden für Lager verschiedener Größen auch das Wundermittel 🙂 Um eine ruhige Hand zu bekommen, mussten wir erst mal etwas essen. Am Vortag hatten wir einen Cubaner entdeckt – das Essen war aber nicht kubanisch. Wir konnten aber ein paar Zahnstocher für die Reparatur einstecken. Den Kaffee danach gab es wieder beim Kolumbianer.

Im Hotel probierten wir das auch gleich: die Zahnstocher-Spitze mit WD40 einsprühen und damit eine kleine Menge in das Gehäuse einbringen. Was soll ich sagen: es hat geklappt, die Verriegelung arbeitet wie am ersten Tag 🙂 (auch wenn die Kamera auch so schon längst ihren Zenit überschritten hat und es nur eine Frage der Zeit).

Am Nachmittag wollten wir noch ein paar Fotos von der Stadt machen, aber gerade als wir vor die Tür traten, ging es an zu regnen und eine große dunkle Wolke ließ keinen Grund für Zuversicht. Erst gegen 17:00 Uhr klarte der Himmel auf und wir konnten noch mal raus – der Park in der Nähe erwies sich zwar als Betonwüste, bot trotzdem ein paar Motive.

Zum Abendessen gab es wieder Salami und Käse aus Salinas – einzig jedes Brot/Brötchen in Ecuador ist süß.

Die Nacht war dann auf Grund des Lärms wieder weniger erholsam und so waren wir schon um kurz nach 8 Uhr beim Frühstück. Check-Out war bis 12 Uhr, unser nächstes Ziel, Quito, nur 2 1/2 Stunden entfernt – also blieben wir danach noch bis kurz vor 11 Uhr auf dem Zimmer um dann die 10 Minuten zu Fuß zum Busterminal anzutreten – von wo es dann auch direkt los ging.

Ein kurzer Abstecher in das Bergdorf Salinas – Tag 132 und 133

Die Lage von Salinas

Unser Ziel am Dienstag, 21.02., war Salinas. Laut Reiseführer ein kleines Bergdorf, bekannt für guten Käse und Wurst. Die üblichen Reiseportale wie Booking.com oder Hostelworld kannten den Ort nicht, aber im Reiseführer stand eine kleine Pension, die wir schon zwei Tage vorher per Mail angeschrieben hatten und auch gleich eine Antwort bekamen. Wir wussten auch, das wir erst nach Guaranda müssen und der Bus dahin startete auch pünktlich. Auf den ersten Kilometern lief im Bus schreckliche elektronische Musik aus den 2000dern… Das könnte jedenfalls die Fahrweise erklären. Eine Stunde später überquerten wir erst im Niesel- und dann im Schneeregen, einen Pass auf knapp 4400 Meter Höhe. Die Bergabfahrt war dann wieder, naja, sagen wir ecuadorianisch.

In luftiger Höhe über die Anden

In Guaranda wurden wir am Marktplatz abgesetzt und fragten jemanden, wie es zum Busterminal geht. Der Beschreibung folgten wie 2 Blöcke, bis uns aus einem Bus heraus jemand fragte, wo wir hinwollen – weiterhelfen konnte er uns leider nicht. Dafür hat ein ca. Zwanzigjähriger das Gespräch mitbekommen und uns wieder zurück Richtung Marktplatz gelotst – er kam auch einen Block mit. Am Marktplatz entdeckten wir einen Pickup auf dessen Plane Salinas stand. Der Fahrer winkte uns auch gleich zu. Dann wurde es akrobatisch und eng. Auf der Ladefläche saßen schon 4 Schüler, ich sollte zu erst reinklettern und die 4 Rucksäcke entgegen nehmen. Für Judith war dann zum Glück auch noch Platz. Kurz darauf ging es auch los. Am Ortsausgang stieg dann noch eine Mutter mit ihrem Jungen zu und beide setzten sich auf die Klappe der Ladefläche und aßen ihr Essen weiter – wir hatten mit Festhalten genug zu tun.

Irgendwann waren alle ausgestiegen und wir machten uns breit – bis erst zwei kleine Mädchen und dann noch eine Frau mit zwei Eimern zustieg. Nach knapp mehr als 30 Minuten war dann Salinas erreicht. Die Fahrt hatte 2 Dollar gekostet – viel Spaß für wenig Geld. Mit dem Gepäck gingen wir zum Hostel und konnten auch gleich in ein Zimmer einchecken. Vom Balkon aus hatten wir eine super Sicht über das kleine Dorf auf 3570 Metern und auf die Berge. Wir gingen direkt zum Marktplatz, auf dem die Vorbereitungen für den Karneval liefen – inkl. ohrenbetäubender Musik.

Kaum hatten wir eine Fleischspieß in der Hand, find es zu regnen an. Wir stellten uns zu den Einheimischen unter – nur ein paar Jugendliche auf dem Marktplatz juckte das Wetter nicht. Das nächste Ziel war der lokale Fleischer/Käseladen. Für beides ist das Dorf bekannt. Wir durften 4 Sorten Käse testen und Schinken. Alles schmeckte nach etwas 🙂 Die Salami konnten wir nicht probiert – kauften wir dann nach Geruch trotzdem, zusammen mit einem Pfund Käse. Die Salami war tatsächlich die beste Wurst in ganz Südamerika – für Thüringischer Verhältnisse Mittelmaß aber für hier, einfach toll 🙂

Wir gingen dann noch zur Markthalle um Hühnchen mit Pommes und Salat von einer Oma zu kaufen und dann zurück zum Marktplatz wo der Fasching startete – jedenfalls waren viele Menschen da und Kinder besprühten sich mit Schaum aus der Dose. Da so richtig aber noch nichts los war und es immer noch tröpfelte, ging es zurück zum Hostel.

Am nächsten morgen hatte es zum Glück aufgehört mit regnen und wir konnten nach dem Frühstück noch auf einen kleinen Berg 100 Meter oberhalb des Dorfes gehen – auf 3630 Metern ging es nur langsam voran 🙂 Auf dem Rückweg ging es noch mal zum Dorfladen, um noch eine Salami zu kaufen. Kurz nach 11 Uhr saßen wir wieder im Sammeltaxi/Pickup und es ging zurück nach Guaranda, von wo aus 12:30 Uhr unser Bus nach Ambato startete (das Bus-Terminal hatten wir nach 10 Minuten durch die Stadt auch gefunden)

Über Guayaquil nach Riobamba – Tage 128 bis 132

Die Lage von Riobamba

Die Busfahrt von Montañita nach Guayaquil war schon nach 3 Stunden vorbei, da es diesmal über eine großteils vierspurige Bundesstraße ging. In Guayaquil checkten wir so gegen 14 Uhr in unser Hostel ein und der Chef bot uns ein kostenloses Upgrade an, was wir natürlich annahmen 🙂 Das Zimmer war dann auch groß und verfügte sogar über eine Küchenzeile – nur ohne Ausstattung (bis auf einen Reiskocher). In der Gegend gab es eine Uni und sonst sah es eher nach Industriegebiet aus. Wir nutzen den restlichen Nachmittag um in verschiedene Läden noch nach einer Kaffeemaschine zu suchen – im letzten fanden wir auch was passendes, nur leider war das Teil nicht vollständig. Genervt von der Hitze, schlechten Luft und Lärm der Stadt und Einkaufszentren waren wir kurz nach 6 zurück im Hostel – außer Spesen nix gewesen 😉

Am nächsten Montag ging es dann zum Busterminal und zwei offensichtlich genervte junge Frauen (wir hielten sie von ihren Handys ab) verkauften uns 10:30 Uhr ein Busticket nach Riobamba für um 10:30 Uhr… im Laufschritt ging es dann in die zweite Etage des Terminals, der Bus war zum Glück noch da.

Die dann folgenden 5 Stunden im Bus waren, wie soll man sagen, nicht so prickelnd.

Ist im Flachland die Fahrweise der Busfahrer noch ertragbar, hört bei Andenpässen der Spaß auf. Bergauf einen LKW überholen – ohne Sicht, sei es durch Kurven oder durch Nebel auf 3600 Meter Höhe – ist einfach keine gute Idee. Bremsen – Gas gegeben – bremsen – mehr bremsen – Gas geben um voll in die Kurven zu gehen, hinter denen es hunderte Meter Berg ab geht – bei Regen.. Zum Glück war Zwischendurch für ca. 30 Minuten eine Pause – auch weil das Klo im Bus nicht benutzbar war. Und irgendwann war dann auch Riobamba erreicht. Mit einem Taxi ging es zur Unterkunft und dort wurden wir echt überrascht. Wir hatten ein ganzes luxuriöses Apartment für uns. Kaffeemaschine und Saftmixer waren auch da. Was gibts besseres. Der erste Eindruck war auch, dass Riobamba deutlich leiser ist als Guayaquil. Außerdem war das Klima auf 2700 Meter angenehmer – auch wenn weniger Luft zum atmen da war, was sich auch bemerkbar machte. Wir gingen jedenfalls erst einmal los um Milch für den Kaffee zu besorgen – was schon in einer kleinen Stadtbesichtigung endete. Am späten Nachmittag sind wir dann noch mal richtig los, um das Zentrum zu erkunden. Durch Zufall fanden wir auch einen Laden, in welchem direkt im Schaufenster eine der so lange gesuchten Kaffeemaschinen stand. – gekauft haben wir sie aber erst am nächsten Tag 🙂 Riobamba erwies sich als recht übersichtlich, alle relevanten Punkte der Stadt waren von unserem „Schloß“ zu Fuß zu erreichen. Abends gingen wir dann nur noch mal ein Block weiter, um für 5,25 Dollar ein leckeres Abendessen zu bekommen.

Der Reiseführer verriet uns, dass am Samstag in einen der vielen Märkte der Stadt ganze Schweine gerillt werden. Das war dann auch am 18.02.2017 nach dem Frühstück (Brötchen vom Ort und Marmelade aus Guayaquil, Kaffee und Erdbeersaft) unser erster Weg. Im Markt Merced gab es Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch und in einem extra Bereich waren ca. 15 Stände, hinter denen jeweils 2 Frauen um mögliche Kunden für ihre Schweinestücke warben. Wir wurden jedenfalls von vielen Seiten angewunken und angesprochen. Wir probierten erst ein Stück und teilten uns dann eine Portion Mote (Mais) mit gegrillten Schweinefleisch. Über ein paar Umwege ging es zurück zur Unterkunft (unter anderen wollten wir zur Touri-Info, die leider schon zu hatte). Dort traf Judith durch Zufall eine ihrer Mitschülerinnen aus der Sprachschule in Valparaiso vor 4 Monaten wieder – die Welt ist klein 🙂

Am Nachmittag gingen wir noch mal los und liefen irgendwann durch eine Straße, in der gerade ca. 10 Busse parkten und es vor Militär mit Gewehren nur so wimmelte. Das war schon komisch und wir redeten uns ein, dass die nur zum Shoppen hier sind. Auf einem Marktplatz vor einer der vielen Kirchen fand dann auch gerade ein Wochenmarkt statt – hätten wir uns nicht schon jeder mit einem Poncho eingedeckt, wäre es dann hier wohl so weit gewesen. Das mit dem Militär klärte sich auch auf, als wir wieder zurück waren und den Chef  – Wolfgang – der Unterkunft kennen lernten. Wolfgang ist seit 25 Jahren mit einer Ecuadorianerin verheiratet und lebt hier. Er erzählte uns, dass für die Präsidentschaftswahlen am nächsten Tag aktuell alles Vorbereitet wird und diese Vorbereitungen werden eben hier so geschützt.

Einen eigenen Mixer für Säfte

Den Sonntag starteten wir gemütlich und nutzten die Zeit vor allem, um mit unseren Familien zu telefonieren und die Fotos der letzten Tage zu bearbeiten. Außerdem quälten wir den Saftmixer 🙂 Kurz nach 14 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einen der kleinen „3$-Restaurants“, welches im Reiseführer erwähnt wird. Nach ein wenig mehr als einem Kilometer durch die Stadt wurden wir leider enttäuscht – das Lokal war zu. Durch die Mittagssonne, die auf der Höhe auch ganz schön stark war, ging es dann zurück Richtung Zentrum, doch so richtig konnte uns nichts zusagen oder es war voll. Auch am Mercado Merced war Hochbetrieb.. Letztendlich sind wir zu „Happy Pollo“ – Glückliches Hühnchen und teilten uns dort eine Portion Huhn mit Pommes. Am Ende so etwas wie KFC nur deutlich besser. Erst  am Abend gingen wir erneut vor die Tür und zu unserer Überraschung war auf den Straßen nichts los – wir hatten angesichts der Präsidentschaftswahlen und der Militärpräsens am Vortag eine andere Erwartungshaltung 🙂 Die Stadt wirkte um 20 Uhr fast ausgestorben.

Für den Montag, 20.02.2017, hatten wir eigentlich den Besuch eines Fasching-Umzugs in Guaranda, ca. eine Stunde mit dem Bus entfernt, geplant. Laut Programmheft sollte der Umzug um 9 Uhr starten, weshalb 7:30 Uhr der Wecker klingelte. Zu früh, Wecker aus und weiter schlafen  🙂 Zwei Stunden später lohnte sich die Fahrt dann auch nicht mehr. Die Zeit am Vormittag haben wir dann aber dafür genutzt, dass Judith mir mit einer stumpfen Küchenschere auf der Dachterrasse des Schlosses die Haare schneiden konnte – war auch mal wieder Zeit 🙂

Gegen Mittag gingen wir dann aber zu Touri-info, um zu Erfahren wie man zur Laguna de Colta kommt. Ein junger Franzose, der dort gerade arbeitete, verwies uns an einen Tourenanbieter eine Querstraße weiter. Die hatten leider geschlossen. Wir hielten einfach ein Taxi an und fragten, wie viel eine Fahrt zur Lagune kosten sollte. 8 Dollar fanden wir für die halbe Stunde Fahrt mehr als ok. Die Laguna de Colta liegt auf 3300 Meter Höhe und dient vermutlich eher Einheimischen für einen kurzen Wochenend-Ausflug. Jedenfalls waren wir die einzigen Besucher – aber es gab einen Wachmann, der die  1,20 Dollar Eintritt kassierte. Von der Lagune hat man bei guten Wetter einen schöne Sicht auf den Chimborazo, den höchsten Berg in Ecuador (Funfact: die Spitze des Berges ist der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt der Erdoberfläche) – aber wir hatten nicht das perfekte Wetter dafür, es tröpfelte auch ein wenig.

Nach einer Stunde sind wir dann zurück an die Hauptstraße, wo wir direkt einen Bus anhalten konnten, der uns für ein wenig mehr als 1 Dollar zurück nach Riobamba gefahren hat. Doch kaum waren wir im Bus, gab der Fahrer schon wieder Vollgas und ich fiel auf eine Ecuadorianerin – keine Chance mich irgendwo festzuhalten. Zum Glück ist weder ihr noch mir was passiert.

Am Dienstag nutzen wir zum Frühstück noch einmal den Mixer für Pitahaya-Saft und nach einer langen Verabschiedung von unserer Gastgeberin waren wir 10:45 am Busterminal von Riobamba. Der erste Bus nach Guaranda, der uns angeboten wurde, sollte halb 3 fahren. Ein paar Schalter weiter startete einer 11:30 Uhr – das war perfekt für uns.

 

Montañita – Tag 126 bis 128

Montañita

Nach knapp einer Stunde erreichte der Bus von Puerto Lopez dann Montañita. Der kleine Ort liegt auch direkt am Pazifik und der Reiseführer sprach von einem Surferparadis. Unsere Navi-App kannten die Straße von unserem Hostel nicht, also hielten wir ein Taxi an… welches uns 300 Meter weiter schon wieder raus ließ 🙂

Da unser Zimmer noch nicht fertig war, stellen wir das Gepäck ab und gingen ins Zentrum etwas Essen. Das Zentrum von Montañita besteht aus Restaurants, Modeläden, Hostels und Bars. Auf den Straßen stehen neben Hütten mit Andenken auch kleine Stände mit 1-2 Tischen davor, bei denen es Säfte, Toast, Omelettes und Obstsalat gibt. Ich war zwar noch nie auf Ibiza oder Malle, aber so stell ich mir für Partyhochburgen da vor – nur schlimmer. Wir fanden zum Glück auch einen Comedor mir Mittagessen für 3€. Danach konnten wir einchecken. Das Grundstück vom Hostel war sehr groß und so mussten wir 2 Minuten durch den Garten laufen (vorbei an einem See mit Leguanen und einer Wiese mit Gänsen), bis das Haus mit unserem Zimmer in der ersten Etage erreicht war. Das Zimmer war im Vergleich zum Vorherigen richtig geräumig – nur leider gab es keine Moskitonetze über den Betten (Fotos auf Booking.com hatten das suggeriert). Nach einer kalten Dusche gingen wir zurück ins Zentrum um selbst eins zu kaufen – im 3. Laden, in dem wir fragten, wurden wir auch fündig 🙂 Nur die Suche nach einer kleinen Kaffeemaschine (so eine italienische Espressomaschine für den Herd) blieb erfolglos. Auch als uns ein Einheimischer zu einem Laden geführt hatte, in dem wir bereits wegen einem Moskitonetz waren, war dort sowas nicht zu haben. Außerdem konnten wir unsere Wäsche noch in einer Wäscherei abgeben – sollte am nächsten Nachmittag fertig sein.

Zurück im Hostel versuchten wir mit einer Wäscheleine das Moskitonetz aufzuhängen.. aber so richtig wollte das nicht klappen. Das Netz war quadratisch und hatte 4 Befestigungsschlaufen. Nach knapp einer Stunde gaben wir auf – es war sinnlos mit dem Teil. Vielleicht für eine der nächsten Stationen 🙂

Am Abend gingen wir noch mal ins Zentrum und es wirkte, als wollte jeder Laden seine Nachbarn durch pure Lautstärke übertrumpfen. Außerdem wurden aus einigen der Saftständen Coctailstände – frisches Obst wich Importschnaps. Etwas Außerhalb des Trubels fanden wir aber eine Bar mit Livemusik. Der erste Künstler spielte The Doors, Nirvana und Bob Marley auf seiner Gitarre – und in der Pause lief Buena Vista Social Club – kann also gar nicht besser sein 🙂 Irgendwann checkten wir auch, dass die anderen 4-5 Gäste keine Gäste waren sondern auch Musiker die dann auf spanisch weiter machten. Das war versucht die beste Bar für uns in der ganzen Stadt 🙂

Am Mittwoch überlegen wir beim Frühstück, was wir mit dem Tag anfangen wollten. Die einzige echte Option (Wasserfälle Dos Mangas) stellte sich als 5-6 stündige Wanderung heraus – war dann doch keine Option 😉 Also nutzen wir den Tag zum Entspannen. Ich ging erstmal zum Strand – aber rote Fahnen und Wellen von 2 Meter Höhe inkl. einer krassen Strömung machten eine entspannte Erfrischung unmöglich. Judith widmete sich währenddessen ihrem Blog und den Fotos – was auch ziemlich schnell meine Beschäftigung war.

Halb drei gingen wir auf eine Suppe und einen Saft in die Stadt und entdeckten an einem Stand auch eine Filterkaffee-Maschine. Kurze Zeit später hatten wir auch eine Tasse schwarzes Glück auf dem Tisch stehen 🙂

Die Wäsche war dann auch schon fertig (wir mussten zwar noch mal zum Hostel zurück um den Abhol-Schein zu holen).

So 17 Uhr war es dann bewölkt – ideal um noch mal zum Strand zu gehen. Nach einer halben Stunde im Wasser bei noch stärkerer Strömung als am Vormittag und etlichen Nasenduschen gingen wir zurück zum Hostel – war vielleicht das letzte Mal Pazifikküste von dieser Seite, auf dieser Reise.

Am Abend stellten wir dann noch fest, dass man besser keine 2 Notebooks an der gleichen Steckdose lädt – es roch leicht verschmort und an den Kontakten des Adapters könnte man sich verbrennen. 120 Watt waren zu viel 🙂

Am Donnerstag wollten wir zurück nach Guayaquil als Zwischenhalt auf den Weg nach Riobamba. Nach dem Frühstück (am Stand mit der Kaffeemaschine 😉 ) ging es um 11 Uhr mit dem Bus los.