Ein paar Wochen Heimaturlaub

Durch die Lungenentzündung in Panama war an eine Weiterreise nicht mehr zu denken. Deshalb machen wir gerade eine Pause in Deutschland.

Die Zeit in der Heimat lässt sich super nutzen um: 

  • Ostern und noch mehr Zeit mit der Familie zu verbringen
  • Freunde zu besuchen
  • wieder fit und gesund werden
  • Wurst essen!!!
  • Ärzte besuchen ( Stempel für das Zahnarztheft 😉 )
  • Steuererklärung machen um das Reisebudget aufzubessern
  • mit Behörden rumärgern
  • Urlaub im Harz machen
  • Ausrüstung ausbessern und ersetzen

Und natürlich: die weitere Reise planen!

Am 11.06. geht es von Frankfurt aus weiter nach Auckland, Neuseeland. Und dann mal schauen. Der bisherige Plan ist über den Haufen geworfen, der Rest ergibt sich dann spontan.

3 Wochen Panama City, ohne Panamakanal – Tag 143 bis 165

Die Lage von Panama Stadt
Die Lage von Panama Stadt

Um 13:30 Uhr war am 03.03.2017 Panama City erreicht, dem letzten Ziel auf dieser Seite der Welt. Für vier Tage hatten wir eine AirBnB Unterkunft gebucht – konnten dort aber erst 17:00 Uhr aufschlagen. Also vertrieben wir uns noch ein wenig die Zeit auf dem Flughafen und aßen in einem Diner mal wieder einen richtigen Burger. Die Freundin (Yauri) eines ehemaligen Arbeitskollegen von Judith wohnt in Panama und hatte uns für um 4 Uhr einen Taxifahrer organisiert, mit dem es dann auch pünktlich losging. Gefühlt sind in Panama City viele neue Autos unterwegs – aber die Straßen sind in einem schlechteren Zustand als in Ecuador oder Kolumbien.

Unser Unterkunft war in einem Wohnpark bestehend auf 7 Hochhäusern (3 Etagen Parkhaus und 17 Etagen Wohnen) und nach ein paar Minuten Warten im Eingangsbereich kam dann auch unsere Gastgeberin von der Arbeit. Perfekt 🙂 Unser Zimmer war noch nicht fertig, da am Vormittag erst anderer Gäste ausgecheckt hatten. Wir konnten es uns aber auf dem Balkon gemütlich machen und bekamen auch ein Bier serviert. So ließen sich die über 30 Grad aushalten. Nach einer Stunde war das Zimmer (mit Klimaanlage 🙂 ) dann auch fertig. Den restlichen Abend verbrachten wir dann auf dem Balkon – dort war es einfach am angenehmsten.

Am Samstag trafen wir uns um 10:00 Uhr an der nahe gelegenen U-Bahn Station mit Yauri um direkt Richtung Panama Kanal zu starten. Nach einer Stunde am Kanal angekommen stellen wir aber leider fest, dass in den Schleusen zu dieser Zeit keine Schiffe waren (uns wurde gesagt, dass erst am Nachmittag ab 15:00 Uhr wieder Betrieb ist). Wir sparten uns das Eintrittsgeld und machten uns zurück in Richtung Stadt. Dort zeigte uns Yauri dann die Altstadt bzw. das Viertel Casco Viejo. In dem kolonialen Stadtteil scheint richtig viel Geld zu stecken – jedenfalls kamen wir an Restaurants vorbei, in denen schon ein Wasser unser Tagesbudget sprengen würde 😉 Nach einem typischen panamaischen Mittagessen starteten wir erneut in Richtung Miraflores/Kanal und kamen dort um 16:30 Uhr an – nur um festzustellen, dass der letzte Einritt ab 16:15 Uhr war. Na gut, also machen wir das am nächsten Tag 🙂

Der Sonntag morgen startete dann gemütlich. Erst gegen Mittag – nachdem wir mit unserer Familie telefoniert haben –  entschieden wir uns in der Albrook Mall shoppen zu gehen. Wir hatten zwar beide wenig Lust dazu, aber ich brauchte dringend eine neue Hose, da die alte nicht mehr passte. Die Änderung der Gewohnheiten und nicht mehr den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen zeigten ihre Wirkung. 🙂 Im vierten Laden fanden wir auch tatsachlich etwas passendes. Wieder zurück in unserer Unterkunft legte ich mich hin und Judith saß auf dem Balkon. Irgendwie war die „Erkältung“ wohl doch noch nicht ganz weg und da hilft nur Ruhe..

Am Montag, dem 6.3., wollten wir eigentlich noch mal zum Panamakanal, aber ich hatte die ganze Nacht quasi nicht geschlafen und war dementsprechend total fertig. Wir entschieden uns also auf den Kanal zu verzichten und Ich versuchte zu schlafen. Leider war kein Schlaf zu finden und dadurch wurde ich auch immer unruhiger. Das leckere Essen welches Judith zum Mittag gekocht hatte, Bratkartoffel als Delikatesse, gingen nur mit viel Anstrengung und nach Überredung rein.

In der kommenden Nacht konnte Ich wieder nicht schlafen. Zur Unruhe und rasenden Puls kamen irgendwann in der rechten Brust ein stechender Schmerz beim Einatmen hinzu. Judith wurde wach, weil ich so stark zitterte, das alles vibrierte. Das Fieberthermometer zeigte dann 39 grad und damit war der für diesen Tag geplante Flug nach Neuseeland leider hinfällig.

Stattdessen war es Zeit für einen Krankenhausbesuch.

In unserem am Vortrag bestellten privaten Taxi änderten wir die Fahrtrichtung, neues Ziel: Hospital Nacional im Zentrum von Panama City. Das Krankenhaus hatte Judith raus gesucht, da es englisch spreche Ärzte hat. Auch Dario, unser Fahrer, bestätigte die gute Wahl.

Tag 1 im Krankenhaus. Nicht so dolle.
Tag 1 im Krankenhaus. Nicht so dolle.

Die Fahrt zum Krankenhaus dauerte rund 30 Minuten und war abenteuerlich. Dario gab richtig Gas, überholte an unmöglichen Stellen und hupte sich den Weg frei. Er fuhr wie ein Fluchtwagenfahrer und drehte sich trotzdem alle paar Minuten zu mir. Er registrierte wohl auch, dass ich in der kurzen Zeit ein Liter Wasser trank. Im Krankenhaus in der Notaufnahme war ich erstmal fast 3 Stunden in einem Untersuchungsraum. Die Lunge wurde geröntgt, Blut abgenommen und weitere Test gemacht. Die anfängliche Nasenmaske für den Sauerstoff wurde ziemlich schnell durch eine Nasen-Mund- Maske ersetzt. Der Arzt der Notaufnahme war irgendwann auch am Ende und rief einen Spezialisten hinzu. Dr. Marquez kam auch eine Stunde später. In der Zwischenzeit musste Judith alle möglichen Formulare ausfüllen, welche es nur auf Spanisch gab und erstmal 600 US Dollar Behandlungsgebühren bezahlen, bevor man überhaupt eine Finger rührten. Als sie feststellte, dass es WLAN gab, hat sie auch ganz freundlich nach dem Passwort gefragt, um die Versicherung zu informieren, Flüge umzubuchen, eine neue Bleibe zu suchen, die andere Unterkunft zu informieren. Leider stieß sie auf taube Ohren und bekam keinen Zugang. Ein Arzt bekam das aber mit und gab ihr über sein Handy Internetzugriff. Irgendwann durfte Judith dann auch zu mir in das Untersuchungszimmer – nur um kurze Zeit später zur nächsten Zahlung aufgefordert zu werden. 6.000 US Dollar sollten es sein. Bei ihrer Karte war das Limit erreicht, zum Glück gab meine das noch her. Im Laufe des Nachmittags ist sie dann wieder mit Dario zur alten AirBNB Unterkunft gefahren, um unsere 4 Rucksäcke zu holen, mehr als 50kg Gewicht. Ihr Gepäck brachte sie in ein Hotel 4 Blöcke vom Krankenhaus entfernt und meine Rucksäcke schleppte sie ins Krankenhaus – genauer bis in die Semi-Intensivstation, auf der ich mittlerweile lag. Am Abend gab es dann auch die Diagnose: ich hatte eine Lungenentzündung mit der Komplikationen, dass sich unter der rechten Lunge eine eitrige Flüssigkeit angesammelt hat. Dadurch konnte sich die Lunge auch nicht mehr richtig ausdehnen. Dr. Marquez nahm am Abend auch noch eine Probe der Flüssigkeit um festzustellen, ob man dieser mit Medikamenten beikommen kann oder eine Operation notwendig wird. Ergebnis: eine OP musste sein. Wir wurden vor die „Wahl“ gestellt: am nächsten Tag für 7.000 bis 8.000 Dollar in der Privatklinik operiert werden oder kostenfrei mit einer Woche Wartezeit im öffentlichen Krankenhaus. Der Zusatz: „diese Woche Wartezeit ist keine gute Idee“ – im Sinne von: das wird lebensgefährlich, nahm uns die Entscheidung ab. Noch am gleichen Abend kamen die beiden Chirurgen, im Nadelstreifenanzug, um mich anzusehen. Für den nächsten Tag wurde die OP auf 17:00 Uhr terminiert.

Über Nacht und am nächsten Tag versuchten die Pfleger das Fieber von mittlerweile 40 Grad in den Griff zu bekommen. Judith klärte mit ihrer Bank die Anhebung des Kreditkartenlimits auf 7.000 Euro die Woche (das Krankenhaus wollte weitere 5.000 Dollar) und füllte die Anmeldung für die Krankenkasse aus, zu der auch ihr Bruder aus Deutschland Kontakt aufgebaut hatte. Ihr Bruder hatte auch mit meinen Eltern telefoniert und beruhigt und unser finanzielles Polster erneut, wir wussten ja nicht, wie viel Geld das Krankenhaus noch haben will. Im Krankenhaus hatten wir immer noch kein Internet, weswegen Judith die Kommunikation aus dem Hotel erledigen musste. So viele SMS (ja, echte SMS) hab ich seit es mobiles Internet gibt nicht mehr geschrieben, im Ausland, Schnäppchen 🙂

An die ersten Tage im Krankenhaus kann ich mich kaum erinnern. Auch wenn ich wach war… die Schmerzmittel hatten wohl meinen Kopf ausgeschaltet. Was sich aber eingebrannt hat: am 8.3.2017 würde ich zum ersten Mal gewaschen. Im Bett. Seit dem habe ich eine Vorstellung vom altern in Würde. Hätte ich noch keine Patientenverfügung, jetzt würde ich eine ausfüllen. Vor der OP wurde noch ein CT Scan durchgeführt, der alle vorherigen Ergebnisse bestätigte. Die OP verschob sich aber immer weiter und irgendwann kam auch ein Pfleger der sagte, es laufe gerade noch eine Herz-OP. Ob damit nur der Operationssaal belegt oder unsere Ärzte beschäftigt waren, erfuhren wir nicht. Ich redete mir aber Option zwei ein 🙂 Judith ging noch mal in ihr Hotel und um 23 schrieb ihr der Anästhesist, dass es bald losgeht. Kaum eine halbe Stunde später war es auch soweit. Die OP war mit Vor- und Nachbereitung für 3 Stunden angesetzt. Ich war froh, dass Judith da war, als es losging und auch gegen 3 Uhr nachts, als ich zurück auf das Zimmer kam und aufwachte. Die OP verlief super und Judith wurde sogar während dessen informiert, dass es länger dauert. Ich weiß nicht, wie ich die 4 Stunden Wartezeit überstanden hätte. Diese Nacht verbrachte sie auch auf der Liege im Zimmer.

Am nächsten Tag, 9.3., checkte ich dann so langsam, dass noch mehr Kabel und Schläuche an meinem Körper sind, vor allem der daumendicke Schlauch an meiner rechten Seite, an dessen anderen Ende ein Auffangbehälter für die restliche Flüssigkeit war. Gegen 8 Uhr kam Dr. Marquez mit guten Nachrichten: die Werte waren besser, die Medikamente werden angepasst: hauptsächlich Antibiotika und Schmerzmittel. Ach ja, Funfact: vor der OP hat Judith die Ärzte gefragt, ob die sich die entzündeten Mückenstiche an meinem rechten Fuß anschauen können. Antwort: das Antibiotikum ist so stark, das macht das gleich mit. Jetzt wo die größte Gefahr gebannt ist, bekommen wir auch mehr Infos: die Letalität 2 Tage zuvor lag bei 10%, ich war dehydriert (trotz ca. 4 Liter Flüssigkeit an diesem Morgen) und langsam setzte eine Blutvergiftung ein. Die erste Schätzung, ab wann ich wieder fliegen darf, lautet auf 6 Wochen…. Woher die Krankheit kam konnte aber niemand sagen. Judith wurde auch an diesem Tag endlich zu dem Zuständigen für die Zusammenarbeit mit internationalen Krankenkassen vorgelassen. Craig, ein Ami, befördert mit seinem gesamten Verhalten unsere tiefe Abneigung gegen dieses dumme Volk. Letztlich steht dann aber Kontakt zwischen unsere Versicherung und dem Krankenhaus. Die Versicherung gibt eine erste Zahlungsgarantie (kurz GoP) in Höhe von 20.000 US Dollar ab.

Eine gesundheitliche Besserung tritt auch ein, der Puls wird normal, ebenso die Atmung. Dr. Marquez stellt für den nächsten Tag einen Umzug auf die normale Station in Aussicht. Es beginnen auch Behandlungen in Form von zwei verschiedenen Inhalationsübungen, die bis zum letzten Tag fortgeführt werden.

Der 10.03. ist dann tatsächlich ein Umzugstag. Ein gutes Zeichen. Auf der normalen Station gibt es auch WLAN, was wir erst mal zum telefonieren nutzen. Das Fieber ist auch weg. Nur die Schläfrigkeit bleibt die ersten Tage. Judith ist eigentlich die ganze Zeit mit Versicherungskram und Kontakt zum Reisebüro beschäftigt. Am zweiten Tag auf der normalen Station zieht sie mit auf das Zimmer, denn auch dort gab es eine Liege.

Die Kommunikation zwischen Krankenhaus und Versicherungen ist gelinde gesagt holprig. Immer wieder will jemand Geld von Judith. An einem Abend eskaliert die Situation fast. Gegen 19:00 Uhr klingelt das Telefon und auf schnellen Spanisch wurde Judith zugetextet bis sie sagt, dass es unverständlich ist. Kaum 30 Minuten später kommt ein Pfleger (Achso, die Ärzte können alle englisch, von den Pflegern nur einer ein wenig) mit jemandem von der Administration und verlangt 11.000 Dollar. Judith kann denen zum Glück erklären, dass wir eine Versicherung haben, die alles bezahlt.

Wir hatten immer den Eindruck, dass bei einer nicht Begleichung der Rechnungen ein Rauswurf droht..  Diese Ungewissheit, gepaart mit den Kommunikationsproblemen veranlasste uns auch, die Krankenkasse einem medizinischen Rücktransport zu prüfen. Dieser wurde aber nach einigen Hin- und Her, Telefonaten mit der Malteser Flugrettung mit uns und Dr. Marquez abgelehnt. Das war nervig. Alles zwei bis vier Stunden auf spanisch nach Hilfe zu rufen“ nessesito ayudar con el piep piep“ (gemeint war die nervig piepende Infusionspumpe, wenn ein Beutel alle war) war nicht so prickelnd.

Die Nächte im Krankenhaus waren auch nicht so dolle. Schlafen auf dem Rücken ist doof. Noch viel doofer war aber, dass alle 2 Stunde die Tür aufgestoßen wurde, jemand hinein kam um Fieber oder Blutdruck zu messen oder einem Beutel zu wechseln – inklusive voller Festtagsbeleuchtung und dann beim Verlassen die Tür zuzuschlagen. Bäm, alle wach?

Die erste Runde im Krankenhaus
Die erste Runde im Krankenhaus

Ein paar Tage nach der OP bekam ich auch die Aufgabe zu laufen. Ein paar Runden über die Station. Am Anfang noch begleitet von Klinikpersonal und irgendwann alleine.

Am Abend des 13.3. sollte der Drainage-Schlauch durch einen dünneren Schlauch ersetzt werden. Dazu wurden vorab per Ultraschall zwei passende Einstichstellen ermittelt.  Gegen 20:30 Uhr kam Dr. Marquez und probierte den kleineren Schlauch direkt im Zimmer bzw. Bett zu setzen, während Judith draußen wartete. Aber es kam nur Luft und keine Flüssigkeit, was den Doc Spanisch vorkam. So ging es etwa eine Stunde später zur Radiologie, um einen weiteren CT Scan zu machen. Zum CT Scan sollte ich liegend auf einem anderen Bett transportiert werden. Dazu kamen drei der maximal besten Leute auf Schlachthaus und stellten sich an wie die ersten Menschen. Als die drei die Transportliege abkippten, fiel die Sauerstoffflasche runter und rollte ein paar Meter. Dadurch kam auch Flüssigkeit in meine Nase – das war zu viel. Die drei von der Schlachtbank durften sich auf deutsch ein wenig was anhören. Dr. Marquez war weg, dafür aber der Radiologe und der Chirurg. Ergebnis: alles gut, Flüssigkeit ist quasi weg. Für diesen Tag blieb alles, wie es war.

Am nächsten Tag führte Dr. Marquez gegen 18 Uhr eine Bronchoskopie durch, die zweite Narkose und diesmal Aufwachen im Beobachtungsraum. Die Behandlung lief erfolgreich, aller Schleim war aus der Lunge raus. Ich kann mich kurz vor dem Eingriff noch an einen um den OP Tisch tänzelnden Dr. Marquez zur lokaltypische Musik erinnern – für mich war das ein Zeichen guter Entspannung und damit Sicherheit. Wieder auf dem Zimmer, kam der Chirurg und zog den Schlauch ohne einen neuen zu setzen. Parallel wurden alle Medikamente bis auf die Schmerzmittel und das Antibiotikum abgesetzt – ebenso die Nasenmaske. Die Medikamente gab es nur noch zeitweise so dass ich zu den anderen Zeiten frei beweglich war. Erleichterung. Auch konnte ich danach auf einer Seite liegen – die ohne Narbe. Achso Narbe, der Chirurg war ein Profi aber das Zunähen, naja, Judith hätte bei 100km/h im Bus in Ecuador über einen 4000 Meter hohen Andenpass wesentliche besser genäht. Egal.

Am nächsten Morgen hieß es dann: in 5 Tagen, am Montag Morgen wirst du vermutlich entlassen. Das klang super. Die Station durfte ich trotzdem nicht verlassen. Dafür aber die erste kurze Dusche seit einer Woche – eine Wohltat, auch wenn es anstrengend war.

Die restlichen 5 Tage plätscherten dann vor sich hin. Judith kümmerte sich weiter um Kommunikation mit der Krankenkasse wegen der Bezahlung und dem Rücktransport (der am Ende nix wurde), schrieb mal wieder im Tagebuch. Das Krankenhausessen ging irgendwann nicht mehr, Reis mit Reis in Reis, dazu Reis mit trockenem Toast und noch trocknerem Geflügel. Die kleinen Portionen Obst waren das beste. Also besorgte Judith richtiges Essen, richtigen Kaffe und Schoki, viel Schoki.

Ein paar Tage vor der Entlassung meldete sich auch die Malteser Flugrettung nochmal. Judith wurde am Telefon per Grüß Gott begrüßt – die Reaktion darauf hatte der Telefonist sicher nicht erwartet 😉 Bis auf gut Zureden und Beruhigungen kam bei dem Telefonat aber nichts raus.

Am vorletzten Tag bekamen wir auch die 11.000 Dollar auf die Kreditkarten zurück gebucht, natürlich mit einigen Hickhack, verursacht durch Unzulänglichkeiten der Krankenkasse..

Das Zimmer der normalen Station am Tag der Entlassung.
Das Zimmer der normalen Station am Tag der Entlassung.

Zwei Tage vor der Entlassung kam mitten in der Nacht eine Schwester ins Zimmer (halb 1 ca.) und war der Meinung, den Venenzugang zu erneuern. Ich schlief schon, aber Judith war noch wach und schaute einen Film. Ich war genervt (wer auch immer mich schon mal aus dem Schlaf geholt hat, weiß das) und die Krankenschwester fragte dann noch etwas schnell auf Spanisch (wahrscheinlich ob sie den Klebestreifen schnell oder langsam abziehen soll) und ich ging sie an mit „Mensch, mach doch einfach!“, was die gute Frau natürlich nicht verstand. Aber der Tonfall war mehr als deutlich. Darauf hin rupfte sie die alte Kanüle ab, packte wortlos ihren Kram und verließ das Zimmer mit einem lauten Knall der Tür. Etwa eine Stunde später kam wieder das piep piep der Infusionspumpe und ich musste über die Fernbedienung wieder „Necesito ayudar con el piep piep piep“ sagen. Judith saß im Bett und lachte 🙂

Leider konnte ich noch kein Bier trinken, welches sich Judith heimlich schmecken ließ 😉

Am Wochenende vor der Entlassung buchen wir für eine Woche eine Airbnb Unterkunft in der Stadt (bei einem Deutschen!), fragen Dario ob er uns fahren kann und schauen schon mal nach Flügen Richtung Frankfurt. Wir hatten entschieden, eine Reisepause zu machen. Meine Konstitution hätte eine Weiterreise nicht erlaubt, sogar die Kraft den Rucksack anzuheben hat gefehlt.

Dr. Marquez - am letzten Tag.
Dr. Marquez – am letzten Tag.

Am Entlassungs-Montag wurde mir gehen 6:00 Uhr noch mal Blut abgenommen. Um 10 Uhr kam der Pfleger Richard und hängte mich zu unserer Verwunderung für 4 Stunden an den Tropf, noch mal Kochsalzlösung mit Antibiotika. Eine Stunde später kam Dr. Los Rios zum Fäden ziehen – eine Sache von kaum 5 Minuten. Erst nach 13 Uhr kam Dr. Marquez und sagte dass einer Entlassung nun nichts mehr im Weg stehe. Diese Wartezeit war unerträglich. Wir informieren die Unterkunft und Dario, dass wir später kommen. Mit Dr. Marquez vereinbarten wird noch einen Termin für den folgenden Donnerstag in seinem Büro, um mich noch mal untersuchen zu lassen und eine Flugtauglichkeitsbescheinigung zu bekommen. Nachdem der Tropf durchgelaufen war, kam auch Richard in das Zimmer um den Piep-Piep Apparat auszuschalten und uns meine Unterlagen samt einen Rezensiert für Hustensaft und Schmerzpillen zu geben. Der Venenzugang in der Hand darf Richard allerdings erst entfernen, wenn die „Mesa de Control“, soviel wie Rechnungsabteilung, mich freigegeben hat, sprich wenn die Rechnungen bezahlt sind. Das würde wohl noch etwa 1-2 Stunden dauern. Nach einer Stunde gehe ich zur „Rezeption“ vor und fragt mal wie lange es noch dauert – Geduld war nie meine Stärke 😉 Darauf hin geht Judith mit Richard zur Mesa de Control und ich muss Im Zimmer bleiben. Die zwei sind irgendwann wieder da, ich muss 4 Sachen unterschreiben und werde dann entlassen. Mit einem Rollstuhl geht es bis zur Cafeteria, die den Namen Bypass trägt. Ich bestelle für uns zwei Burger, denke ich jedenfalls. Es kommt Hähnchen mit Pommes. Judith löst noch das Rezept ein und die restliche halbe Stunde Wartezeit verbringen wir draußen. Nach zwei Wochen im klimatisierten Krankenhaus sind die 30 Grad echt krass. Mit Dario ging es dann maximal gesittet zur Unterkunft und er ruft dort auch noch an, damit jemand kommt und mein Gepäck trägt. Felix und Oriana kommen auch aus der 23. Etage nach unten und helfen uns. Wir werden auf englisch und deutsch begrüßt und wir sind froh, dass das Krankenhaus nun Geschichte ist. Unser Zimmer ist toll, lediglich das Luftbett/Gästebett ist der Horror – jede Bewegung bekommt der andere mit.. Wir verbringen den Nachmittag auf dem Balkon, unser Platz für die nächsten Tage 🙂 Die folgenden Tagen verliefen ähnlich, meine Kondition nahm nur langsam zu. Es gab Frühstück bei 30 Grad auf dem Balkon, dann gingen wir zu einem der beiden (auch sehr teuren) Supermärkte in der Nähe, kochten Essen und…. saßen auf dem Balkon. Urlaub 🙂 Eines Nachts erlebten wir auch für ca. 90 Minuten einen Stromausfall, alle Hochhäuser um uns herum waren auf einmal dunkel. Felix erzählte uns, dass vor kurzem ein Kraftwerk abgebrannt ist.. Mal wieder live mit jemanden auf Deutsch zu reden – und mit seiner Freundin auf Englisch – war eine Wohltat. Die gelaufenen Entfernungen werden jeden Tag mehr. Musste ich mich nach dem ersten Einkauf noch hinlegen, war das die Tage darauf nicht mehr nötig.

Mit Dario vor seinem Taxi.
Mit Dario vor seinem Taxi.

Am Donnerstag (23.03.) fuhr uns Dario zum Krankenhaus. Zu erst gingen wir zu Craig, um uns trotz seines Verhaltens (19:30 Aktion..) zu bedanken und ihm eine kleine Packung Rafaelo zu geben (Judith wollte ihm eigentlich Goldtaler geben 😉 ). Craig zuckte kurz zusammen, als er mich zum ersten Mal sah. Vermutlich ist er sonst immer der Größte 🙂 Sein „Büro“ ist eine fensterlose 2qm Zelle – in unseren Augen eine angemessene Strafe. Danach geht es zur normalen und zur Semi-Intensivstation – überall hinterlassen wir eine Packung Merci als Dankeschön. Die Dame aus der Verwaltung von den ersten Tagen, die trotz Verständigungsproblemen mega freundlich zu Judith war, bekam noch eine extra Danksagung. Danach ging es zu Dr. Marquez in eine Art Ärztehaus nebenan. Nach einer kurzen Untersuchung steht fest: alles gut. Freigabe zum Flug. Wir bekommen noch die Flugfähigkeitsbescheinigung auf englisch und spanisch und übergeben Dr. Marquez auch noch eine Packung Merci. Für den Chirurgen nehmen wir ein kurzes Video auf, was der Doc ihm schickt – auch er bekommt Schoki. Die haben ja alle mein Arsch gerettet. Wir warten 90 Minuten auf Dario und vereinbaren während der Rückfahrt, dass er uns am nächsten Tag zum Panama Kanal fährt. In der Unterkunft angekommen stellen wir fest, dass der eigentlich von uns angepeilte Rückflug am folgenden Montag ausgebucht ist. Mist. Wir suchen 2-3 Stunden nach Alternativen. Die meisten Flüge gehen über die USA und sind damit ein No-Go! Es bleiben Flüge über Bogota oder Istanbul. Judith schaut dann mal nach Flüge für den nächsten Tag – und dort ist der Direktflug noch frei. Aber wir können uns nicht entscheiden. Immerhin waren wir 3 Wochen in Panama und nicht am Kanal aber wir wollten auch weg, einfach weg. Wir fragen Felix, ob er eine Münze wirft (Eine Glücksmünze aus Chile, die Judith gefunden hatte, 5 peso). Das Ergebnis sagt, wir fliegen am nächsten Tag. Eine der schwersten Entscheidungen der Reise 😉 Wir buchen den Flug, sagen unseren Familien bescheid und informieren Dario, dass er erst gegen Mittag da seien muss.

Am Freitag waren wir früh wach und mega nervös. Was wird wohl der Flug bringen Dario war sogar schon 6 Minuten eher da, er wusste das wir Deutsche sind 🙂 Nach dem Security Check am Flughafen wollten wir noch Andenken kaufen, T-Shirts oder sowas. Aber es gibt nix gescheites. Dafür Wasser für 14 US Dollar. Unser Gate war noch einmal separat abgesperrt und es findet ein weiterer Security Check statt. Man will uns das Wasser abnehmen und da werde ich mit Pieps-Stimme ungemütlich. Wir zeigen der Angestellten das Schreiben von Dr. Marquez und dürfen darauf hin das Wasser behalten. Die eine Stunde Wartezeit müssen wir auf dem Boden sitzen, weil der abgesperrte Bereich nicht groß genug war. Aber um 19:00 starte der Flieger Richtung Heimat. Judith macht sich beim Start viele Sorgen und ich achtet einfach nur auf meine Atmung. Schlimme Minuten aber am Ende alles gut! Der Flug hatte richtig viele Turbulenzen, ein mal wurde Judith 10 cm aus dem Sitz gedrückt und es ging ein Schrei durch das Flugzeug.

Kaum 30 Minuten in Deutschland schon gabs was gescheites zu Essen.
Kaum 30 Minuten in Deutschland schon gabs was gescheites zu Essen.

Aber die 5 chilenischen Peso hatten unser Schicksal besiegelt und so erreichten wir am Samstag den 25.03. um 11:35 wieder deutschen Boden. Ich hatte Probleme bei der Einreise, das Passfoto passt nicht mehr ganz 😉 Erst nach einem Fingerabdruck-Scan war der Bundespolizist zufrieden. Zu guter letzt schleifte Judith meinen 22kg Rucksack an den wartenden Zollbeamte vorbei, weil es Gepäckwagen nur gegen Euro-Münzen gab, die wir nicht hatten. Judith ihr Bruder begrüßt uns mit je einem Gehacktesbrötchen und einer Flasche Vita-Cola. Willkommen zurück!

Zwei Sachen habe ich in Panama gelernt:

  1. Ich hab die besten Freunde der Welt! DANKE!
  2. Zu „stolz“ sein, um mal zum Arzt zu gehen, kann nach hinten los gehen.

 

Bogota in Kolumbien – Tag 139 bis 143

Die Lage von Bogota

Der Flughafen von Quito ist echt klein. Wer den Flughafen in Erfurt kennt, naja, der von Quito ist so ähnlich, wohlwollend könnte man provinziell sagen.
Der Flug vom Quito nach Bogota hatte eine Zwischenlandung in Panama City und dauerte daher seine Zeit. Für Kolumbien mussten wir während des Fluges ähnlich wie in Chile wieder ein Einreiseformular ausfüllen. Das Formular erhielten wir im Flugzug leider nur auf Spanisch. Wir konnten uns zwar denken, was die Fragen auf dem Formular so sind (es geht um Geld und Importware), aber ein „hab ich mir so gedacht“ ist bei der Einreise nach Kolumbien nicht der beste Plan. Zum Glück gab es dann doch am Flughafen das Formular noch auf Englisch, besser 🙂
Die Einreise selbst ist dann auch problemlos – wir mussten nur ewig warten. Im Dunkeln ging es dann mit einem offiziellen Taxi zum Hostel.

Auf dem Weg zum Hostel und damit in die Innenstadt von Bogota sahen wir an jeder Ecke jemandem vom Militär, von der Polizei oder einer privaten Securityfirma. Gegen 00:40 Uhr ist unser Hostel erreicht, der Chef macht uns auf (sprach zum Glück ein super Englisch), gab uns den Schlüssel für das Zimmer und fertig. Die Bezahlung wurden auf den nächsten Morgen verschoben.

Am Mittwoch, den 01.03.2017, werden wir dann gegen 11 Uhr wach. Vom Chef des Hostels bekommen wir ein paar Infos zur Stadt und einen Stadtplan, super Service. Außerdem empfiehlt er gegen meine „Erkältung“ einen speziellen Tee für den Tag und einen für die Nacht.  Wir gehen zum zum Frühstück in die Innenstadt, es gibt günstigen frischer Saft und Omelett. Im Anschluss versuchen wir Geld abzuheben – das ist nur nicht so einfach. Judith steht für 45 Minuten an einem Automaten in einem Supermarkt an – vergebens. Weitere 20 Minuten später ist sie am Automaten nebenan an der Reihe, dort bekommen wir dann zum Glück Pesos. Während wir im Supermarkt einkaufen, auch den Tee und eine neue Packung Aspirin, fängt es an in Strömen zu regnen. Das Dach vom Supermarkt ist alles andere als dicht und die Angestellten haben allerhand voll zu tun, die Waren aus den am meisten betroffenen Regalen zu holen. Als der Platzregen langsam nachließ und es nur noch normal regnete, gingen wir zurück zum Hostel. Ich trank einen Pax Noche (den Tee für die Nacht) und legte mich hin. Judith ist am Nachmittag schon mal alleine mit der Kamera durch das Zentrum gegangen – gut bewacht vom patrouillierenden Militär. Am Abend gehen wir zu einem super Italiener um eine Querstraße weiter, die kulinarische Abwechslung tat richtig gut.

Am nächsten Tag gehen wir nach dem Frühstück im Hostel zur Touristeninfo, die um 10 Uhr eine Stadtführung anbietet (hatte Judith am Vortag herausgefunden). Zusammen mit einer Studentin aus Bogota und der Angestellten der Touri-Info geht es kurz nach 10 los. Leider ist das Englisch nicht wirklich gut und wir verstehen daher nicht so viel. Es geht aber einmal quer durch das Zentrum, zum zentralen Platz in der Stadt, dann am Präsidentenpalast vorbei und über das Theater und durch ein paar Straßen mit Namen von Menschen, die man kennen „muss“. Nach zwei Stunden ist die Führung vorbei – hängengeblieben ist nicht so viel 😉

Da der Geldautomat vom Vortrag kein Geld mehr hat, suchen wir einen anderen. Der vierte Automat versorgt uns auch mit frischen Pesos. Das frische Geld investieren wir in ein leeres Buch für Judith als Reisetagebuch, T-Shirts als Andenken und eine neue kleine Tasche. Mit Hinblick auf die am nächsten Tag anstehenden Taxifahrt zum Flughafen überlegen wir uns, noch mal Geld abzuheben – eine kleine Odyssee beginnt. Alle uns bekannten Geldautomaten waren leer bzw. wollten uns aus anderen Gründen kein Geld geben. Wir irren durch die Innenstadt und verlassen diese auch – ein kleiner Schock. Die Innenstadt von Bogota ist sauber, relativ leise und macht einen guten Eindruck. 5 Blocks weiter zeigte sich uns eine komplett andere Stadt. Laut, dreckig, herunter gekommen und voll. Als wir irgendwann realisieren, dass wir dort nicht so gut aufgehoben sind, sind wir Mitten im „Chaos“. Und tatsächlich, auf dem Rückweg zum Zentrum stellen wir fest: es dauert ein Block und das Stadtbild wandelt sich grundlegend. Einen Geldautomaten hatten wir aber immer noch nicht gefunden. Zum Glück fanden wir eine Wechselstube uns konnten einen Teil unserer Notfall-Dollar umtauschen. Insgesamt waren wir über 4 Stunden (mit Mittagessen) auf der Suche, bei 8 Geldautomaten und einigen Banken direkt am Schalter.

Quittungen von Fehlgeschlagenen Geldabhebungen
Quittungen von Fehlgeschlagenen Geldabhebungen

So richtig Lust hatte ich danach eigentlich nicht mehr auf die Stadt, aber wir sind dann trotzdem noch mit einem Taxi zur Seilbahn-Tal-Station des Monserrate-Bergs gefahren – auch um noch einen guten Abschluss und letzten, guten Eindruck von der Stadt zu erhalten. Vom Berg aus hat mein einen guten Blick über die Stadt.

Am Freitag, 03.03.2017, ging es am Morgen mit dem Taxi zum Flughafen – die letzte Stadtion in Südamerika wartete auf uns. Kurz nach 12 Uhr startete der Flieger nach Panama City.

Quito und der Besuch vom Äquator – Tag 135 bis 139

Die Lage von Quito
Die Lage von Quito

Am Busterminal in Ambato angekommen machten uns die „Anwerber“ Stress, dass wir schnell zum Bus in Richtung Quito gehen sollen, aber wir kauften uns trotzdem erstmal was kaltes zu trinken bevor es losging. Die ca. 2 1/2 Stunden Busfahrt von Ambato bis nach Quito verliefen Mitten durch das zentrale Hochland zwischen 2500 und 3000 Meter Höhe. Das war vermutlich unsere letzte Langstrecken-Busfahrt in Südamerika auf dieser Reise. Was sich sagen lässt: in Chile ist eine Fahrt im Langstrecken-Bus echt ok. Ist der Bus einmal auf der Straße, läuft es – was auch den modernen Straße zu verdanken ist. Die Busfahrer kennen die Verkehrsregeln und halten sich dran. Also echt angenehm. Eigentlich nur an der Terminals steigen kurz fliegende Händler zu, um Essen und Trinken anzubieten. Außerdem sind die Busse modern und haben ein Klo. In Ecuador zeigt sich ein anderes Bild. Die Fahrer rasen bei Regen über die Andenpässe – in über 30 Jahre alten Kisten. Es ist laut. Sowohl vom Bus als auch, dass immer ein Radio oder ein Fernseher richtig laut läuft. Es rumpelt und alle zwei Furz lang wird angehalten. Teilweise steigen dann gleich 3-4 Händler zu und manchmal bleibt einer länger, um seine Wunderpillen oder Kopfhörer anzupreisen. Die längste Fährt in Chile bzw. Argentinien war 12 Stunden – das geht schon. In Ecuador drückt nach 5 Stunden der Kopf und man will seine Ruhe haben.

Am Terminal Quitumbe (südwestlich von der Altstadt) angekommen, aßen wir etwas und fuhren dann mit dem Taxi in unser Hostel. Dort reagiert circa 10 Minuten lang niemand auf unser Klingeln und gerade als wir aufgeben wollen, öffnet uns doch noch jemand die Tür. Dann geht es ganz hoch auf die Terrasse des Hauses, dort wurde unser Zimmer sowie ein Bad angebaut – aus „Sperrholz“. Das Zimmer war klein aber okay, die sanitäre Einrichtung wollte weder ich noch Judith ohne Schuhe betreten – und wir sind sonst nicht so zimperlich. Es gab auch weder Toilettenpapier noch eine Klobrille. Wir dachten uns, dass es  schon irgendwie gehen wird und gingen erstmal in die Stadt zur Touristeninformation. Direkt bei der Info sind auch sehr viele Touranbieter für alles Mögliche in und um Quito, eine direkte Info mit Stadtplan und Informationen wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwo hin kommt gibt es allerdings nicht. Man muss hier anscheinend einfach Touren buchen..

Als wir mit den nötigen Infos versorgt waren, ging es erstmal zurück zum Hostel, denn ich fühlte mich auch nicht besonders. Im Hostel angekommen stellten wir fest, dass unser Schlafplatz Löcher in der Wand hat, welche zwar für „Frischluft“ sorgen, dass Zimmer aber auch unheimlich laut werden lassen. Wir entschieden uns, dass wir nur eine Nacht bleiben und suchten bei einer Tasse heißer Schokolade schon mal nach Alternativen für die kommenden 3 Nächte. Judith wusch gerade noch die Tassen ab als ich schon mal auf unser Zimmer hochging um festzustellen, dass während unserer Abwesenheit der Hund des Hostels noch zwischen unsere Zimmertür und die Badtür einen großen Hundehaufen gelegt hatte. Wir müssen also aufpassen dass wir da nicht reintreten. Ich buchte spontan um – auch für die erste Nacht schon eine neue Bleibe. Also packten wir fix unsere Sachen zusammen, legten 10 Dollar auf das Bett (so viel wie eine Nacht kostete) und verließen das Haus, um uns ein Taxi  zu unserem Hotel zu nehmen. Für 5 Dollar mehr die Nacht haben wir in einem Hotel richtigen Luxus mit Klobrille, Toilettenpapier, Handtücher, warme Dusche und es gibt sogar einen Toaster in der Küche – der Wahnsinn. 🙂 Wir essen nur noch etwas und legen uns dann schlafen.

In der Nacht konnten wir beide kaum pennen, obwohl das Zimmer relativ leise und das Bett bequem war.. Relativ müde ging es dann am Samstag (25.02.2017) mit einem Taxi zum Startpunkt der Seilbahn TelefériQo. Dort angekommen wird uns dann gesagt, dass es oben ziemlich nebelig ist und nieselt und wir wahrscheinlich nicht viel sehen werden. Dann lohnt es sich auch nicht hochzufahren und stattdessen nehmen wir uns ein Taxi zum Plaza Grande, um zur Touristeninfo zu kommen. Von dort wollten wir dann noch den Hop on Hop off Bus erwischen. Das hat auch wunderbar gepasst und wir fahren damit bis zur Straße der Nationen und laufen dann von dort aus den Park entlang zum botanischen Garten. Dort in der Nähe befindet sich auch eine Art Döner, bei welchem wir dann erstmal was essen mussten – den ersten Döner seit wir auf Reise sind. Der war einfach super lecker..

Direkt neben an war eine Apotheke und ich holte etwas gegen meine Erkältung. Grüne Pillen, die werden schon helfen.

Mit dem nächsten Bus geht es zum Aussichtspunkt El Panecillo – bevor wir wieder zum Plaza Grande um von dort aus mit einem Taxi zurück zum Hotel zu fahren. Während ich mich im Hotelzimmer hinlegte, hat Judith in der offenen Küche mit Jacke und Mütze gesessen und im Tagebuch geschrieben.

Am Sonntag morgen ging es mir wieder besser und so entschieden wir uns nach dem Frühstück, eine geführte Tour zum Äquator zu nehmen, welche gegen 10 Uhr losgehen soll. Da am Sonntag die Innenstadt von Quito für Autos und Buse gesperrt ist, muss sich der Bus einen anderen Weg suchen (wenn ich auch nicht verstehe wie er das die anderen Sonntage macht, aber egal..) und so suchen der Busfahrer und unser Guide Alex nach alternativen Wegen. In einer Straße nimmt der Bus dann eine Stromleitung mit. Etwa 10 bis 15 Minuten später ist der Bus wieder am fahren, dass Haus, an dem vorher die Leitung hing, ist ohne Strom, die Dachplane vom Bus ist beschädigt – aber es ist niemandem etwas passiert, auch nicht den Passagieren die oben saßen. Bis dahin hatte sich der Preis für die Fahrt schon gelohnt. 😉

Das erste Ziel der Tour war der Vulkankrater im geobotanischem Reservat Pululahua. Dort haben wir eine kurze Pause für Fotos vom Dorf im Krater. Bei so 20 Grad musste ich anfangen vor Kälte zu zittern.. so viel zum Thema, dass die „Erkältung“ besser wird.

Die zweite Station war das Intiñan Museum, wo es eine kleine Führung gab. Dabei werden erst die Ureinwohner mit ihren Ritualen, Lebensweisen und Weltanschauungen erklärt und danach sehen wir die Geschenke der anderen Länder Südamerikas bevor die spielerischen Experimente zur Äquatorlinie beginnen: wie fließt das Wasser wo ab, balanciere ein rohes Ei auf einem Nagelkopf aus und Laufe auf der „Äquatorlinie“ um die Corioliskraft zu spüren. Das war auf jeden Fall sehr unterhaltsam..

Norden:

Süden:

 

Im Anschluß ging es um die Kakao Verarbeitungsprozesse und wie aus dem Kakao letzten Endes Schokolade wird. Diesmal kaufen wir eine Tafel mit 70% Kakaoanteil, da ich die mit 100% schrecklich fand.

Zum Schluß bekommt Judith ein Zertifikat für das Ei ausbalancieren auf dem Nagel – ich war zu dumm dafür 😉

Der nächste Programmpunkt der Tour ist die Stadt und das Monument „Mitad del Mundo“ (Übersetzt etwa „Mitte der Welt“). Dort laufen wir als erstes einmal um das Monument herum, welches den von den Franzosen gemessenen Äquator markiert. Das stimmt allerdings nicht ganz, aber in der Nähe soll ein Bauwerk von vor über 1000 Jahren von den Ureinwohnern sein, welches den Äquator genauer markiert als den von den Franzosen gemessenen.. 😀

Nachdem wir im Momument selbst waren entscheiden wir uns etwas zum Mittag zu essen. Das dauert leider so lange, dass wir die Vorführung im Planetarium verpassen, was echt schade ist. Also kaufen wir uns nur noch ein T-Shirt und dann geht es zurück zum Bus und zurück nach Quito.

Während der Busfahrt buchen wir ein zweites Hotelzimmer für die kommenden Nächte, sodass ich mich in Ruhe auskurieren konnte und Judith nicht die ganzen nächsten Tage in der Open-Air-Küche verbringen musste. Abends wollte ich nichts essen aber Judith schmierte mir trotzdem ein Salami Toast – was am nächsten Tag noch da stand – kein gutes Zeichen.

Den nächsten Tag, Montag den 27.02.2017, verbringt ich im Bett, gepflegt von der besten Krankenschwester der Welt 🙂 Mit Tee und und so wird die „Erkältung“ schon weg gehen. Judith nutzt den Tag, um weiter den Blog zu füllten, Fotos zu sortieren und zu telefonieren. Es gibt immer was zu tun.

Am Dienstag ging es mir dann besser, so dass wir uns entschieden, den Flug nach Bogota zu nehmen.  Wir packen in Ruhe zusammen und nehmen uns dann ein Taxi zum Flughafen. Zum Mittag essen wir am Flughafen bei KFC – aber das schmeckt überhaupt nicht. Als wir dann unser Gepäck aufgeben wollen, werden wir gefragt wann wir Ecuador wieder verlassen werden wenn wir am 22. März wieder einreisen. Erst erklären wir der Frau ganz normal dass wir das nicht vorhaben und zeigen ihr auch unsere Flugdaten nach Neuseeland am 7. März. Zum Schluß werden wir ein wenig pampig –  bis sie uns in Ruhe lässt..

Amabato – Tage 133 bis 135

Die Lage von Ambato

Am Mittwoch (22.02.) war nach zwei Stunden Busfahrt Ambato von Guaranda aus erreicht. Unser Reiseführer widmete der Stadt eine ganze halbe Seite und bezeichnete diese als nicht touristisch – sondern als eine gewöhnliche ecuadorianische Stadt. Für uns Grund genug, zwei Nächte dort zu verbringen. In der Stadt gab es auch keine Hostels oder etwas vergleichbares – sondern nur Business-Hotels. Eines davon hatte ein Angebot von 30 Dollar die Nacht mit Frühstück – das war auch ok. Das dieses Hotel zwar 3 Sterne hat, aber direkt an einer vierspurigen Hauptstraße lag, wurde nicht erwähnt. Auch unser Zimmer in der 6. Etage – ohne Aufzug – war zwar groß, aber der Lichtschalter im Bad war defekt und sowohl das Licht als auch der Lüfter liefen die vollen 2 Tag durch. Auf dem Weg zum Hotel kamen wir auch an einem Trabbi vorbei 🙂

Nach dem Check-In gingen wir in Richtung Zentrum und ja, der Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen. Auf dem Hauptplatz gab es einen elektrischen Touristenführer – man konnte sogar die Anzeige auf Englisch umstellen – nur ohne Effekt 😉 Auf dem Rückweg gingen wir noch durch zwei typische Märkte – alles wie überall. Wir kauften auch ein paar Weintrauben – vergaßen aber, dass es ein Importprodukt ist. 4 Dollar für knapp 1kg waren dann das Lehrgeld 😉

Bis auf den Straßenlärm ist Ambato eine durchschnittliche Stadt. Unweit vom Hotel fanden wir einen kolumbianischen Comedor mit leckeren Essen und typischen – süßen – kolumbianischer Kaffee.

Leider zeigte hier das nächste Geräte Auflösungserscheinungen, die Objektivverriegelung bei meiner Kamera hing fest. Nur mit viel Geduld und beim 20. oder 30. Versuch konnte man ein angesetztes Objektiv losdrehen. Wir gingen also in einen kleinen Elektroladen – aber dort gelang es uns partout nicht, das Objektiv zu lösen. Zurück im Hotel brachte eine Google-Suche auch nur Worst-Case Szenarien zum Vorschein, z.B. Aufsägen der Kamera oder des Objektivs, wenns gar nicht mehr geht. Da kommt Freunde auf 😉

Zum Glück gelang es uns am Abend, das Objektiv zu lösen.

Außerdem verfügte das Hotel zwar über WLAN mit einem AccessPoint (Plaste-Router von D-Link), aber über die Kanalbelegung hatte sich niemand Gedanken gemacht. Wir empfingen das WLAN von 3 Etagen und naja, alle 3 Geräte waren mit dem Standard-Passwort versehen und ich konnte die Kanäle einstellen. Bei der Kiste auf unserer Etage hab ich dann auch das Admin-Passwort geändert – Lernen mit Schmerz 😉 (und das WLAN war dadurch stabil genug für Skype).

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen machte ich mich erneut zu dem Elektroladen auf, während Judith mit ihrer Mutti telefonierte, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren.

Der Mann im Laden löste ein paar Schrauben am Bajonett-Verschluss (während er kaute) und versuchte dann den Metallring mit einem Buttermesser heraus zu hebeln.. erfolglos. Er meine dann nur, dass die Cam halt kaputt ist. Ich fragte ihn nach einem Fotoladen und er schickte mich zu einem Geschäft Hauptplatz. Dort angekommen war von außen klar, dass es sinnlos ist – es gab Kühlschränke und Glotzen so groß wie meine letzte Wohnung. Auf dem Rückweg zum Hotel kaufte ich noch einen Schraubenzieher – was die können, kann ich auch verfuschen 😉

Reparaturversuche an der 5D

Zurück im Hotel stellte ich aber fest, das man zum Öffnen des Gehäuses hinten anfangen muss und auch eine abgewinkelte Pinzette braucht – der Moment wo ich dann wieder aufhörte. Ich fragte zwei Freunde und „das Internet“ – es mit WD40 zu probieren klang am sinnvollsten. Und tatsächlich fanden wir in einem Laden für Lager verschiedener Größen auch das Wundermittel 🙂 Um eine ruhige Hand zu bekommen, mussten wir erst mal etwas essen. Am Vortag hatten wir einen Cubaner entdeckt – das Essen war aber nicht kubanisch. Wir konnten aber ein paar Zahnstocher für die Reparatur einstecken. Den Kaffee danach gab es wieder beim Kolumbianer.

Im Hotel probierten wir das auch gleich: die Zahnstocher-Spitze mit WD40 einsprühen und damit eine kleine Menge in das Gehäuse einbringen. Was soll ich sagen: es hat geklappt, die Verriegelung arbeitet wie am ersten Tag 🙂 (auch wenn die Kamera auch so schon längst ihren Zenit überschritten hat und es nur eine Frage der Zeit).

Am Nachmittag wollten wir noch ein paar Fotos von der Stadt machen, aber gerade als wir vor die Tür traten, ging es an zu regnen und eine große dunkle Wolke ließ keinen Grund für Zuversicht. Erst gegen 17:00 Uhr klarte der Himmel auf und wir konnten noch mal raus – der Park in der Nähe erwies sich zwar als Betonwüste, bot trotzdem ein paar Motive.

Zum Abendessen gab es wieder Salami und Käse aus Salinas – einzig jedes Brot/Brötchen in Ecuador ist süß.

Die Nacht war dann auf Grund des Lärms wieder weniger erholsam und so waren wir schon um kurz nach 8 Uhr beim Frühstück. Check-Out war bis 12 Uhr, unser nächstes Ziel, Quito, nur 2 1/2 Stunden entfernt – also blieben wir danach noch bis kurz vor 11 Uhr auf dem Zimmer um dann die 10 Minuten zu Fuß zum Busterminal anzutreten – von wo es dann auch direkt los ging.

Ein kurzer Abstecher in das Bergdorf Salinas – Tag 132 und 133

Die Lage von Salinas

Unser Ziel am Dienstag, 21.02., war Salinas. Laut Reiseführer ein kleines Bergdorf, bekannt für guten Käse und Wurst. Die üblichen Reiseportale wie Booking.com oder Hostelworld kannten den Ort nicht, aber im Reiseführer stand eine kleine Pension, die wir schon zwei Tage vorher per Mail angeschrieben hatten und auch gleich eine Antwort bekamen. Wir wussten auch, das wir erst nach Guaranda müssen und der Bus dahin startete auch pünktlich. Auf den ersten Kilometern lief im Bus schreckliche elektronische Musik aus den 2000dern… Das könnte jedenfalls die Fahrweise erklären. Eine Stunde später überquerten wir erst im Niesel- und dann im Schneeregen, einen Pass auf knapp 4400 Meter Höhe. Die Bergabfahrt war dann wieder, naja, sagen wir ecuadorianisch.

In luftiger Höhe über die Anden

In Guaranda wurden wir am Marktplatz abgesetzt und fragten jemanden, wie es zum Busterminal geht. Der Beschreibung folgten wie 2 Blöcke, bis uns aus einem Bus heraus jemand fragte, wo wir hinwollen – weiterhelfen konnte er uns leider nicht. Dafür hat ein ca. Zwanzigjähriger das Gespräch mitbekommen und uns wieder zurück Richtung Marktplatz gelotst – er kam auch einen Block mit. Am Marktplatz entdeckten wir einen Pickup auf dessen Plane Salinas stand. Der Fahrer winkte uns auch gleich zu. Dann wurde es akrobatisch und eng. Auf der Ladefläche saßen schon 4 Schüler, ich sollte zu erst reinklettern und die 4 Rucksäcke entgegen nehmen. Für Judith war dann zum Glück auch noch Platz. Kurz darauf ging es auch los. Am Ortsausgang stieg dann noch eine Mutter mit ihrem Jungen zu und beide setzten sich auf die Klappe der Ladefläche und aßen ihr Essen weiter – wir hatten mit Festhalten genug zu tun.

Irgendwann waren alle ausgestiegen und wir machten uns breit – bis erst zwei kleine Mädchen und dann noch eine Frau mit zwei Eimern zustieg. Nach knapp mehr als 30 Minuten war dann Salinas erreicht. Die Fahrt hatte 2 Dollar gekostet – viel Spaß für wenig Geld. Mit dem Gepäck gingen wir zum Hostel und konnten auch gleich in ein Zimmer einchecken. Vom Balkon aus hatten wir eine super Sicht über das kleine Dorf auf 3570 Metern und auf die Berge. Wir gingen direkt zum Marktplatz, auf dem die Vorbereitungen für den Karneval liefen – inkl. ohrenbetäubender Musik.

Kaum hatten wir eine Fleischspieß in der Hand, find es zu regnen an. Wir stellten uns zu den Einheimischen unter – nur ein paar Jugendliche auf dem Marktplatz juckte das Wetter nicht. Das nächste Ziel war der lokale Fleischer/Käseladen. Für beides ist das Dorf bekannt. Wir durften 4 Sorten Käse testen und Schinken. Alles schmeckte nach etwas 🙂 Die Salami konnten wir nicht probiert – kauften wir dann nach Geruch trotzdem, zusammen mit einem Pfund Käse. Die Salami war tatsächlich die beste Wurst in ganz Südamerika – für Thüringischer Verhältnisse Mittelmaß aber für hier, einfach toll 🙂

Wir gingen dann noch zur Markthalle um Hühnchen mit Pommes und Salat von einer Oma zu kaufen und dann zurück zum Marktplatz wo der Fasching startete – jedenfalls waren viele Menschen da und Kinder besprühten sich mit Schaum aus der Dose. Da so richtig aber noch nichts los war und es immer noch tröpfelte, ging es zurück zum Hostel.

Am nächsten morgen hatte es zum Glück aufgehört mit regnen und wir konnten nach dem Frühstück noch auf einen kleinen Berg 100 Meter oberhalb des Dorfes gehen – auf 3630 Metern ging es nur langsam voran 🙂 Auf dem Rückweg ging es noch mal zum Dorfladen, um noch eine Salami zu kaufen. Kurz nach 11 Uhr saßen wir wieder im Sammeltaxi/Pickup und es ging zurück nach Guaranda, von wo aus 12:30 Uhr unser Bus nach Ambato startete (das Bus-Terminal hatten wir nach 10 Minuten durch die Stadt auch gefunden)

Über Guayaquil nach Riobamba – Tage 128 bis 132

Die Lage von Riobamba

Die Busfahrt von Montañita nach Guayaquil war schon nach 3 Stunden vorbei, da es diesmal über eine großteils vierspurige Bundesstraße ging. In Guayaquil checkten wir so gegen 14 Uhr in unser Hostel ein und der Chef bot uns ein kostenloses Upgrade an, was wir natürlich annahmen 🙂 Das Zimmer war dann auch groß und verfügte sogar über eine Küchenzeile – nur ohne Ausstattung (bis auf einen Reiskocher). In der Gegend gab es eine Uni und sonst sah es eher nach Industriegebiet aus. Wir nutzen den restlichen Nachmittag um in verschiedene Läden noch nach einer Kaffeemaschine zu suchen – im letzten fanden wir auch was passendes, nur leider war das Teil nicht vollständig. Genervt von der Hitze, schlechten Luft und Lärm der Stadt und Einkaufszentren waren wir kurz nach 6 zurück im Hostel – außer Spesen nix gewesen 😉

Am nächsten Montag ging es dann zum Busterminal und zwei offensichtlich genervte junge Frauen (wir hielten sie von ihren Handys ab) verkauften uns 10:30 Uhr ein Busticket nach Riobamba für um 10:30 Uhr… im Laufschritt ging es dann in die zweite Etage des Terminals, der Bus war zum Glück noch da.

Die dann folgenden 5 Stunden im Bus waren, wie soll man sagen, nicht so prickelnd.

Ist im Flachland die Fahrweise der Busfahrer noch ertragbar, hört bei Andenpässen der Spaß auf. Bergauf einen LKW überholen – ohne Sicht, sei es durch Kurven oder durch Nebel auf 3600 Meter Höhe – ist einfach keine gute Idee. Bremsen – Gas gegeben – bremsen – mehr bremsen – Gas geben um voll in die Kurven zu gehen, hinter denen es hunderte Meter Berg ab geht – bei Regen.. Zum Glück war Zwischendurch für ca. 30 Minuten eine Pause – auch weil das Klo im Bus nicht benutzbar war. Und irgendwann war dann auch Riobamba erreicht. Mit einem Taxi ging es zur Unterkunft und dort wurden wir echt überrascht. Wir hatten ein ganzes luxuriöses Apartment für uns. Kaffeemaschine und Saftmixer waren auch da. Was gibts besseres. Der erste Eindruck war auch, dass Riobamba deutlich leiser ist als Guayaquil. Außerdem war das Klima auf 2700 Meter angenehmer – auch wenn weniger Luft zum atmen da war, was sich auch bemerkbar machte. Wir gingen jedenfalls erst einmal los um Milch für den Kaffee zu besorgen – was schon in einer kleinen Stadtbesichtigung endete. Am späten Nachmittag sind wir dann noch mal richtig los, um das Zentrum zu erkunden. Durch Zufall fanden wir auch einen Laden, in welchem direkt im Schaufenster eine der so lange gesuchten Kaffeemaschinen stand. – gekauft haben wir sie aber erst am nächsten Tag 🙂 Riobamba erwies sich als recht übersichtlich, alle relevanten Punkte der Stadt waren von unserem „Schloß“ zu Fuß zu erreichen. Abends gingen wir dann nur noch mal ein Block weiter, um für 5,25 Dollar ein leckeres Abendessen zu bekommen.

Der Reiseführer verriet uns, dass am Samstag in einen der vielen Märkte der Stadt ganze Schweine gerillt werden. Das war dann auch am 18.02.2017 nach dem Frühstück (Brötchen vom Ort und Marmelade aus Guayaquil, Kaffee und Erdbeersaft) unser erster Weg. Im Markt Merced gab es Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch und in einem extra Bereich waren ca. 15 Stände, hinter denen jeweils 2 Frauen um mögliche Kunden für ihre Schweinestücke warben. Wir wurden jedenfalls von vielen Seiten angewunken und angesprochen. Wir probierten erst ein Stück und teilten uns dann eine Portion Mote (Mais) mit gegrillten Schweinefleisch. Über ein paar Umwege ging es zurück zur Unterkunft (unter anderen wollten wir zur Touri-Info, die leider schon zu hatte). Dort traf Judith durch Zufall eine ihrer Mitschülerinnen aus der Sprachschule in Valparaiso vor 4 Monaten wieder – die Welt ist klein 🙂

Am Nachmittag gingen wir noch mal los und liefen irgendwann durch eine Straße, in der gerade ca. 10 Busse parkten und es vor Militär mit Gewehren nur so wimmelte. Das war schon komisch und wir redeten uns ein, dass die nur zum Shoppen hier sind. Auf einem Marktplatz vor einer der vielen Kirchen fand dann auch gerade ein Wochenmarkt statt – hätten wir uns nicht schon jeder mit einem Poncho eingedeckt, wäre es dann hier wohl so weit gewesen. Das mit dem Militär klärte sich auch auf, als wir wieder zurück waren und den Chef  – Wolfgang – der Unterkunft kennen lernten. Wolfgang ist seit 25 Jahren mit einer Ecuadorianerin verheiratet und lebt hier. Er erzählte uns, dass für die Präsidentschaftswahlen am nächsten Tag aktuell alles Vorbereitet wird und diese Vorbereitungen werden eben hier so geschützt.

Einen eigenen Mixer für Säfte

Den Sonntag starteten wir gemütlich und nutzten die Zeit vor allem, um mit unseren Familien zu telefonieren und die Fotos der letzten Tage zu bearbeiten. Außerdem quälten wir den Saftmixer 🙂 Kurz nach 14 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einen der kleinen „3$-Restaurants“, welches im Reiseführer erwähnt wird. Nach ein wenig mehr als einem Kilometer durch die Stadt wurden wir leider enttäuscht – das Lokal war zu. Durch die Mittagssonne, die auf der Höhe auch ganz schön stark war, ging es dann zurück Richtung Zentrum, doch so richtig konnte uns nichts zusagen oder es war voll. Auch am Mercado Merced war Hochbetrieb.. Letztendlich sind wir zu „Happy Pollo“ – Glückliches Hühnchen und teilten uns dort eine Portion Huhn mit Pommes. Am Ende so etwas wie KFC nur deutlich besser. Erst  am Abend gingen wir erneut vor die Tür und zu unserer Überraschung war auf den Straßen nichts los – wir hatten angesichts der Präsidentschaftswahlen und der Militärpräsens am Vortag eine andere Erwartungshaltung 🙂 Die Stadt wirkte um 20 Uhr fast ausgestorben.

Für den Montag, 20.02.2017, hatten wir eigentlich den Besuch eines Fasching-Umzugs in Guaranda, ca. eine Stunde mit dem Bus entfernt, geplant. Laut Programmheft sollte der Umzug um 9 Uhr starten, weshalb 7:30 Uhr der Wecker klingelte. Zu früh, Wecker aus und weiter schlafen  🙂 Zwei Stunden später lohnte sich die Fahrt dann auch nicht mehr. Die Zeit am Vormittag haben wir dann aber dafür genutzt, dass Judith mir mit einer stumpfen Küchenschere auf der Dachterrasse des Schlosses die Haare schneiden konnte – war auch mal wieder Zeit 🙂

Gegen Mittag gingen wir dann aber zu Touri-info, um zu Erfahren wie man zur Laguna de Colta kommt. Ein junger Franzose, der dort gerade arbeitete, verwies uns an einen Tourenanbieter eine Querstraße weiter. Die hatten leider geschlossen. Wir hielten einfach ein Taxi an und fragten, wie viel eine Fahrt zur Lagune kosten sollte. 8 Dollar fanden wir für die halbe Stunde Fahrt mehr als ok. Die Laguna de Colta liegt auf 3300 Meter Höhe und dient vermutlich eher Einheimischen für einen kurzen Wochenend-Ausflug. Jedenfalls waren wir die einzigen Besucher – aber es gab einen Wachmann, der die  1,20 Dollar Eintritt kassierte. Von der Lagune hat man bei guten Wetter einen schöne Sicht auf den Chimborazo, den höchsten Berg in Ecuador (Funfact: die Spitze des Berges ist der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt der Erdoberfläche) – aber wir hatten nicht das perfekte Wetter dafür, es tröpfelte auch ein wenig.

Nach einer Stunde sind wir dann zurück an die Hauptstraße, wo wir direkt einen Bus anhalten konnten, der uns für ein wenig mehr als 1 Dollar zurück nach Riobamba gefahren hat. Doch kaum waren wir im Bus, gab der Fahrer schon wieder Vollgas und ich fiel auf eine Ecuadorianerin – keine Chance mich irgendwo festzuhalten. Zum Glück ist weder ihr noch mir was passiert.

Am Dienstag nutzen wir zum Frühstück noch einmal den Mixer für Pitahaya-Saft und nach einer langen Verabschiedung von unserer Gastgeberin waren wir 10:45 am Busterminal von Riobamba. Der erste Bus nach Guaranda, der uns angeboten wurde, sollte halb 3 fahren. Ein paar Schalter weiter startete einer 11:30 Uhr – das war perfekt für uns.

 

Montañita – Tag 126 bis 128

Montañita

Nach knapp einer Stunde erreichte der Bus von Puerto Lopez dann Montañita. Der kleine Ort liegt auch direkt am Pazifik und der Reiseführer sprach von einem Surferparadis. Unsere Navi-App kannten die Straße von unserem Hostel nicht, also hielten wir ein Taxi an… welches uns 300 Meter weiter schon wieder raus ließ 🙂

Da unser Zimmer noch nicht fertig war, stellen wir das Gepäck ab und gingen ins Zentrum etwas Essen. Das Zentrum von Montañita besteht aus Restaurants, Modeläden, Hostels und Bars. Auf den Straßen stehen neben Hütten mit Andenken auch kleine Stände mit 1-2 Tischen davor, bei denen es Säfte, Toast, Omelettes und Obstsalat gibt. Ich war zwar noch nie auf Ibiza oder Malle, aber so stell ich mir für Partyhochburgen da vor – nur schlimmer. Wir fanden zum Glück auch einen Comedor mir Mittagessen für 3€. Danach konnten wir einchecken. Das Grundstück vom Hostel war sehr groß und so mussten wir 2 Minuten durch den Garten laufen (vorbei an einem See mit Leguanen und einer Wiese mit Gänsen), bis das Haus mit unserem Zimmer in der ersten Etage erreicht war. Das Zimmer war im Vergleich zum Vorherigen richtig geräumig – nur leider gab es keine Moskitonetze über den Betten (Fotos auf Booking.com hatten das suggeriert). Nach einer kalten Dusche gingen wir zurück ins Zentrum um selbst eins zu kaufen – im 3. Laden, in dem wir fragten, wurden wir auch fündig 🙂 Nur die Suche nach einer kleinen Kaffeemaschine (so eine italienische Espressomaschine für den Herd) blieb erfolglos. Auch als uns ein Einheimischer zu einem Laden geführt hatte, in dem wir bereits wegen einem Moskitonetz waren, war dort sowas nicht zu haben. Außerdem konnten wir unsere Wäsche noch in einer Wäscherei abgeben – sollte am nächsten Nachmittag fertig sein.

Zurück im Hostel versuchten wir mit einer Wäscheleine das Moskitonetz aufzuhängen.. aber so richtig wollte das nicht klappen. Das Netz war quadratisch und hatte 4 Befestigungsschlaufen. Nach knapp einer Stunde gaben wir auf – es war sinnlos mit dem Teil. Vielleicht für eine der nächsten Stationen 🙂

Am Abend gingen wir noch mal ins Zentrum und es wirkte, als wollte jeder Laden seine Nachbarn durch pure Lautstärke übertrumpfen. Außerdem wurden aus einigen der Saftständen Coctailstände – frisches Obst wich Importschnaps. Etwas Außerhalb des Trubels fanden wir aber eine Bar mit Livemusik. Der erste Künstler spielte The Doors, Nirvana und Bob Marley auf seiner Gitarre – und in der Pause lief Buena Vista Social Club – kann also gar nicht besser sein 🙂 Irgendwann checkten wir auch, dass die anderen 4-5 Gäste keine Gäste waren sondern auch Musiker die dann auf spanisch weiter machten. Das war versucht die beste Bar für uns in der ganzen Stadt 🙂

Am Mittwoch überlegen wir beim Frühstück, was wir mit dem Tag anfangen wollten. Die einzige echte Option (Wasserfälle Dos Mangas) stellte sich als 5-6 stündige Wanderung heraus – war dann doch keine Option 😉 Also nutzen wir den Tag zum Entspannen. Ich ging erstmal zum Strand – aber rote Fahnen und Wellen von 2 Meter Höhe inkl. einer krassen Strömung machten eine entspannte Erfrischung unmöglich. Judith widmete sich währenddessen ihrem Blog und den Fotos – was auch ziemlich schnell meine Beschäftigung war.

Halb drei gingen wir auf eine Suppe und einen Saft in die Stadt und entdeckten an einem Stand auch eine Filterkaffee-Maschine. Kurze Zeit später hatten wir auch eine Tasse schwarzes Glück auf dem Tisch stehen 🙂

Die Wäsche war dann auch schon fertig (wir mussten zwar noch mal zum Hostel zurück um den Abhol-Schein zu holen).

So 17 Uhr war es dann bewölkt – ideal um noch mal zum Strand zu gehen. Nach einer halben Stunde im Wasser bei noch stärkerer Strömung als am Vormittag und etlichen Nasenduschen gingen wir zurück zum Hostel – war vielleicht das letzte Mal Pazifikküste von dieser Seite, auf dieser Reise.

Am Abend stellten wir dann noch fest, dass man besser keine 2 Notebooks an der gleichen Steckdose lädt – es roch leicht verschmort und an den Kontakten des Adapters könnte man sich verbrennen. 120 Watt waren zu viel 🙂

Am Donnerstag wollten wir zurück nach Guayaquil als Zwischenhalt auf den Weg nach Riobamba. Nach dem Frühstück (am Stand mit der Kaffeemaschine 😉 ) ging es um 11 Uhr mit dem Bus los.

Puerto López an der ecuadorianischen Pazifikküste – Tag 124 bis 126

Puerto Lopez an der Pazifik-Küste

Während der Busfahrt nach Puerto López stiegen immer wieder fliegende Händler zu. Von einem kauften wir ein Stück Bananen-Maracuja-Irgendwas Kuchen,  der richtig saftig war. Einem anderen kauften wir eine warme Bananenteig-Tasche mit Fischfüllung ab, aber auch da waren wir uns nicht sicher, was so drinnen war – Hauptsache lecker 🙂

Unser Bus erreichte dann halb 6 die Küstenstadt Puerto Lopez.

OpenAir-Taxi 🙂

Mit einer Art Motorrikscha und insgesamt 4 Personen an Bord ging es dann in Richtung Zentrum zum Hostel Heidi. Das Hostel liegt direkt am Strand bzw. am Fischmarkt. Das Zimmer war klein, aber ok. Das Wasser in der Dusche hatte die Außentemperatur, es gab auch nur einen Wasserhahn – aber bei den Temperaturen vollkommen ok. Zum Abendessen versuchten wir erst einen Spieß mit gegrillten Würstchen und waren froh, erstmal nur einen gekauft zu haben – Wurst ist hier einfach nicht so ;-).
Am Strand gab es dann einen Obstsalat, das war dann schon eher etwas.

Als wir uns am Abend schlafen legen wollten, entdeckte Judith eine ziemlich große Kakerlake, die sich unter dem Bett versteckte. Wir bewegten das Bett ein wenig hin und her und irgendwann krabbelte das Vieh Richtung Tür. Über Nacht ließen wir dann das Licht an, zum Glück hatten wir noch Augenmasken aus einem der letzten Flugzeuge.

Den Montag, 13.02., starten wir mit einem lokalen Frühstück, bestehend aus Rührei, Erdnusspaste und frittierter Banane ohne Füllung. Danach ging es mit einem Motorrickscha zum Busterminal um von dort mit einem Bus nach Agua Blanca (weißes Wasser) zu fahren. Agua Blanca ist ein Dorf im Nationalpark Machalilla, in dem eine 2000 Jahre alte Kultur entdeckt wurde – also weit vor den Incas und co. Der Bus ließ uns und 4 ältere Kanadier an der Zufahrtsstraße zu dem Dorf raus. Dort ist auch gleich eine Art Pförtnerhäuschen, bei dem pro Person 5 Dollar zu bezahlen sind. Der Pförtner hat kurzerhand alle 6 Menschen, die vor ihm standen, auf ein Ticket geschrieben. Auf die Frage, ob es zum 5km entfernten Dorf ein Shuttlebus gibt, lächelte er nur: „no“. Also ging es zu Fuß, in der Mittagssonne über die Schattenfreie Straße zum Dorf. 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit waren nicht soooo die besten Bedingungen. Nach ca. einer Stunde war das Dorf aber erreicht und zum Glück gab es einen kleinen Laden, bei dem man Wasser kaufen konnte – unsere 2 Liter waren quasi leer. Die Kanadier (2 Ehepaare) kauften sich jeder eine Flasche Bier und tranken die aus – wir wären umgefallen bei den Temperaturen. Neben dem kleinen Laden war eine Sitzecke im Schatten wo wir alle erst mal entspannten und ins Gespräch kamen. Die 4 anderen sind für 5 Wochen in Ecuador, weil es in Kanada gerade so kalt ist 😉

Danach ging es in ein kleines Museum, wo wir einen Guide (Milton) zur Seite gestellt bekamen. Milton sprach ein mega angenehmes und langsames Spanisch – alles was wir nicht verstanden war diesmal auf Grund mangelndes Vokabulars. Die vier anderen konnten quasi kein Spanisch aber wir konnten dann das, was wir verstanden, ins Englische übersetzten. Nach dem Museum führte uns Milton zu einem Friedhof der einstigen Bewohner (die ihre Leichen in Tonkrüge bestatteten) und zu einem Aussichtspunkt mit einem super Blick auf den trockenen Tropenwald. Der letzte Punkt war dann auch der Höhepunkt: eine Sulfatlagune zum baden.  Es roch zwar ein wenig nach faulen Eiern aber das Wasser war schon echt erfrischend (auch mit ca. 25 Grad 🙂 ).

Blick auf den Urwald

Nach einer Stunde an der Lagune ging es zurück zum Dorf. Dort fragten wir Milton, ob er 2 Taxis rufen kann – auf den Rückweg zu Fuß hatten die Kanadier und auch wir keine Lust. Glücklicherweise parkte gerade ein kleiner Lieferwagen aus und Milton fragte, ob der Fahrer uns 6 bis zur Straße mitnehmen könnte – was auch kein Problem war. Die beiden Frauen konnten noch in das Fahrerhaus und die zwei Männer sowie Judith und ich kletterten auf die Ladefläche und setzten uns auf die ca. 20 Gasflaschen – was kann schon passieren 🙂 Die Fahrt jedenfalls war toll. An der Hauptstraße ließ uns der Fahrer raus und keine 5 Minuten später kam auch ein Bus Richtung Puerto Lopez vorbei. Die 4 Kanadier sind dann weiter nach Montañita gefahren – unserem nächsten Ziel noch etwas südlicher an der Küste.

Zurück in der Stadt brachten wir unsere Sachen ins Hostel und gingen dann auf einen kolumbianischen Kaffee in die Stadt. Als wir dann auch langsam Hunger bekamen, gingen wir ein paar Straßen von Strand weg und fanden ein Restaurant, bei dem es für 3 Dollar pro Person wieder richtig leckeres lokales Essen gab: Bohnen mit Reis (hat an Kuba erinnert), über Holzkohle gegrilltes Schwein oder Huhn mit frittiert Bananenscheiben und Salat – echt großartig. Den Abend verbrachten wir dann auf der Terrasse im Hostel.

Den letzten Morgen (Dienstag) in Puerto Lopez starteten wir mit einer Ananas zum Frühstück, die leider nicht so doll war. In Ecuador werden 3 Sorten angebaut von denen zwei großteils für den Export bestimmt sind. Die dritte Sorte ist auch nicht so lecker. Fast wie zu Zonezeiten als es gute Produkte nur für den Export gab.

Bevor wir gegen 11:15 Uhr mit dem Bus in Richtung Montañita aufbrachen, gab es noch einen Kaffee in einem kleinen Laden – Instantkaffee, warum auch immer es hier so etwas gibt 🙂

Zum ersten Mal in Ecuador – Guayaquil – Tag 121 bis Tag 124

Die Lage von Guayaquil in Ecuador

Nach ein wenig mehr als 5 Stunden Flug erreichten wir Mittwochnacht zum ersten Mal Ecuador, genauer gesagt Guayaquil. Zwischen Chile und Ecuador liegen 2 Stunden Zeitverschiebung (jetzt 6 Stunden zu Deutschland) und wir waren 01:00 Uhr Ortszeit ganz schön müde. Zum Glück lief am Flughafen alles stressfrei. Nach 10 Minuten hatten wir unser Gepäck und die Grenzpolizei begnügte sich mit ein paar Fragen. Wir hatten mit unserer Unterkunft abgemacht, dass wir abgeholt werden – was auch geklappt hat 🙂 (15 Minuten mussten wir warten, für Südamerika war der Fahrer also pünktlich 😉 ).

Der erste Eindruck von Guayaquil: warmes, mega feuchtes Wetter und die Stadt ist deutlich moderner, als wir erwartet hatten.

Unsere Unterkunft war dann auch schnell erreicht und wir waren wieder überrascht: ein mega großes Zimmer mit Aquarium, Klimaanlage und eigenen Bad. Vor dem Zimmer ein großer Wohnraum und eine riesige Küche. Einfach toll.

Wir konnten auch richtig gut pennen und sind am Donnerstag, 9.2. erst gegen 11 Uhr aufgestanden und haben dann angefangen über Ecuador zu lesen, Vorbereitung wird überschätzt. Das der US-Dollar das einzige offizielle Zahlungsmittel ist, wussten wir bis zu dem Zeitpunkt nicht. Auch nicht was man in und um Guayaquil machen kann.

In unserem Zimmer stand auch eine Kaffeemaschine, also so eine ganz herkömmlichen Filtermaschine – nach 4 Monaten Instantkaffee keimte Hoffnung auf so richtig normalen Kaffee. In der Küche haben wir auch Pulver gefunden und …. endlich Kaffee, in Südamerika 🙂

Gegen 1 Uhr gingen wir zu einem nahe gelegenen Einkaufszentrum, welches jeder deutschen Mall gerecht werden würde. Wir wollten aber nur Geld abheben und einen Stromadapter kaufen (unsere Universaladapter ist beim Wohnen mit Verrückten in Punta Arenas gestorben). Im 4. oder 5. Laden sind wir auch fündig geworden.

Hinter dem Einkaufszentrum gab es ein kleines Restaurant – Mittagessen für 2.50 Dollar. Wir saßen mit einer 94 alten Frau am Tisch, die uns das Hühnchen empfahl. Judith hat das auch genommen und für mich gab es irgendwas mit Meeresgetier. Dazu eine undefinierbare Suppe mit Mais und Kartoffeln sowie eine Limonade. Und alles war echt lecker, so richtig gut gewürzt.

Gut gestärkt ging es dann mit dem Taxi ins Zentrum (mit dem Taxi ist es der einfachste Weg und zudem auch günstig). A n der Kathedrale sind wir ausgestiegen und der Park davor war die nächste Überraschung. Auf den Wegen laufen und liegen Leguane und in einem kleinen Tümpel sind Schildkröten – willkommen in Ecuador 🙂

Nach einigen hin-und-her (wir wurden von Polizisten in verschiedene Richtung geschickt) war dann auch die Touristeninfo in der ersten Etage des Rathauses gefunden. Die Angestellte gab uns einen Stadtplan und ein paar Tipps – zu erst auf spanisch und dann auf englisch 😉

Danach ging es noch zur ersten Stadion des Hop-on-hop-off Busses, um die Abfahrtszeiten des Busses heraus zu bekommen. Außerdem kauften wir für den nächsten Tag ein Zugticket für dem Tren de la Dulzura von Durán (der Nachbarstadt von Guayaquil) nach Bucay am Fuß der Andenkette und zurück.

Mit dem Taxi ging es wieder zurück zur Mall, wo wir noch Essen einkauften. Die Preise für Lebensmittel in Ecuador sind echt mega unterschiedlich. Lokales Obst ist sehr günstig, deutlich günstiger als in Chile oder Deutschland. Alle Importprodukte dagegen sind krass teuer. Beispiel: eine Ananas kostet 70 Cent, 200g Gramm Butter fast 3 Euro. Können wir uns bisher nur mit hohen Zollgebühren erklären und um so wunderlicher waren die 2,50 Dollar für ein Zwei-Gänge-Menü zum Mittag.

In Guayaquil hatten wir anfangs 2 Nächte gebucht, wollten jetzt aber länger bleiben. Hatte unser Vermieter am Vormittag für die zusätzlichen zwei Nächte keinen Platz mehr, bot er uns am Abend dann an, zu bleiben – was wir natürlich auch dankbar ananhmen 🙂

Außerdem besprachen wir mit ihm, dass er uns für den nächsten Tag 6:50 Uhr ein Taxi nach Durán ruft.

Am Freitag Morgen regnete es echt heftig, aber wir starten natürlich trotzdem. Um 7 Uhr war das Taxi da und eine halbe Stunde später erreichten wir den Bahnhof von Durán. Kurz nach 8 fuhr der Zug dann auch los. Die Zugfahrt führte für 3 Stunden durch Bananen-, Ananas-, Kakao-, Zuckerrohr- und Reisfelder/Plantagen in Richtung der Anden. Auf dem Hinweg gab es in Yaguachi einen kurzen Zwischenhalt. Der Zielort Bucay selbst ist eher unspektakulär. Die erste Hälfte der 90 Minuten Aufenthalt dort nutzten wir, um ein wenig durch das Zentrum zu laufen. Den Rest der Zeit verbrachten wir am Bahnhof mit einem leckeren Kaffee und geschmacksneutralen frittierten Bananen.

Auf dem Rückweg hielt der Zug dann im Milqgo. Die Region um diesen Ort ist durch Kakaoplantagen geprägt. Nach einer kurzen Erklärung der Kakao-Herstellung gab es das Endprodukt in Form eines Schoko-Sorbets. Hmmmmm 🙂

Halb 6 war dann der Ausgangspunkt Durán wieder erreicht. Unsere Hoffnung, dass vor dem Bahnhof ein paar Taxis warten, wurde leider enttäuscht. Aber eine der Angestellten war so nett, uns eins zu rufen, welches dann auch 20 Minuten später da war. Der Taxifahrer war einer von der schlimmen Sorte. Die Hauptverkehrsstraßen sind vermutlich 3 spurig je Richtung gebaut – aber ohne Markierung. Man fährt also, wo man gerade so hinpasst – auch 5 Autos nebeneinander. In Chile Autofahren – kein Stress. In Argentinien Autofahren – kein Stress. In Ecuador, Guayaquil – no way. Mit nen 30 Jahre alten Volvo mit viel Stahl und Blech vielleicht. Aber wird sind heile angekommen.

Am letzten vollen Tag in Guayaquil ging es gegen 10 Uhr zu einer Brücke, welche die Stadt mit der Insel Santay verbindet. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und liegt mitten im Fluss Rio Guayas. Über die Brücke und auf die Insel darf man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Wir entschieden uns fürs Laufen. Die Brücke ist knapp 900 Meter lang und dann sind es noch rund 2 km auf der Insel bis zu einem kleinen Dorf. Dort angekommen konnten wir auch ein paar Krokodile in einer Aufzuchtstadion sehen. Die Wege auf der Insel führen immer über Stege und auch das Dorf ist auf Stelzen gebaut – der Untergrund ist mehr oder weniger ein Moor. Das und die tolle Natur machen die Insel zu einem schönen Ausflug.

Zurück ging es dann mit einem Wassertaxi, welches in Guayaquil unmittelbar vor dem Mercado Caraguay anhielt. Was ein Glück, den Markt hatten wir garnicht auf dem Schirm. Aber dort ist es toll. Letztendlich ist das nur ein großer überdachter und umzäunter Platz und es gibt alles an lokalen Lebensmittel. Obst, Gemüse, Gewürze, Geflügel, Rind, Fisch, Krebse und Garnelen und noch vieles mehr. Eine Tolle Atmosphäre. Dort mussten wir dann auch Mittag essen. 6 Dollar für zwei Personen und wieder eine Vorsuppe und Fisch (vermutlich Thunfisch mit einer komischen Mehl-Irgendwas Paste) mit Reis.

Gut gestärkt ging es zum Malecon. Am Anfang der 2 1/2 Kilometer langen Fußgängerzone direkt am Fluss ist ein kleines Einkaufszentrum. Dort gingen wir durch – vor allem wegen der Klimaanlage (32 Grad und 70-80% Luftfeuchtigkeit..).

Durch Zufall standen wir irgendwann vor einem kleinen Elektroladen, die auch Reparaturen anbietet. Wir erklärten einen der Beiden hinter dem Tresen (Felix) das Problem: das Display vom Handy reagiert manchmal nicht oder nur sehr schwerfällig. Das erste Angebot waren 70 Dollar zum Wechseln des gesamten Displays – das war ok, denn für den Preis gibt’s auch kein neues Handy. Felix versuchte aber erst einmal was anderes: er baute das Display ab und reinigte alle Kontakte. Das sah auf dem ersten Blick auch erfolgreich aus – jedenfalls zeigte das Handy keine Probleme mehr. Für diese 15 Minuten Arbeit wollte er 25 Dollar, was für uns super war. Wir gingen den Malecon weiter und mussten ca. 30 Minuten später feststellen, dass das Handy wieder rumspinnt. Also ging es zurück zu dem Laden und nun hieß es eine Stunde warten, damit das Display ganz getauscht werden kann. Aber diese Stunde hat sich gelohnt – alles wieder heile und wir mussten auch nur die Differenz von 25 zu 70 Dollar bezahlen.

Gegen 18 Uhr erreichten wir dann den Hügel Cerro Santa Ana am Ende des Malecon. Der Hügel ist mit vielen bunten Häusern bebaut und nach 444 Treppenstufen gab es von dem Leuchtturm auf dem Hügel aus einen super Rundumblick kurz vor Sonnenuntergang.

Das letzte Ziel des Tages sollte eine Lichter- und Wassershow werden, von der wir angenommen hatten, die wäre jeden Tag. Aber die Fuente Monumental war leider aus und so garnicht monumental. Wir fragten noch einen Securitymann, ob heute noch etwas passiert, aber der hat uns nur auf den nächsten Tag verwiesen. Ach Apropos Security: in den Parks, Läden und auch bei der Zugfahrt sahen wir ganz viel bewaffnete und teils unbewaffnete privates Security-Personal. Auch auf öffentlichen Plätzen wie dem Malecon sieht man das, aber kaum Polizei. Das krasseste war, dass vor dem Parkhaus der Mall del Sol ein Securitytyp mit einer Pumpgun im Anschlag stand.

Mal sehen, ob das beim nächsten Ziel, Puerto López, auch so ist.

Am Sonntag ging es dann gegen 11 Uhr zum Busterminal in Guayaquil. Das Terminal ist im Vergleich zu den chilenischen Terminals groß, auf 3 Etagen fahren Busse ab. Nach einer kurzen Suchen fanden wir dann auch einen Schalter, bei dem wir Tickets nach Puerto Lopez kaufen konnten. Die rund 300km sollten 5.75 Dollar kosten, im Vergleich zu Chile und Argentinien echt günstig. Nur online kann man in Ecuador keine Tickets kaufen. 12:45 Uhr ging es dann im nicht klimatisierten Bus los 🙂