Margaret Thatcher, May 14, 1982, commenting on the Falkland Islands war: „When you’ve spent half your political life dealing with humdrum issues like the environment, it’s exciting to have a real crisis on your hands.“
Bericht von der Brücke:
Position (gegen 08:00 Uhr): 51“44,5’ S, 57“ 3’W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 536 Meilen
Geschwindigkeit: 10,2 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 15 Knoten Süd
Außentemperatur: 9 Grad C
Während der Nacht ist das Schiff vom Westen der Falkland-Insel in den Osten nach Stanley gefahren. Um 6:45 Uhr hat der „Wecker“ geklingelt, das gesamte Schiff wurde mittels Durchsage geweckt. Ab 08:00 Uhr sollte es dann möglich sein, dass Schiff am Hafen über die Gangway zu verlassen – die erste und letzte „Trockenlandung“ der Reise. Wir hatten uns am Vorabend noch kurzfristig für die „Wildlife- und Naturtour“ eingeschrieben. Beim ersten Versuch dort mitzumachen, waren die beiden angebotenen Gruppen schon voll aber die Crew hatte dann noch kurzfristig eine dritte Gruppe organisiert, an die wir uns dann anschließen konnten. Für uns ging es erst gegen 09:00 Uhr los. Zwischenzeitlich kam noch die Durchsage, dass es sinnvoll wäre, mit Gummistiefeln auf die Tour zu gehen. Judith war dem Ratschlag gefolgt, ich bin mir normalen Wanderschuhen los. Nach der Erfahrung auf Chiloe habe ich mir gedacht: was kann schon passieren. Wir sind also vom Schiff mit einem kleinen Bus abgeholt wurden. Gleich im Bus dabei waren unseren beiden Führer, Einwohner aus Stanley – beide aber ursprünglich aus UK. Nach rund 10 Minuten hatten wir auch den Startpunkt der Tour erreicht. Wir sind davon ausgegangen, dass es eine längere Tour, bergauf- und bergab wird – weil diese auch so beworben wurde. In den kommenden 3 Stunden ging es aber seicht an der Küstenlinie entlang und alle 50-100 Meter ist der Guide angehalten um etwas zur Pflanzenwelt an der Bucht zu erzählen. Manche der Sträucher konnten wir auch probieren. Ab und zu gab es auch Vögel zu sehen, z.b. die flightless Steamer Duck – eine Ente die nicht fliegen kann. Am Ende der Tour, bei Gypsy Cove gab es dann an einem Strand in einiger Entfernung auch noch mal Pinguine zu sehen. An den Strand selbst konnten wir aber nicht, da die Argentinier während des Falklandkrieges diesen vermient hatten und die Regierung ist sich nicht sicher, ob alle Minen geräumt sind.
Am Endpunkt mussten wir dann auch noch über 30 Minuten auf den Shuttlebus in die Stadt warten. Für uns war der Ausflug eine kleine Enttäuschung. Wir hatten uns unter einer Wanderung mit dem Titel Wildlife-Tour eben mehr als ein Lehrstunde in Sachen falkländischer Flora vorgestellt. Der Weg war ganz nett, aber wäre auch in einer Stunde machbar gewesen. In Stanley hatten wir dann noch knappe 60 Minuten bis zum letzten Bus zurück zum Schiff. Diese haben wir genutzt, um in der Post ein paar Postkarten abzugeben und im Supermarkt Süßigkeiten, die es auf dem Schiff nicht gibt, zu kaufen. Da die Post ein Stückchen der Küstenstraße entlang lag, haben wir so auch etwas von der „Stadt“, immerhin 2500 Einwohner, gesehen. Auch an der Kirche mit dem Wahrzeichen aus Blauwal-Knochen waren wir.
Gegen 14:00 Uhr ist das Schiff dann in Richtung Süd-Georgien aufgebrochen. Vor uns lagen mehr zwei Tage durchgängig auf See. Den „freien“ Nachmittag und Abend haben wir zum Ausruhen und Texte schreiben in unserer Kabine oder in der Lounge verbracht. Zum Abendessen hatten wir auch eines der angenehmeren Tischgespräche, mit Angela und Christina aus der Schweiz. Die beiden sind auch auf einer längeren Tour sind. Das war auch ein angenehmes Gespräch, weil gerade bei der Vielzahl an Amis auf den Schiff war die erste, zweite oder dritte Frage immer „What is you occupacion“ – wir sind auf einer Reise, was interessiert dann der Beruf. Offenbar bekommen die meisten Amis eine Lehrstunde im Ford-Modell…… laaaangweilig 😉
Die See zwischen den Falklandinseln und Süd-Georgien war gefühlt auch deutlich rauer als vorher. Wir mussten uns schon oft festhalten um nicht irgendwo dagegen zu fallen. Auch beim Abendessen hat man die Auswirkungen gesehen. Die Speisesaal war deutlich leerer als die Tage zuvor.
Robert Cushman: „I now belong to a higher cult of mortals, for I have seen the albatross.“
Position (gegen 08:00 Uhr): 51“ 20’ S, 60“ 40,2’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 388 Meilen
Geschwindigkeit: 10 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung: 10,15 Knoten Nordwest
Außentemperatur: 12 Grad C
An diesem Tag ertönte schon um 7 Uhr der Weckruf. Wir hatten über Nacht die Falkland-Inseln erreicht. Nach dem Frühstück ging es um 08:30 Uhr zu unserem ersten Landgang – West Point Island im Nordwesten der Inselgruppe. Auf dem Zodiac gab es noch kurz eine Erneuerung der Security-Unterweisung und dann ging es auch schon an Land. Für die Passagiere mit Mobilitätsproblemen warteten an Land zwei Landrover als Shuttle zu unserem Ziel: Devils Nose. Wir sind die 2km über die Insel von der Ost- zur Westseite gelaufen.
„Devils Nose“, eine Klippe, ist ein Brutplatz von Schwarzbrauenalbatrosen und Felsenpinguinen. Die Tiere nisten in verschiedenen Gruppen quer durcheinander. So geben die Albatrosse den deutlich kleineren Pinguinen Schutz und auch anders herum. Mögliche Angreifer haben da kaum eine Chance. Das war einfach toll, das Spektakel mit ansehen zu dürfen. Sowohl die Pinguine als auch die Albatrossen haben den nur 1-2 Wochen alten Nachwuchs in den Nestern gehabt.
Um 12 Uhr sollten wir wieder zurück an der Landestelle sein. Auf dem Rückweg sind wir noch an einem Hügel vorbeigekommen, wo wir noch hochgehen wollten – waren uns aber nicht sicher, ob das ein guter Plan ist. Wir haben also einen der Landrover-Fahrer angehalten und der hat gesagt, dass es kein Problem ist. Achso, die Falklandinseln gehören zu UK – der Fahrer saß also auf der falschen Seite– eine Straße gab es nicht 😉
Einfach mal genießen
Oben auf dem Hügel hatten man noch eine schöne Sicht auf das ankernde Schiff in der Bucht. Aus einem zweiten Landrover wurde uns dann aber 10 Minuten später signalisiert, wir sollen wieder runterkommen. In der Nähe der Landestelle gab es im Haus der Inselbewohner – 2 an der Zahl – noch Kekse und Tee aus feinsten englischen Porzellan, ziemlich komisch so etwas auf einer Insel am Ende der Welt zu sehen.
Während des Mittagessens an Bord ist dieses weiter nach Saunders Island, der zweitgrößten Insel neben den Hauptinsel, gefahren. Dort ging es dann wieder mit den Zodiacs an Land. Direkt am Landpunkt war auch gerade eine Gruppe Magellanpinguine. Wir haben uns dort aber nur kurz aufgehalten und sind auf die andere Seite der Insel zu einem Strand gelaufen. Auf dem Weg dahin ging es an unzähligen Pinguinen, eine Schaf und einem Wal-Skelett vorbei. Am Strand selbst sind hunderte Puinguine, zum größten Teil Magellan– und Eselspinguin, die sich erst einmal säubern, nach dem sie aus dem Wasser gekommen sind. Auch ein Königspinguin stand einsam und fast regungslos am Strand, scheinbar so, als würde er über die anderen, deutlich kleineren, Artgenossen wachen.
Ich hatte mich auch mal für einige Minuten in den Strand gelegt, denn wir dürfen nur 5 Meter an die Tiere heran, aber wenn diese auf uns zu kommen, ist es ok. Und um so kleiner man wirkt, um so weniger bedrohlich ist man für die Tiere. Ob ich mit meiner Statur in einer knallgelben Jacke und einer roten Hose auf dem Strand liegend umbedrohlich wirke… nunja, an diesem Tag kam noch kein Pinguin näher an mich heran 😉
Gegen 18 Uhr waren wir wieder zurück an Bord. Nach der täglichen Zusammenfassung und dem Abendessen habe ich mich mit den Bildern des Tages beschäftigt. An diesem Tag sind 1400 Fotos entstanden, echt schwer zu sortieren. Pinguine sind einfach fotogen 🙂 Über die Nacht hinweg ging es einmal um die Falklandinseln herum Richtung Stanley, der Hauptstadt.
In der Lobby der Ocean Diamond hing eine Karte, auf welcher die zurückgelegte Route dokumentiert wurde. Außerdem gab es dort einen täglichen Bericht von der Brücke, der jeweils ca. 08:00 Uhr erstellt wurde. Für den ersten Tag auf See hieß es:
Position (gegen 08:00 Uhr): 53 „ 21,8’ S, 63“ 17,1’ W
Zurückgelegte Distanz seit Start: 231 Meilen
Geschwindigkeit: 12 Knoten
Windgeschwindigkeit und Richtung:15 Knoten West
Außentemperatur: 8 Grad C
Den ersten richtigen Tag auf See verbrachten wir auch vollständig auf eben dieser in Richtung der Falkland Inseln. Obwohl keine Landgänge anstanden, war der Tag gut gefüllt.
Um 07:45 Uhr gab es einen allgemeinen Weckruf über das Bordsprechsystem. Das war fast jeden Tag der Fall, nur zu unterschiedlichen Zeiten. Zu dieser Gelegenheit wurde unsere aktuelle Position sowie die Zeit, ab der es Frühstück gibt, durchgegeben. Ab 08:00 Uhr war dann das Frühstücksbuffet geöffnet. Für uns gab es frisches Obst und dunkle !!!!! Brötchen.Gebratenen Speck, Blackpudding und die anderen englischen Frühstücks-Absurditäten brauchten wir nicht 🙂
Ab 9 Uhr gab es dann einen super Vortrag zu der Tierwelt, bzw. besser der Vogelwelt auf den Falkland-Inseln und Südgeorgien. Auf den Insel gibt es vier verschiedene Arten von Pinguinen, zwei Arten von Albatrossen und noch scheinbar unzählig viele andere Vögel.
Bevor wir zu einem zweiten Vortrag „Capturing the Experience“ gegangen sind, haben wir noch unsere Gummistiefel für die Tour abgeholt – diese sind für die Schlauchboot-Landungen absolute Pflicht, genauso wie die gelben Parkas und eine wasserdichte Hose.
Der Fotografie-Vortrag war ganz nett aber hat sich eher an Anfänger gerichtet und selbst für die, war die eine Stunde zu kurz. Es ging zu einen Hälfte um die Technik, also wie Lichtempfindlichkeit, Blende und Belichtungszeit zusammenspielen und die zweite Hälfte um Bildgestaltung. Wir hatten aber den Eindruck, dass ein relevanter Teil der Passagiere sich extra für die Reise eine Kamera mit Telezoom bis 600mm Brennweite gekauft hatten, aber vorher damit nicht fotografiert hatten. Lustig anzusehen war es dann aber schon, wie manche mit mit extrem wackelnden Teleobjektiv auf dem zusätzlich schaukelnden Schiff versucht haben, die Vögel um unser Schiff herum zu fotografieren 🙂 (klingt gerade gemein, ich weiß). Zum Glück ist dabei keiner über Bord gegangen.
Nach dem Mittagessen ging es dann mit einem Pflichtvortrag weiter: „Landing Guidelines & Zodiac Safety Briefing“. Uns wurde erklärt, wie man in die Schlauchboote (Zodiacs) ein- und aussteigt und wie man sich auf Land zu verhalten hat. Um dazu nur einige Punkte zu nennen:
– Nichts mitnehmen, außer Fotos (also keine Steine usw.)
– Nichts hinterlassen, außer Fußabdrücke (Müll mitnehmen usw.
– mind. 5 Meter Abstand zu den Tieren halten, außen diese kommen auf einen zu
– den Tieren, vor allem den Pinguinen, „Vorfahrt“ gewähren, wenn diese auf dem Weg vom Wasser zu den Nestern sind
– für die Falklandinseln: auf den markierten Wegen bleiben, da Teile der Inseln immer noch vermient sind
Nach dem Vortrag mussten wir uns dann noch in eine der vier Landungsgruppen eintragen. Wir haben einfach Gruppe eins genommen – die Reihenfolge wird bei jedem Landgang sowieso getauscht.
Am Nachmittag gab es dann noch einen Vortrag zur Geschichte der Falklandinseln, von der Entdeckung, über die Verwendung als Station für Walfänger und als Ausgangspunkt zur Erforschung der Antarktis, bis zum Krieg 1982 zwischen Argentinien und UK bis zur heutigen Zeit.
Vor dem Abendessen fand dann noch das tägliche Expedition Recap & Briefing statt – eine kurze Zusammenfassung des Tages und einen Ausblick auf den kommenden Tag. Direkt im Anschuss wurde uns im Rahmen des Captain’s Welcome Cocktail auch noch die eigentliche Crew des Schiffes vorgestellt. Um das kurz zusammenzufassen: Gefahren und gewartet wird das Schiff von Russen (was gibt es besseres, die bekommen alles wieder ganz), der Chefkoch ist aus Österreich, das Restaurantpersonal ist zum größten Teil auch russisch, der Zimmerservice wird von Philiponos?? dominiert und wir schon geschrieben, die Expeditionscrew sind Australier und Kanadier.
Der 21.12. war auch der längste Tag des Jahres, jedenfalls auf der Südhalbkugel, und so war nach dem Abendessen noch genug Zeit für den zweiten Sonnenuntergang auf See – das Wetter hat auch mitgespielt. Nur jetzt auf offener See – war der Seegang doch deutlicher spürbar. Auch in der Kabine hat es ganz schön geknarzt und geschaukelt. Wir haben es aber trotzdem gut verkraftet.
Auf den Aushängen mit dem Tagesprogramm stand auch jeden Tag ein Zitat das einen Zusammenhang mit der See oder der Region, in der das Schiff sich gerade befand, hatte:
Oliver Wendell Holmes: “I find the greatest thing in this world is not so much where we stand as is which direction we are moving. To reach the port of heaven, we must sail sometimes with the wind and sometimes against it, but we must sail, and not drift, nor lie at anchor.”
Am ersten Tag auf See, Dienstag 20.12.2016, sind wir mit einem Shuttlebus gegen 16:00 Uhr zum Schiff, der Ocean Diamond, gefahren worden. Beim Check-In an Bord haben wir dann die Kabine 604 bekommen – Judith ihr Geburtsdatum – das ist wohl der endgültige Beweis dafür, dass es ihr in die Wiege gelegt wurde, einmal zur Antarktis zu fahren 🙂
Wir mussten 3 Decks nach oben und auf jedem Deck sind wir gefragt wurden, wo wir denn hinmüssen und auf Deck 6 sind wir dann bis zur Kabine gebracht wurden – verlaufen ist aber auf dem Schiff eh nicht. Es gibt ein Haupttreppenhaus und je Deck einen Flur, da alles Außenkabinen sind. Unsere Kabine war nach über zwei Monaten in Hostels der pure Luxus. Richtige Betten mit richtige Bettwäsche und Bettlaken, Teppichboden, zwei Sessel/Stühle, ein eigenes Bad und aus der Dusche kommt 24 Stunden lang warmes Wasser in einer gleichbleibenden Temperatur. Wir haben auch unsere Klamotten ausgepackt und zum Teil auf Kleiderbügel gehangen – auch das gab es schon länger nicht mehr 🙂
Gegen 17:00 Uhr, das Schiff war noch im Hafen in Ushuaia, gab es dann in der Mainlounge auf Deck 5 eine Willkommensveranstaltung, auf der uns die Expeditionscrew vorgestellt wurde. Die Crew bestand aus ca. 20 Menschen, zum größten Teil aus Kanada, USA und Australien kommen.
Direkt im Anschluss gab es auch die Securityeinweisung und kurz darauf wurde dann der Anker gelichtet und es ging durch den Beagle-Kanal in Richtung Osten – zum Atlantik. Noch im Beagle Kanal fand dann auch die angekündigte Sicherheitsübung statt. Die Schiffssirene dröhnte sieben mal kurz und einmal lang. Wir wussten noch, was zu tun ist: zurück aufs Zimmer gehen, Rettungsweste holen und ein Deck tiefer zur Main Lounge zu gehen. Dort dann die Rettungsweste anziehen und warten. Die Stimmung war irgendwie gedrückt. Nach dem alle fast 200 Passagiere die Westen anhatten, war erst einmal Ruhe und der Expeditionsführer, Shane, hat auch durch seine Stimme dafür gesorgt, dass die Übung nicht zur Spaßveranstaltung verkam. Fanden wir gut so. Das Schiff verfügt über zwei Rettungsboote und die Passagiere sind fest auf die Boote eingeteilt. Damit kein Chaos entsteht, werden im Ernstfall die Passagiere im Gänsemarsch zu den Booten geführt – sicherlich clever. Das haben wir dann auch geübt und selbst dabei hat eine eigenartige Stille geherrscht. Ob im Ernstfall die ca. 80 Chinesen an Bord die Anweisungen verstehen, wird sich hoffentlich nicht zeigen (viele Durchsagen gibt es sowohl auf Englisch als auch auf Mandarin).
Nach der Übung konnten wir dann noch die Expeditions-Parkas, die wir auch behalten dürfen, anprobieren und abholen.
Um 20:00 Uhr gab es dann endlich Abendessen – wir hatten an dem Tag nichts zum Mittag gegessen und hatten dementsprechend Hunger. Das Abendessen an Bord ist ein serviertes Menü (Frühstück und Mittag gibt es als Buffet), welches man sich selbst zusammenstellen kann. Die Wahl bestand meist aus 2 verschiedenen Vorspeisen, 2 Suppen, 3 Hauptgängen (einer davon vegetarisch) und 3 Nachspeisen sowie noch einer Auswahl an Käse. Zum Abendessen gab es Weiß- und Rotwein soviel wie man mag (Wasser, Tee und Kaffee stehen rund um die Uhr zur Verfügung). Soviel Luxus sind wir nicht mehr gewohnt 🙂 Das Essen war auch richtig lecker, also so richtig richtig. Vollgestopft sind wir dann noch auf Deck gegangen um den ersten Sonnenuntergang auf See zu genießen. Auf dem Rückweg zu unserer Kabine ging es dann noch zur gut ausgestatteten Bordbibliothek, um uns zwei deutschsprachige Bücher auszuleihen. Der Anfang der ersten Nacht war auch noch im Beagle-Kanal, also war auch kaum Seegang spürbar. Aber das sollte sich ändern 🙂
Der Bus von Punta Arenas nach Ushuaia auf Feuerland (die argentinische Seite) ist pünktlich um 8:30 Uhr auf die 12 Stunden Fahrt aufgebrochen. Kurz nach 11:00 war dann auch die Fähre über die Magellanstraße erreicht. Dort mussten wir ca. 30 Minuten auf die Fähre warten und konnten in der Zeit zusehen, wie der erste Versuch der Fähre anzulanden fehlgeschlagen ist. War wohl zu viel Wind und ein zu starker Seegang.
Im zweiten Anlauf hat es dann aber geklappt und wir konnten zu Fuß auf das Schiff. Während der Überfahrt waren wir dann wieder an Deck, anfangs leider noch an einer engen Stelle ohne wirklich freie Sicht auf die See. Von Zeit zu Zeit kamen ganz schön große Wellen und die Gischt ist bis zum Passagierdeck hochgeschlagen. Dabei sind auch immer einige Cameras nass geworden (unsere waren im Bus) und irgendwann hörten wir: des isches nich wert – im „schönsten“ Schwäbisch. Darauf hin verließ eine Frau ihren Platz mit guter Aussicht und Judith konnte nachrutschen.
Auf Feuerland angekommen waren noch so vielleicht die ersten 5 km asphaltierte Straße und der Rest der Strecke bis zur argentinischen Grenze eine Schotterpiste – quer durch die Pampa. 3 Stunden kein Baum, nur Wiese, ein paar Sträucher sowie Schafe und Rinder. Der Grenzübertritt gegen 16:00 Uhr war zum Glück wieder entspannt wie bei der ersten Einreise nach Argentinien.
Danach ging es auf der Ruta 3, wieder asphaltiert, weiter nach Ushuaia. Bei Tolhuin gab es noch keine kurze Tank-Pause und dann ging es hinauf auf den Pass über die Berge, inklusive einer genialen Aussicht auf den Lago Escondido. Bei der Passfahrt haben wir dann gehofft, dass es mal einen Fahrerwechsel gegeben hatte. Es ging teilweise richtig steil nach unten.
Gegen 20:00 Uhr sind wir dann in der südlichsten Stadt der Welt angekommen. Nach weiteren 20 Minuten zu Fuß sind wir am Haus von Carmen angekommen – für Ushuaia haben wir eine Übernachtung über AirBNB gebucht. Wir hatten auch Glück, dass sie gerade am Fenster stand, da das Haus keine Hausnummer hatte und wir unsicher waren, ob wir richtig sind. Aber sie machte die Tür auf und ließ uns herein. Nach dem Sie uns alles gezeigt hatte, sind wir noch fix in die Stadt gegangen, um ein wenig etwas zu Essen einzukaufen. Leider war der erste Supermarkt schon zu aber in einem kleinen Tante-Emma Laden sind wir dann doch noch fündig geworden. Am späten Abend hatten wir den Eindruck, dass aus dem Nachbarzimmer Clueso sowie deutsche Stimmen zu hören sind, strange, am Ende der Welt 🙂
Der Samstag, 10.12., startete mit einem grandiosen Frühstück. Hörnchen, Toast, Marmelade, Dulce de leche, Müsli, Gebäck. Alles war da. Außerdem auch zwei andere Deutsche auf Reisen, wir hatten uns also nicht geirrt. Gut gestärkt sind wir dann in die Innenstadt gegangen, um nach Möglichkeiten zu schauen, wie wir zur Antarktis kommen können. Ziemlich schnell haben wir auch ein Reisebüro gefunden, an dessen Schaufenster etwas mit Antarktis stand. Die Frau gab uns aber zu verstehen, dass es keine Reisen ab Ushuaia mehr gibt, sondern nur noch freie Plätze auf dem Schiff ab Punta Arenas. Das fanden wir echt komisch, da im Hafen eindeutig „Kreuzfahrtschiffe“ standen. Auf dem Weg zur Touristeninformation sind wir noch an einem zweiten Reisebüro vorbeigekommen – auch hier ein Aushang mit Last-Minutes Deals, ab Ushuaia. Die erste Damen hatte uns also angelogen. Leider war das Büro gerade geschlossen, also haben wir nur ein Foto von den Angeboten gemacht. In der Touristeninformation haben wir Infos zum Nationalpark und dem Zug „Fin del Mundo“ bekommen und noch eine Empfehlung für zwei andere Reisebüros. Dort sind wir dann auch, nachdem wir für die nächsten Tage Essen in einem richtigen Supermarkt eingekauft hatten (unser erster Plan war, 4 Nächte hier zu bleiben), hingegangen. Das erste Büro war auch eine Enttäuschung. Man wollte uns einen Flug ab Punta Arenas zur Antarktis und dann 6 Tage auf See verkaufen. Für ein anderes Schiff konnte die Verfügbarkeit nicht geprüft werden und wir hätten erst mal Zahlungsinformationen hinterlegen sollen.
Dafür war dann aber das zweite Büro ein Volltreffer. Wir haben eine länge Präsentation zu den verschiedenen Optionen bekommen (10 Tage ab Ushuaia, 6 Tage mit Flug ab Punta Arenas oder 19 Tage ab Ushuaia). Die Zehntages-Tour war die selbe Tour wie in dem Reisebüro, welches leider geschlossen hatte. Also entschieden wir uns, dort um 17:00 Uhr, wenn es wieder geöffnet war, noch einmal hinzugehen, um einen Vergleich zu haben. Die Zeit bis dahin haben wir dann genutzt, noch mehr Infos zu den Touren zu sammeln und auch schon mal mit dem Reisebüro, welches sich so gut um uns gekümmert hat ein paar Mails auszutauschen um noch Fragen zu stellen.
Als wir kurz nach 5 wieder in der Stadt waren, mussten wir ca. 20 Minuten auf einen freien Mitarbeiter im Reisebüro warten. Und unabhängig voneinander hatten wir wohl den gleichen Gedanken: eigentlich ist es egal, was die uns jetzt sagen, wir wollen die lange 19-Tages-Tour machen. Das haben wir aber erst beim Verlassen festgestellt 🙂
Also ging es dann zu Freestyle-Ushuaia um die Tour zu buchen. Doch jetzt hatten die zu. Kein Problem, von unser Unterkunft auf haben wir dann eine Vorabreservierung mit denen per Mail besprochen und für den Sonntag um 10 Uhr einen Termin ausgemacht.
Am Abend wollten wir dann noch Steaks in der Küche von Carmen braten, zusammen mit Mischgemüse und Kartoffelbrei. Irgendwie fand sie dass nicht so gut, weil die Küche zum Wohnzimmer hin offen war und wir alles eingeräuchert hätten. Sie hat uns dann aber einen großen Topf mit Deckel gegeben, in dem wir das Steak „braten“ konnten. Ging auch irgendwie und war auch lecker.
Panorama von Ushuaia
Um kurz nach 10 waren wir dann am Sonntag auch im Büro von Gabriel um die Tour zur Antarktis zu buchen und zu bezahlen. Wir haben auch gleich noch jeder ein Halstuch und eine Broschüre zur Tierwelt während der Reise bekommen. Am Tag bevor es losgeht, bekommen wir von ihm auch noch eine wasserfeste Hose sowie Handschuhe. Über den Preis dürfen wir leider nicht reden, weil wir ein NDA unterschrieben haben und als Strafe, wenn wir es doch machen und das rauskommt, müssten wir den vollen Katalogpreis hinlegen 🙂
Mit einem breiten Grinsen ging es dann zurück zu Carmen ihrem Haus. Die Reise sollte in 9 Tagen starten. Also schauten wir nach Möglichkeiten, was wir bis dahin auf Feuerland machen können. Eine zwischenzeitliche Rückfahrt auf das Festland haben wir ausgeschlossen, dass das noch einmal 12 Stunden Hin- und 12 Stunden Rückweg bedeuten würde. Auf Feuerland gibt es noch zwei weitere Städte. Diese sind aber erstens schwer mit einem Bus erreichbar und die Zimmerpreise dort fangen im dreistelligen Bereich an. Das haben wir also gelassen. Auch die Mietwagenpreise in Ushuaia sind unverschämt. Kategorie Kleinwagen ab 80 Euro am Tag, eine Limousine (wo man auch drinnen pennen könnte) 120 Euro am Tag). Von Allrad-Autos brauch ich dann nix mehr schreiben. Auch ein paar Tage Puerto Williams, ein chilenisches Dorf auf Kap Horn,kommt leider nicht in Frage, denn die Überfahrt alleine dahin (dauert nur 30 Minuten) kostet pro Person 120 Dollar – one way).
Also entschieden wir uns, in Ushuaia zu bleiben, aber die Unterkunft zu wechseln. Wieder über AirBNB haben wir eine kleine Wohnung gefunden, etwas außerhalb in der Nähe des Waldes. Mit der Besitzerin vereinbarten wir, dass Sie uns zwei Tage später um 14 Uhr bei Carmen abholt. Außerdem haben wir die Buchungen für die nächste Zeit bis zu den Osterinseln gemacht. Die geplante Route durch Torres del Paine mussten wir jetzt ändern (dazu gehören auch die gebuchten Campingplätze), außerdem die Reservierung bei Erratic Rock in Puerto Natales. Einen Flug von Punta Arenas nach Santiago haben wir jetzt auch, genauso wie die notwenigen Überland-Bustickets. Es geht dann auch noch einmal nach El Calafate zum Perito Moreno Gletscher. Die ganze Planung hat dann eigentlich auch den restlichen Tag in Anspruch genommen.
Am Montag, 12. Dezember, hat uns dann das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Geplant war eigentlich der Nationalpark aber bei einer Mischung aus Schnee und Regen und 2-3 Grad Außentemperatur (im Sommer) muss das auch nicht sein. Also sind wir noch mal in die Stadt, um für mich eine lange Unterhose für den Antarktistrip zu kaufen (die es auch tatsächlich gab) und zum Historischen Museum Feuerland zu gehen. Das Museum ist echt cool gemacht. Es gibt einen interessanten Audioguide und man erfährt viel über die ersten Siedler (vor 10.000 Jahren) der Insel, ebenso über die Zeit der Eroberer, FritzRoy und Charles Darwin und über die gescheiterte Endurance-Expedition der Antarktis von Ernest Shackleton.Leider wurde das Wetter während wir im Museum waren nicht besser. Es hatte sich so richtig schön eingeregnet. Aber so ist das eben, wenn sowohl der Pazifik als auch der Atlantik um die Ecke sind, ein Gebirge direkt vor der Haustür und die Antarktis nur noch 1000 km weit weg ist. Also verbrachten wir die restliche Zeit bei Carmen. Ich habe die letzte Folge der Anstalt geschaut …. war auch schon mal besser 😉
Am nächsten Vormittag haben wir dann noch einen Spaziergang über die Halbinsel an der Bahia Encerrada mit dem Flughafen von Ushuaia gemacht, von wo man einen super Blick auf die Stadt und die Berge hat. Auf einer Wiese sind wir auch einem Vater mit seiner Tochter begegnet, die zwei ziemlich große Hunde im Schlepptau hatten. Diese waren am Anfang, als wir an den vier vorbeigelaufen sind, noch friedlich. Aber als wir praktisch von vorbei waren, fingen sie an, uns anzuknurren, zu bellen und wie wild hinter uns rumzuspringen. Das Herrchen hat dann aber zum Glück schnell eingegriffen und alles lief gut. Mit Karina von der zweiten AirBNB-Unterkunft in Ushuaia waren wir um 14 verabredet. Um halb 3 hatte Sie mir dann eine Mail geschickt, dass sie draußen wartet. Wir waren die ganze Zeit schon draußen, um die paar Sonnenstrahlen zu genießen, aber haben niemanden gesehen. Nach ein paar Mails hin und her und einer weiteren halben Stunde hatte sie uns dann letztendlich gefunden und ist mit uns zu ihrem Haus gefahren. Dort haben wir eine Art Ferienwohnung mit gut ausgestatteter Küche und einem Holzofen. Wir haben es uns erst einmal bequem gemacht. Aus dem eigentlich geplanten Chili-con-Carne zum Abendessen (ohne rote Bohnen, weil es die nicht gab) ist am Ende ein Hackfleisch-Kartoffel-Gemüse-Auflauf geworden. In Süß. In einem Gefäß, das aussah wie ein Salzsteuer war Zucker. Und ich hab davon erst einmal jede Menge an das Hackfleisch beim Anbraten in der Pfanne gekippt, bevor mir der Fehler aufgefallen ist. Salz gab es nirgendwo, aber Karina hat uns dann welches gegeben (genauso Zwieback für das Frühstück 😉 ).
Am Mittwoch, 14.12., sind wir durch einen Sturm geweckt wurden. Auch in der Wohnung war es eisig kalt. Die ersten Versuche, den Holzofen anzumachen, sind auch fehlgeschlagen. Es gab nur ein riesiges Stück Holz und vom Boden vor dem Haus konnten wir ein paar kleine Zweige auflesen. Die Axt, die neben dem Ofen stand, war leider viel zu klein, um aus den großen Stücken vor dem Haus brauchbares Brennmaterial zu machen. Wir haben dann aber die Besitzerin gefragt, wie die Heizung angeht (es war eine Gasheizung, bei der die Zündung defekt war, was wir nicht wussten). Außerdem hat Sie uns eine größere Axt gegeben. Nach 90 Minuten Dauerbetrieb der Heizung (eine Gasheizung, die man dadurch anmacht, dass man ein brennendes Streichholz in sie reinfallen lässt) und des Holzofens war es richtig gemütlich warm und der Sturm konnte draußen machen, was er wollte. Das Wetter bleib den ganzen Tag leider so, aber dafür hatten wir Zeit zu schreiben und Judith ihr Reisetagebuch ist jetzt fast voll (nach nur ein wenig mehr als zwei Monaten).
Der nächste Tag war vom Wetter her schon ein wenig besser, deswegen sind wir gegen 12 Uhr mit dem Bus in die Stadt gefahren, um zu einem Museum zu gehen und etwas zu Essen für die nächsten Tage einzukaufen. Kaum an der Bushaltestelle angekommen, kam dieser auch schon an und 10 Minuten später waren wir im Zentrum. Der Stadtplan war leider etwas verwirrend und bis wir das Museum gefunden hatten, hat es ein wenig gedauert. Doch auch dort: Touriabzocke: 350 argentinische Peso, 20 Euro für ein Ticket.. haben wir dann doch seien lassen 😉
Nach einer heißen Schokolade sind wir noch so ein wenig durch das Zentrum gelaufen und bepackt mit den Einkäufen für die nächsten Tage waren wir um kurz nach 5 Uhr wieder zurück in der Unterkunft. Wir haben dann noch ein paar Dokus über unsere bevorstehende Schiffsreise geschaut und auch so zum Thema noch einige Artikel gelesen. Die Vorfreude steigt 🙂
Haareschneiden am Ende der Welt
Der Freitag, 16.12., startete auch wieder mit relativ blauem Himmel und kaum Wind (eine Seltenheit 🙂 ). Das nutzten wir aus, damit Judith mir noch einmal die Haare schneiden konnte – das geht draußen einfach besser. Gleich am Anfang kam auch Fuchur (eine Hündin aus der Nachbarschaft, dessen Namen wir nicht kennen aber sie sieht so aus, wenn sie da liegt) zu uns – sie war noch in Nähe, weil sie kurz davor die Reste unseres Abendessens vom Vortag (Spaghetti Carbonara) vertilgt hatte. Nach ein paar Minuten war dann auch Olivia da, die Hündin des Hauses und mein bisheriger Lieblingshund in Südamerika. Ab dann wurde es für Judith auch schwierig mit dem Haarschneiden, weil sobald man aufhört, Olivia zu streicheln und zu kraulen, wird man angestupst und traurig angeschaut 😉 Aber es ist schwierig, den großen Hund zu beschäftigen und dabei den Kopf ruhig zu halten. Ging dann aber irgendwie.
Danach, so gegen 13 Uhr, hat es leider wieder angefangen, zu nieseln und der Himmel hat sich zugezogen. Zeit, diesen Blogeintrag zu schreiben.
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Auch am Samstag das gleiche Bild wie die Tage davor, auf kurze Momente von Sonnenschein folgten dunkle Wolken. Wir sind dann trotzdem mal eine kleine Runde durch die Siedlung oberhalb von Ushuaia gelaufen. Mit uns mitgekommen ist Fuchur und hat auf uns aufgepasst – und wir auf sie. In den Wiesen gibt es ziemlich viele Kletten und wir haben ihr beim Rausmachen aus dem langen truppeligen Fell geholfen. An einem Zeltplatz ist sie wegen zwei anderen Hunden dann mal nicht weitergelaufen, was zuvor bei anderen Hunden kein Problem war. Das haben wir dann auch so verstanden, dass wir den Weg besser nicht gehen 😉 Über die Reste vom Mittagessen hat sich sich dann auch gefreut. Wir haben auch rausgefunden, dass die Hündin eigentlich zum Haus gegenüber gehört. Über Nacht hat sie von uns eine Mülltüte vor der Tür aufgebissen und den ganzen Müll vor ein Holztor bei Ihrem zu Hause abgelegt. Wie auch immer man das verstehen kann 🙂
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Die restlichen Tage trage ich dann später nach 🙂
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