Von Südgeorgien zur Antarktischen Halbinsel – Tag 80 und 81 – 11. und 12. Tag auf See

James Gorman: “The suspension of life that occurs onboard ship is addictive. At sea you are always in transit, in transition. Nothing is fixed. Everything is imminent. A storm could come. A whale could break the surface. The future could hold anything.” 

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 56“ 57,3’ S, 42“ 1,3’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 1713 Meilen
Geschwindigkeit: 10,3 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 15 Knoten Südwest
Außentemperatur: 3 Grad C

Der erste Seetag auf dem Weg von Süd-Georgien zur Antarktis-Halbinsel (bzw. erst einmal zu Elephant-Island) fing ruhig an – abgesehen vom Seegang. Nach einer Abstimmung am Vortrag gab es keinen Weckruf. Wir sind dennoch pünktlich zum Frühstück gekommen 🙂 Im Speisesaal war es aber richtig leer.

Da wir in den vergangenen 4 Tagen fast 10.000 Fotos gemacht haben, war auch klar, was unser Tagesprogramm war – Sortieren und Bearbeiten.

Am Vormittag sind aber erst einmal viele Fotos dazu gekommen. Für über eine Stunde waren wir umgeben von Finnwalen, für ein paar Minuten waren diese auch mal nur 20-30 Meter vom Schiff entfernt. Insgesamt waren es um die 20 Tiere  – spektakulär, auch wenn man meist nur die Wasserfontäne und den Rücken sieht.

Gegen 11:30 Uhr war dann wieder großes Klamotten- und Rucksack-Saubermachen angesagt, denn auch für die Antarktis gelten strenge Bio-Security Richtlinien. Diesmal waren die beiden Crewmitglieder auch deutlich gründlicher und haben die Taschen der Jacken und Hosen ausgesaugt, damit auch ja kein organisches Leben auf die Antarktis kommt.

Zum Mittagessen hatten wir ein angenehmes Gespräch mit Patterson und Scotty von der Expeditionscrew.

Am Nachmittag ging es dann weiter mit Fotobearbeitung – unseren alten Kisten kommen bei der Datenmenge ganz schön ins Schwitzen. Aber es hat sich gelohnt 🙂

Um 17:00 Uhr sind wir noch zum Vortrag: ‘Geodynamics & Polar Bears’ gegangen – es ging um die Frage, warum auf der Antarktis keine Eisbären leben (kurze Antwort: die Antarktische Kontinentalplatte hatte sich schon vor langer Zeit von Gondwana getrennt und erst viel viel viel viel später – nach den Dinosaurieren – haben sich die Bären entwickelt). War lustig gemacht und diesmal sind wir auch bis zum Ende geblieben.

31.12.2016 – Tag 81 – Tag 12 auf See

Pico Iyer ‘Why we Travel’: “We travel initially to lose ourselves; and we travel next to find ourselves. We travel to open our hearts and eyes and learn more about the world than our newspapers will accommodate. We travel to bring what little we can, in our ignorance and knowledge, to those parts of the globe where riches are differently dispersed. And we travel, in essence, to become young fools again – to slow time down and get taken in, and fall in love once more.” 

Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 59“ 45,6’ S 50“35,1’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 2031 Meilen
Geschwindigkeit: 10,7 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10-15 Knoten Südwest
Außentemperatur: 3 Grad C

In der Nacht vom 30. auf den 31.12. wurden die Uhr wieder um eine Stunde zurück gestellt, so dass wir wieder 4 Stunden Unterschied zu Deutschland hatten.  Um 7:30 Uhr war wieder Wecken angesagt. Am Vormittag habe ich schon mal angefangen mich durch die 10.000 Fotos zu kämpfen und Timelapes und Panoramas zu erstellen. Judith ist zu einem Vortrag von Woody mit dem Titel ‘The Heroic Age of Exploration in Antarctica’ gegangen, der richtig gut war. Ansonsten haben wir eigentlich nur Fotos sortiert und bearbeitet – same procedure as every year. Nachdem Mittagessen – ohne Linsensuppe – ging es genauso weiter. Ab und zu waren wir draußen an Deck um die ruhige See zu genießen. Nach dem letzten Recap des Jahres und dem Abendessen mit Partyhütchen ging es in den Club zur Silvesterparty mit Tröten. Obwohl es zum Abendessen schon 5-6 Gläser Rotwein gab, da Scotty sich immer hat nachschenken lassen und wir mithalten wollten, haben wir die Party mit einem Write Russian in den Weiten des Südpolarmeeres gestartet. Ab 23 Uhr gab es ein Mitternachtsbufet. Für Judith gab es Torte und für mich gab es Salami und Schinken – ohne was dazu – herrlich :-). Irgendwann verschwand Judith mit ihrem Sektglas zusammen mit einigen anderen Backpackern und Crewmitgliedern auf der Tanzfläche. Zu Mitternacht gab es zwar kein Feuerwerk, dafür leuchtete der Horizont noch wie bei einem Sonnenuntergang 🙂

NO+AFP in Chile

NO+AFP - Für ein solidarischen Rentensystem in Chile
NO+AFP – Für ein solidarischen Rentensystem in Chile

An ziemlich vielen Häuserwänden in Chile sind Graffitis, Aufkleber oder Plakate mit NO+AFP zu sehen.

AFP ist in Chile die Rentenversicherung, die aber hier pflichtmäßig privat organisiert ist. Also kein Umlagesystem wie in Deutschland, sondern jeder spart seine eigene Rente. Dafür werden 10% vom Lohn abgezogen. Der Mindestlohn in Chile ist 250.000 Peso pro Monat, das sind ca. 350 Euro. Die Miete für eine normale Wohnung schlägt schon mit 150.000 bis 200.000 Peso zu Buche. Wenn man Zeit seines Lebens vom Mindestlohn gelebt hat, bekommt man ca. 70.000 Peso Rente raus. Also nix. Reicht nicht mal für eine Wohnung, geschweige denn Essen, Medizin, Strom oder Busfahrten. Deswegen müssen die meisten Menschen auch deutlich über das Renteneintrittsalter hinaus arbeiten, teilweise bis zum Tod.

Da ist es in meinen Augen ganz klar, dass es riesige Proteste gegen dieses System, bei dem nur die Banken profitieren, gibt.

Und noch eine Info: Ein Hochschulstudium an einer staatlichen Uni kostet ca. 20.000.000 Peso (28.000 Euro). Die meisten Studenten müssen dafür einen Kredit aufnehmen und den dann ca. 20 Jahre lang zurückzahlen. Ein Lehrer verdient hier rund 750.000 Peso im Monat. Und das Essen kostet nicht viel weniger als in Deutschland.. Also krasse Unterschiede zu Nordeuropa.. 

Tag 13, 14 und Tag 15 – Valparaiso

Die Schule ging am Montag ganz normal weiter. Die „Klassen“ haben sich aber geändert, mit neuen Mitschülern 🙂

Heute (Mittwoch) kamen quasi alle Lehrer zu spät. Zwischen Valparaiso und Vina del Mar war eine Demo. Dort haben Fischer gegen die Regierung demonstriert, welche Fangrechte an Japan verkauft hat. Dadurch fangen dann aber die kleinen Fischer nichts mehr. Die Demo war so heftig, das Spezialpolizei auch Tränengas eingesetzt hat. Mein Lehrer hat mir aber gesagt, dass das hier einfach ganz normal ist. In seinen Bus ist auch Tränengas reingekommen und einige Menschen mussten auch im Bus sich übergeben.