Fast 3 Jahre habe ich jetzt schon mit den Piraten zu tun. Am Anfang noch als Freibeuter im Forum (Account erstellt am 6. Aug 2008), seit Januar 2009 dann als Mitglied.
Und, was soll ich sagen, es hat sich einiges getan. Wir sind mehr Piraten, der Themenfocus hat sich leicht verschoben und mittlerweile verbringe ich mal locker 80 Prozent meiner Freizeit mit dem Haufen.

Von Menschen, die mit den Piraten nix am Hut haben, höre ich dann oft die Frage: „Warum?“

Auf diese Frage gibt es nicht nur eine Antwort. Es gibt hunderte. Aber in fast jeder Antwort schwingt wohl mit: „die alten Politiker verarschen uns“, „die Wirtschaft missbraucht uns als moderne Sklaven“, „die Freiheit geht langsam den Bach runter“, „das Establishment will die Menschheit dumm halten“

Gegen all die Probleme muss etwas getan werden und jeder kann einen Beitrag leisten. Entweder direkt, in dem er sich bei einer der vielen „Bürgerrechts“-Organisationen aktiv beteiligt oder indirekt, durch Spenden oder am Wahltag durch sein Kreuz an der richtigen Stelle. Außerdem braucht jede Generation ihre Revolution. Die 68 hatten ihre, die 90 hatten ihre. Und 20 Jahre später haben wir fast die gleichen Probleme wieder.

Entgegen der deutschen „Am-Stammtisch-meckern-und-nix-dagegen-machen“-Mentalität, habe ich mich also entschlossen, meinen Teil dazu beizutragen, die Welt ein klein bisschen besser zu machen (oder wenigsten am Ende sagen zu können, wir haben es versucht). Oder anders gesagt: Wer seinen Senf dazu gibt, hat auch ne Wurst mitzubringen.

Aber zurück zum Thema. Nach der EU Wahl 2009 hat sich eine feine Gruppe von Leuten entschlossen, den Landesverband Thüringen der Piratenpartei zu gründen. Das ganze am besten noch vor der Bundestagswahl, damit wir auch in Thüringen die Piraten wählen können. Ja, es war chaotisch, wir wussten eigentlich gar nicht so richtig, was wir da gerade machen und wie wir es machen, aber es hat Spaß gemacht. Und irgendwie hat es geklappt. Viel Improvisation und schlaflose Nächte haben dazu beigetragen (Es gab Menschen, die haben parallel noch eine Diplomarbeit geschrieben^^). Denn allen war klar, es geht um was Wichtiges. Die Gegner saßen im Rollstuhl oder haben liebe Mutti gespielt und wollten uns das Internet wegnehmen. Auch wenn DIE das immer noch wollen, 2% für die Piratenpartei zu Bundestagswahl 2009 haben denen gezeigt, dass es so einfach nicht wird.

Nun aber zum Problem. Die Feindbilder haben sich teilweise verschoben. Sie sitzen nicht mehr Rollstuhl sondern auf einen „Posten“ in der Piratenpartei, wo man selbst gerne sitzen würde.

Warum? Ich kann es euch nicht sagen. Was bringt ein Vorstandsamt bei den Piraten? Verantwortung, gelegentlich mal ein Shitstorm und die Möglichkeit, Beschlüsse zu fassen. Ganz ehrlich, für das, was ich bei den Piraten mache, brauch ich kein Vorstandsamt. Organisation von Veranstaltung, bundesweite Koordination von Aktionen, Vernetzung der Landesverbände untereinander, Mitarbeit in den AGs Technik, Presse, Satzung, Leitlinien in Thüringen.

Ja, ein Vorstandsamt macht ggf. Dinge einfacher. Beschlüsse kann man mal fix per Umlauf starten und es gibt tatsächlich Piraten die, für mich unverständlich, eine gewisse Autorität in ein Amt interpretieren. Und es gibt Leute, die brauchen für ihr Ego ein Amt. Weil nur dann sind sie wer. Sie können es stolz in ihre Emailsignatur schreiben, ihr Twitter- oder Facebookprofil damit schmücken und sich jeden Tag vorm Spiegel einen darauf runter holen. Ja, solche Leute gibt es auch bei den Piraten und ja, solche Leute gibt es meiner Meinung nach auch in Thüringen.

Dabei vergessen die Leute, dass es um wesentlich mehr geht, als um ihr Ego. Es geht um die Sache. Aber anstatt alle Energie und allen Zorn unseren Gegner entgegenzubringen, stellt man sich lieber selbst da, als wäre man der Größte, diskreditiert hinterrücks Mitpiraten durch die Verbreitung von Gerüchten und hat dann aber nicht mal die Eier in der Hose, dazu zu stehen.

Auf Deutsch: Es gibt bei den Piraten Arschlöcher. Einigen auch unter der C&A-Connection bekannt.

Glücklicherweise ist das nur eine kleine Minderheit. Aber auf Grund ihrer Selbstdarstellungsneurose eine laute Minderheit. Naja, ich bin jetzt seit fast 2 Jahren der Vorsitzende der PIRATEN Thüringen. Rückblickend muss ich sagen, es hat meist Spaß gemacht. Ich hab viele nette Leute aus Thüringen und dem ganzen Bundesgebiet kennen- und schätzen gelernt. Mit denen macht die Arbeit einfach Spaß. Es gibt dafür so viele Beispiele, dass ich gar nicht erst anfangen will, davon welche aufzuzeigen. Oft ist die Zusammenarbeit unkompliziert und die Dinge passieren, als würde man schon Jahre zusammenarbeiten. All denen, möchte ich hier mal danken. (Namen werde ich nicht nennen, da dabei bestimmt der eine oder andere unter den Tisch fällt, was nicht gut wäre).

In knapp zwei Wochen steht ein Landesparteitag mit Vorstandswahlen in Thüringen an. Tja, als Vorsitzender werde ich nicht erneut antreten. Gründe dafür gibt es einige. Zwei davon will ich nennen:

Erstens: auf Grund meiner beruflichen Situation ist mir nicht möglich, wochentags mal zu einem Termin hinzugehen und die PIRATEN Thüringen zu repräsentieren. Aber die Presse und alle anderen wollen halt meist den Vorsitzenden. Das kann ich nicht leisten. Und gerade in der Pressearbeit haben wir noch viel Potential (auch wenn es gerade echt super läuft, aber besser geht immer). Außerdem muss man dann tolle Reden halten. Das ist nicht mein Part. Ich will was schaffen und nicht nur dumm daher reden (Deswegen ist der Blog auch mehr oder weniger verwaist).

Zweitens: Als Vorsitzender ist man Ansprechpartner für alle. Auch für die Arschlöcher. Ich hab aber so was von keine Lust mehr, meine Freizeit für Dinge zu Opfern, wo die Arschlöcher dann ankommen, das als Ihre Arbeit aussehen lassen, um sich Abends wieder vor den Spiegel zu stellen und……

Ja, das sind persönliche Animositäten, aber es ist meine Freizeit. Die kann ich verwenden wie ich will.

Eigentlich war mein Plan, für kein Vorstandsamt mehr zu kandidieren. Denn wie oben schon beschrieben, kann ich fast alle Dinge, die ich bei den Piraten mache, auch ohne Amt leisten. Jedoch wurde am vergangenen Wochenende unser bisheriger Gen.Sek. in den Bundesvorstand gewählt. Dort wird er auch dringend benötigt. Stellt sich dann halt die Frage, wer das in Thüringen weiter macht. Gen.Sek. ist bei uns ein reiner Verwaltungsjob, in dem man auch mal leiden muss (in Form von Deppenjobs). Und naja, ich kenne keinen in Thüringen, der das gerne machen würde und auch noch in einer akzeptablen Qualität. Da ich in den letzten zwei Jahren den jeweils amtierenden Gen.Sek. immer unterstützt habe, kenn ich die Tools, die Prozesse und weiß, was zu tun ist. Außerdem will ich, dass die Leute politisch Arbeiten können. Dafür braucht es eine gute funktionierende Verwaltung. Ich denke, dass kann ich leisten. Deswegen stelle ich mich in 2 Wochen bei der Vorstandswahl als Gen.sek. auf. Die Kandidatur ist aber an eine Bedingung geknüpft. Die Thüringer Instanz von Liquid Feedback muss abgeschaltet werden. Grund: Der Mitgliedgliederverwalter auf Landesebene darf nicht gleichzeitig der Administrator des Systems sein. Und naja, die AG Technik werden ich nicht verlassen. (Dafür macht es mit dem Haufen einfach zu viel Spaß. Auch wenn es manchmal einen Tag dauert, den Unterschied zwischen fastcgi und fcgi zu checken (Insider)). Ja, es gibt einige, die wollen mich nicht mehr im Vorstand sehen. Die haben jetzt die Möglichkeit, einfach den entsprechenden Antrag (der gerade noch im LiquidFeedback selbst abgestimmt wird) zum Landesparteitag abzulehnen. Dann müssen Sie mir es wenigstens nicht ins Gesicht sagen, was sie von mir halten.

An alle anderen: das ganze ist ein Angebot. Ich werde dafür Sorge tragen, dass die Piraten, die politisch Arbeiten wollen, einen freien Rücken haben. Nicht mehr und nicht weniger.

Und in guter alter Tradition: Mein Name ist Hendrik und ich bin Pirat!

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