Am vergangenen Samstag fand der erste Test des Trabantenparteitages im Rahmen des KPT Gotha statt. Mit diesem Blogpost möchte ich die Ergebnisse zusammenfassen und einen Ausblick wagen.

Ergebnis
Vorab: Die getroffenen Beschlüsse und Wahlen waren alle zu meiner Zufriedenheit. Aber darum geht es hier nicht.
Das Modell des tKPT funktioniert technisch und organisatorisch. Ich selbst habe am Trabanten teilgenommen und konnte der Versammlung gut folgen. Es war sogar sehr angenehm. Wir waren im Trabanten nur 6 Leute. Das verringert die Geräuschkulisse und erhöht damit die Aufmerksamkeit.
Natürlich gibt es auch Optimierungspotential. David, der Tim in der Versammlungsleitung unterstützt hat, hat ein paar Punkte aufgeschrieben, von denen ich hier einige festhalten möchte und diese Liste durch eigene Beobachtungen noch ergänzen will:

– Rechtliche Frage: Die Versammlung beschließt, dass Gäste zugelassen werden. Damit gilt das auch für die Trabanten. Das könnte also zu einem Problem werden. Hier muss die Frage geklärt werden, ob der Versammlungsleiter auch Hausrecht in den Trabanten hat oder ob man das in Zukunft pro Standort selbst festlegen muss. Gleiches gilt auch für die Aufzeichnung von Ton, Bild und Video. Hier wird es wohl mehrere Optionen geben:
–> Variante a: Es wird durch die gesamte Versammlung – also inkl. aller Trabanten – abgestimmt, dass Gäste, Foto, Video zugelassen werden. Geschieht dies mehrheitlich, dann gilt die Zulassung auch automatisch an den Trabanten
–> Variante b: Es wird an jedem Standort separat über die Zulassung von Gästen, Foto, Video abgestimmt. Dann gilt an jedem Standort ggf. etwas anderes. Dabei ist aber zu klären, wie dies versammlungsrechtlich zu machen ist, da es ja um eine gemeinsame Versammlung geht.

– Zur Kommunikation der Abstimmungs- und Wahlergebnisse haben wir eine von Wilm entwickelte Software (VotingTool) eingesetzt. Da gab es ein paar Wünsche für das nächste Release, von denen Wilm auch schon weiß. Generell hat das Tool aber gemacht, was es machen sollte.

– Die Geschäftsordnung hat vorgesehen, dass bei unterschiedlichen Abstimmungsergebnissen in den einzelnen Standorten eine Auszählung der Stimmen (relevant für offene Abstimmungen) notwendig ist. Es ist aber zu prüfen, ob in Abhängigkeit der Anzahl der Abstimmenden im Hauptraum zu der Anzahl der Abstimmenden in den Trabanten das Ergebnis auch feststeht, wenn die Abstimmung im Hauptraum durch die Abstimmung in den Trabanten nicht mehr zu ändern ist. Hierzu noch kurz eine Erklärung: Für die Übertragung der Abstimmergebnisse zwischen den Standorten kam das „VotingTool“ zum Einsatz. In diesem Tool werden alle Abstimmungen durch die Versammlungs- und Wahlleitung eingetragen. Jeder Standort hat dann die Möglichkeit, das jeweilige lokale Abstimmergebnis einzutragen. Wird zum Beispiel die GO abgestimmt, trägt der Versammlungsleiter die Abstimmung in das VotingTool ein und alle Standorte müssen dann entweder ein positives oder ein negatives Abstimmungsergebnis am jeweiligen Standort eintragen. Ist das Ergebnis bei allen Standorten gleich, kann die Versammlung weitergehen. Weicht auch nur ein Standort im Ergebnis ab, muss die gesamte Abstimmung ausgezählt werden. Diese Entscheidung trifft der Versammlungsleiter. Daraufhin wird jedem Standort im VotingTool die Möglichkeit gegeben, die Ja- und Nein-Stimmen einzutragen. Das Gesamtergebnis wird dann dem Versammlungsleiter angezeigt. Ein mögliches Szenario ist aber, dass es nur den Hauptraum und einen Trabanten gibt. Der Versammlungsleiter weiß, dass im Hauptraum 50 Leute sitzen und im Trabanten 5. Der Hauptraum stimmt zu 100% über einen Antrag positiv ab – das würde der VL direkt sehen. Der Trabant stimmt aber negativ (in welchem Verhältnis sieht der VL nicht). Das spielt aber keine Rolle, denn auch wenn alle 5 Piraten im Trabanten negativ gestimmt haben ist die Entscheidung klar, da die notwendige Mehrheit am Hauptstandort erreicht ist und somit keine Auszählung notwendig wäre.

– Die Bedienung von OpenSlides und dem Tool zur Übermittlung der Abstimmungen ist für eine Person sehr viel Arbeit. Das muss in Zukunft verteilt werden

– Der Stream hing zwischen 20 bis 30 Sekunden dem eigentlichen Geschehen im Hauptraum hinterher. Diesen Punkt habe ich bereits mit Wolfgang von Streamingservices besprochen. Es gibt dafür eine Lösung, welche die Latenzen auf ca. 5-10 Sekunden drückt.

– Single Point of Failure: Es waren zu wenig Leute mit der Orga im Background betreut. Damit hing der Aufbau usw. an wenigen Leuten. Das ist zwar immer so, muss aber geändert werden. Wir brauchen in jedem Trabanten jemanden, der die Technik aufbauen und betreuen kann und der auch in der Lage ist, den Wahlhelfern und der Versammlung die Tools zu erklären. Weiterhin sollte es vorgeschriebene Mindestgrößen für Trabanten geben, ansonsten fallen Aufwand und Nutzen zu sehr auseinander. Sinnvoll wäre zu Beginn sicherlich pro LV ein Trabant, sodass nicht mehr als 20 Standorte notwendig werden.

Der Aufwand an Technik für einen Kreisparteitag war sehr hoch. Hier eine kurze Liste, was wir alles gebraucht haben:

Ausstattung für den Hauptraum:

  • Beamer und Leinwand für Openslides
  • ggf. noch ein Beamer und Leinwand für die Anzeige der TO usw.
  • 4 Mikrofone (Versammlungsleiter, Wahlleiter, Rednerpult, Saalmikrofon)
  • Strom und Audiokabel ohne Ende
  • Drucker
  • Internetzugang (Gästezugang für Teilnehmer)
  • Internetzugang (Versammlungsleitung/Wahlleiter &-helfer)
  • DSL wäre am besten. Bei UMTS bzw. LTE muss halt die Netzabdeckung passen
  • Kamera, Stativ, Grabberkarte, Notebook und Mischpult für das Streaming (also eine vollständige Streamingausrüstung)
  • PA Anlage (Boxen, Verstärker)
  • Server mit OpenSlides und dem Tool zur Übermittlung der Wahlergebnisse (VotingTool) (ich hatte dazu eine VM bei meinem Lieblings-Hoster gemietet.)
  • Anbindung (VPN) an die Mitgliederverwaltung für die Akkreditierung (Verwendung des Akk-Tools, welches in der Mitgliederverwaltung läuft)
  • je 1 Notebook für: Versammlungsleitung, Versammlungshelfer, Wahlleitung, OpenSlides-Projektoransicht (also mind. 4 Stück)

Ausstattung für je einen Trabanten:

  • Beamer und Leinwand
  • Stromkabel und Audiokabel / Verteiler
  • Drucker
  • Internetzugang (Gästezugang für Teilnehmer)
  • Internetzugang (stellv. Versammlungsleitung/Wahlhelfer)
  • Rechner für den Beamer im Trabanten
  • Rechner für Protokoll im Trabanten
  • Rechner für den Wahlhelfer 1 im Trabanten
  • kleinere Lautsprecher
  • Rechner für Anbindung (VPN) an die Mitgliederverwaltung für die Akkreditierung (Verwendung des Akk-Tools, welches in der Mitgliederverwaltung läuft)

Folgende GO haben wir verwendet:  https://wiki.piraten-thueringen.de/TH:Kreisverband_Gotha/Kreisparteitag_2013.1/GO
Die TO findet ihr hier: http://piraten-gotha.de/2013/02/10/einladung-kpt2013-1/

Ausblick:
Ich denke, dass wir in einiger Zeit das Modell des Trabantenparteitages auch auf Bundesebene anwenden können. Die technische Machbarkeit haben wir im Rahmen dieses PoC bewiesen. Zuvor muss aber noch einiges geklärt werden. Natürlich die oben erwähnte Punkte, die rechtlichen Fragen und auch noch ein wenig Technikfoo. Ein nächster Test findet vermutlich nach dem BPT im Kreisverband Ilmkreis statt. Dort soll dann die Distanz zwischen den Veranstaltungsorten schon 20 km betragen. Ich freu mich darauf.

Danke:
Ich möchte mich noch ein mal bei den Mitgliedern des KV Gotha bedanken, die das Experiment mitgemacht und aktiv gestaltet haben. Außerdem noch bei Tim, David, Schorsch, Irmgard, Gilbert, Anthony, Andreas (‚Käptn Nemo‘) und Thomas, die jeweils ein Versammlungsamt inne hatten und damit dafür gesorgt haben, dass alle Mitglieder des Kreisverbandes der Versammlung in Ruhe folgen konnten.

Den konservierten Stream vom #tkptgth gibt es unter http://www.youtube.com/watch?v=xFERz7HQ65c

An dem Blogpost haben mitgewirkt: Hendrik und Käptn Nemo

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