Die Busfahrt von Puerto Varas nach Puerto Montt hat nur ca. 30 Minuten gedauert. Da wir davon ausgegangen sind, dass es eine Stunde dauert, mussten wir am Busterminal erst einmal den Fahrer fragen, ob wir schon da sind, weil alle ausgestiegen sind.

Unseren richtiger Überland- und Überwasserbus nach Castro auf der Insel Chiloé hatten wir für 14:15 Uhr gebucht. Ich hatte dann einfach mal am Schalter der Busgesellschaft gefragt, ob wir prinzipiell auf den 12:45 Uhr Bus umbuchen könnten. Die Frage hat die gute Damen offenbar gleich als Aufforderung verstanden und mir neue Tickets für den früheren Bus gegeben. Scheint mein Spanisch hat einen Befehlston. Nach einem schnellen Kaffee ging es dann auch los.
Nach einer halben Stunde war die Fähre erreicht. Wir konnten während der Überfahrt sogar den Bus verlassen und zwei Decks höher uns den Pazifikwind durch die Haaren sausen lassen. War ganz schön frisch aber herrlich 🙂
Wieder an Land ging es für weitere 90 Minuten zum Zentrum und der Hauptstadt der Insel, Castro. Wir wussten, dass unser Hostel etwas abseits ist und gingen daher zu erst zur Touristeninfo, am Plaza de Armas, 4 Blocks vom Busterminal entfernt. Dummerweise wird da offenbar gerade umgebaut, das Schild an der Tür lautete „arbeitslos“. Da die Stadt sehr hügelig ist und wir weder wussten, wo das Hostel ist, noch das wir Lust hatten mit jeweils über 20kg Gepäck bergauf und bergab durch die Stadt zu irren, hieß die Lösung für uns ein Taxi. Aber zuvor noch kurz in den Supermarkt, Essen für den Abend und den nächsten Tag einkaufen. Am Eingang stellen wir unser Gepäck ab, ich passte darauf auf während Judith einkaufen ging. Auf der anderen Seite der Eingangstür stand der Securitydude, den ich dann beobachtete. Er war von den Angestellten der größte Mensch und auch sonst kam kaum jemand in seiner Größe vorbei. Gefühlt war er aber immer noch ein Kopf kleiner als ich. Chile, für mich auch das liebenswerte Zwergenparadies, die Betten sind 180cm lang, die Spiegel im Bad hören da auf, wo mein Kopf anfängt und die Höhe der Arbeitsplatten in der Küche garantiert Rückenschmerzen durch gebeugte Haltung 🙂
Vollbeladen sind wir in das erste Auto, das aussah wie ein Taxi gestiegen. Im Nachhinein haben wir gecheckt, dass es ein Colectivo war, die nach Stadtteilen aufgeteilt fahren. Der Fahrer hat deswegen nicht gleich gewusst, wo er hinsoll, nur die grobe Richtung hat gestimmt. Nach einmal verfahren und zweimal fragen waren wir aber am Ziel. Da das Hostel auf den ersten Blick verlassen aussah, stieg er sogar mit aus und rief etwas, bis jemand kam. Einfach toll. Statt den 4.000 Peso hat er dann auch 6.000 bekommen.

Nachdem wir in das sehr gemütliche Hostel Altos de Gamboa eingecheckt hatten, hat uns die Besitzerin auch noch eine viertel Stunde lang, angenehm langsam sprechend, erklärt, wie wir in die Stadt kommen und was es im Umland für Parks und andere Sehenswürdigkeiten gibt. Hatten wir in der Form auch noch nie und war auch spitze. Im Internet haben wir uns noch ein wenig mehr schlau gemacht und entschieden uns erstens: eine Nacht länger in Castro zu bleiben als geplant (3 statt 2 Nächte) und am nächsten Tag zum Parque Nacional Chiloe zum Wandern zu fahren.
Beim Abendessen sind wir mit einem Spanier, der auch auf Reisen ist, ins Gespräch gekommen. Da wir noch oft überlegen, was wir sagen müssen, hat er irgendwann gemeint: dies hier ist keine Prüfung und das er Spanischlehrer ist. Hat es nicht einfacher gemacht 🙂

Am nächsten Tag, 16.11., haben wir vom Busterminal den 11:30 Uhr Bus zum Nationalpark genommen. Nach 70 Minuten ist die Haltestelle erreicht. Im Park selbst sind einige Wege von ein paar Hundert Metern bis 4 km zur Küste hin und zurück. Normalerweise müsste man Eintritt bezahlen (wie in alle Nationalparks), aber die Ranger sind gerade im Streik. Der Park ist ganz interessant, teilweise geht es durch ein Moor, weshalb die Wege auch dort als Brücken gebaut sind. Im Vergleich zu den anderen von uns besuchten Nationalparks kann er aber leider nicht mithalten. Das heißt jetzt nicht, das er schlecht ist, nur das die anderen besser sind. Mitten im Park sind wir auch dem Spanischlehrer wieder begegnet und haben versucht ein bissel zu quatschen.
Mit dem Bus um 17:30 Uhr ging es dann zurück nach Castro. Direkt vor dem Ausgang des Busterminals war ein Stand, an dem es für 1.000 Peso eine Art Schaschlik vom Holzkohlengrill gab, muy bien.
Am nächsten Tag wollten wir zu einem sehr abseits gelegenen Strand, zu dem kein Bus fährt, nicht mal in die grobe Richtung. Deshalb hatten wir am Vorabend schon online nach Mietwagen geschaut. Leider waren jetzt, also am Abend vorher, kein Auto mehr zu bekommen. Der Spanischlehrer hat uns dann gesagt, dass er ein Auto in einem anderen Hostel gemietet hatte.

Auf gut Glück sind wir am nächsten Tag, Donnerstag 17.11., am Vormittag zu diesem Hostel und haben gefragt, ob die noch ein Auto haben. Das erste Angebot war uns zu teuer aber dann hat der Chef uns auf dem Hof das zweite und letzte Auto gezeigt und dazu noch etwas gesagt, bei dem ich gedacht habe, er meint, es ist halt noch dreckig und Judith, dass es einen Schaden hat. Egal, wir haben es gemietet und sind dann gegen 11:45 los, die Ruta 5 in Richtung Norden. Schnell war klar: das Auto war dreckig und kaputt. Die Lenkung wackelte. Aber das ging schon irgendwie.
Auf der Ruta 5 musste ich irgendwann einen LKW überholen, hab ordentlich beschleunigt und bin vorbei gefahren. Direkt danach ging es Berg ab, also ausrollen lassen.. nur unten im Tal standen die Carabineros de Chile mit einer Laserpistole. Wir wurden natürlich direkt rausgewunken. Als der Polizist die Pässe von uns beiden, meinen Führerschein und auch die Fahrzeugpapiere hatte, sagte er: todo bien und ließ uns weiterfahren. Glück gehabt 🙂
Kurze Zeit später ging es dann von der gut ausgebauten Straße auf eine Schotterpiste Richtung Chepu. Der Weg führte so für 20 Minuten in Richtung Pazifikküste. Zwischendurch haben wir noch einen Fahrerwechsel gemacht.
Irgendwann, gefühlt kurz vor dem Ziel, wurde aus der Schotterstraße ein Waldweg und kurz darauf ging es auch steil bergab. Das erste riesige Schlagloch ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Judith hat davor angehalten, ich bin ausgestiegen und habe sie drüber gelotst. Nur 200 Meter weiter, immer noch am Steilhang, kam die nächste kritische Stelle, die dazu auch noch nass war. Wieder raus aus dem Auto habe ich auch gesehen, das unten im Tal eine Wasserdurchfahrt ist. Mit der Erfahrung aus Cuba haben wir uns entschlossen, umzukehren. Das hieß aber: 500-600 Meter rückwärts den Berg hoch bis ein Stelle zum drehen und parken kommt. Judith ist gefahren, während ich sie um die schlimmen Stellen herumgeführt habe. Außerdem war der Weg so schlecht, das die Gewichtsersparnis im Auto schon gut war 😉
Beim Einparken habe ich das „Profil“ der Vorderräder gesehen… über die nasse Stelle am Hang wären wir nie wieder gekommen.
Bepackt mit Rucksäcken und Kameras sind wir die letzten 3-4 km zum Strand dann gelaufen, den Hang runter, vorbei an der Wasserstelle und dann gleich rechts ab in eine traumhafte Dünenlandschaft. Nach einer halben Stunde standen wir vor einer Mischung aus Moor und Kuhweide. Da mussten wir aber durch. Die Kühe haben zwar komisch geschaut aber sind friedlich geblieben. Außerdem haben meine Schuhe den Wasserdicht-Test bestanden, da ich einmal mitten im tiefen Schlamm gelandet bin. Als das Moor hinter uns lag, waren es noch mal 10 Minuten durch Dünen bis zur Küste. Der Weg hatte sich wahrlich gelohnt.

Beach at Chepu from Querulantenwahn on Vimeo.

Links und rechts vom Strand Steilküste mit grünen Wäldern und vor uns der Pazifik mir viel Wind und hohen Wellen. Weit und Breit kein Mensch. Eine Stunde später haben wir uns auf dem Rückweg gemacht, diesmal wieder durch die Dünen aber in Richtung Fluss, kurz an dem entlang und dann vorbei an einer Gruppe Pferde mit Jungtiere. Da wussten wir nicht ganz, wie wir vorbei kommen sollen, aber die Pferde sind von alleine weggetrabt.

Panorama von Strand bei Chepu
Panorama von Strand bei Chepu

Wieder am Auto war es gegen 5 Uhr und wir entschieden uns, noch zu versuchen zur Muelle de las Almas zu fahren. Die liegt südlich von Castro, also erst mal wieder länger im Auto (wir sind insgesamt an dem Tag 300km gefahren). Kurz vor Castro haben wir noch mal einen Fahrertausch gemacht . Auch der Weg zur Muelle de las Almas ist auf den letzten 15km eine Schotterpiste mit steil ansteigenden Hängen. Das Auto musste wieder leiden. Wir wussten nicht genau wo wir hinmüssen, nur das der Steg südlich vom Nationalpark Chiloé ist. Zum Glück haben wir dann doch ein kleines Schild gefunden. Quasi kurz vorm Ziel angekommen, haben wir auf einer Art Farm noch mal nach dem Weg gefragt. Der gute Mann gab uns zu verstehen, dass man hier normalerweise parkt und dann noch 45 Minuten zu Fuß braucht und es dafür jetzt zu spät ist, da es bald dunkel wird. Das haben wir eingesehen und sind umgekehrt. Während des Rückwegs nach Castro setzte auch der Sonnenuntergang ein und tauchte den Himmel in richtig viele verschiedene Rottöne. Traumhaft.
Im Hostel sind wir während des Kochens (Bratkartoffeln) noch mit zwei anderen Deutschen ins Gespräch gekommen. Die beiden kommen aus der Nähe von Meinigen, die Welt ist klein 🙂
Am Freitag, 18.11. haben wir halb 12 das Auto wieder abgegeben, um mit einem Micro weiter nach Quellón am Südende von Chiloé zu fahren. Der nächste Nationalpark wartet auf uns.

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